Kinofilm "Sing"

"Wir sind die Coolsten"

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Für den Film „Sing“ synchronisieren Stefanie Kloß (links) von Silbermond und der YouTuber Inscope21 zwei Stachelschweine und sprachen mit Sandy Kolbuch über diese Erfahrung.

Stefanie Kloß (*1984) gründete 1998 ihre erste Band, aus der einige Jahre später SILBERMOND hervorging. Seit mehr als 12 Jahren rockt sie gemeinsam mit ihren drei Bandkollegen die Charts. Inscope21, mit bürgerlichem Namen Nicolas Lazaridis (*1994), gehört mit weit über 1,5 Millionen Abonnenten zu den erfolgreichsten YouTube-Persönlichkeiten Deutschlands. Für den Film SING leihen Stefanie und Nicolas den Stachelschweinen Ash und Lance ihre Stimmen. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf beide am Tag nach der Europa-Premiere des Films in Berlin.

Wie fühlt Ihr euch als Stachelschweine und wie war eure erste Reaktion auf die Rolle?

Inscope21: Richtig gut! Als ich erfahren habe, dass ich ein Stachelschwein spreche, fand ich den Charakter sehr interessant. Und ich kann mich mit Lance identifizieren.

Stefanie Kloß: Wir sind die coolsten im ganzen Film. Als ich die Rolle gesehen habe, war ich begeistert. Ash und ich haben einen ähnlichen Klamottengeschmack und spielen beide in einer Band. Als Musiker und Künstler ist man immer auf der Suche nach einer Herausforderung, daher wäre es blöd gewesen, diese Chance nicht zu nutzen.

War die Arbeit im Studio genauso, wie Ihr es euch vorgestellt habt?

Stefanie Kloß: Meine Jungs sagen mir im Studio, wo es langgeht und so war es auch mit dem Produzenten (lacht). Man kann ein Take immer erst realisieren, wenn man ihn noch einmal hört. Der Produzent gibt einem Tipps, wie man es besser machen kann. Und so war es auch im Synchronstudio. Nana hat uns als professionelle Synchronsprecherin geholfen und unterstützt. Das Synchronsprechen ist harte Arbeit, die man nicht unterschätzen sollte.

Inscope21: Die Emotionen mit der Stimme richtig rüberzubringen ist nicht immer einfach. Man braucht manchmal schon mehrere Versuche, bis es sich richtig anhört.

Ash muss im Film einen Song singen, den sie nicht mag. Hast Du die gleichen Erfahrungen gemacht?

Stefanie Kloß: Wir sind eine normal gewachsene Band, die sich in einer kleinen Stadt getroffen, nach Berlin gegangen ist und einen Plattenvertrag unterschrieben hat. Aber so einfach ist das natürlich nicht, auch wenn es sich bei uns so anhört. Wir haben unsere Songs von Anfang an selbst geschrieben. Ganz zu Beginn unserer Karriere, nachdem wir den Plattenvertrag bei der BMG unterschrieben hatten, fand der Plattenboss die Musik nicht gut genug. Wir mussten einen Song aufnehmen, den der Gitarrist von Kiss geschrieben hat. Wir haben den Text ins deutsche adaptiert. Der Song hieß Mach´s Dir selbst, war fürchterlich und auch das Video dazu war schrecklich. Anschließend hat sich das Label umstrukturiert und wollte uns rausschmeißen. Wir haben dann aber vereinbart, dass wir noch eine Single herausbringen und wenn die floppt, gehen wir von alleine. Dann haben wir Durch die Nacht gemacht und dann nahm alles seinen Lauf.

Ihr gehört zu einer Generation, die mit computeranimierten Filmen aufgewachsen ist. Liegen Euch die klassischen Zeichentrickfilme noch am Herzen?

Stefanie Kloß: Als Kind bin ich noch um 5 Uhr morgens aufgestanden, um Popeye und Bugs Bunny zu gucken. Ich habe die Serie Der Maulwurf geliebt. Mein Neffe hat gerade das Stofftier von meiner Mutter geschenkt bekommen und als erstes den Knopf der Latzhose abgerissen (lacht).

Inscope21: Ich habe als Kind auch klassische Zeichentrickserien geschaut. Die Leute sind heutzutage nicht mehr dafür offen, wenn es nicht in 4K ist. Ich finde aber, dass die Message und der Inhalt des Films wichtiger sind, als die Qualität.

Habt Ihr schon Ziele für die nahe Zukunft?

Inscope21: Ich setze mir immer ein großes Ziel, es ist jedoch wichtig dieses in kleinen Schritten zu erreichen. Man darf nie den Überblick über seine Aufgaben verlieren und muss stets motiviert sein das letztendliche Ziel etappenweise zu erobern

Stefanie Kloß: Ich habe mit meiner Band zehn Jahre Gas gegeben, weil uns unsere Arbeit Spaß macht. Aber wenn man sieben Echos, einen Bambi und einen Bravo Otto gewonnen hat, dann sitzt man irgendwann in dem Zimmer, wo die Auszeichnungen stehen und wird sich bewusst, was man bereits erreicht hat. Dann weiß man auch, dass irgendwo nur einer darauf wartet, dass man einen Fehler macht und scheitert. Man verliert dadurch die Leichtigkeit und wird kritischer sich selbst gegenüber. Wir waren nach der vierten Platte an genau diesem Punkt angelangt und haben uns abgeschottet, weil wir gemerkt haben, dass das nicht mehr wir sind. Wir haben zum Glück vieles gleich gesehen und konnten uns das eingestehen. Wir hatten dann die Wahl: Wieder die Band von früher sein oder aufgegeben. Das Zurückholen hat viel Zeit, Tränen und Pizza gekostet, aber es hat sich gelohnt. Jeder hat sich wieder Zeit für sich selbst genommen. Der Song "Leichtes Gepäck" erzählt, was uns in dieser Zeit beschäftigt hat. Es fühlt sich an, als wären wir wieder die Band von früher, aber mit der Erfahrung von heute.

Habt Ihr das Gefühl, Verantwortung den Fans gegenüber zu haben?

Inscope21: Auf jeden Fall. Es gibt viele Leute im Genre, die sich der Verantwortung ihrem Publikum gegenüber nicht bewusst sind. Die sagen, was sie wollen, ohne sich Gedanken über die Konsequenzen zu machen. Die YouTuber sind so nah an den Menschen dran, weil sie quasi alles von sich preisgeben. Ich schaue über alles, was ich sage und tue, drüber. Man muss sich darüber bewusst sein, dass die Leute sich das ansehen und sich die Beiträge zum Vorbild nehmen.

Was tut Ihr, um bodenständig zu bleiben?

Inscope21: Ich rufe mir immer wieder in Erinnerung, woher ich komme. Ich habe mit Zeitungsaustragen angefangen und bin jetzt an einem erfolgreichen Punkt angelangt. Ich bin aber immer noch der gleiche Mensch.

Stefanie Kloß: Wir haben in der Band eine innere Kontrollinstanz. Wir kennen uns seit wir vierzehn Jahre alt sind und da fällt sehr schnell auf, wenn jemand abdriftet. Wir sind sehr jung sehr erfolgreich gewesen und es war nicht immer leicht, das sacken zu lassen. Wir waren aber immer sehr kritisch mit uns selbst und haben die Auftritte gefilmt und anschließend analysiert. Das hat sich bis heute nicht verändert. Manchmal stoßen unsere Songs auf eine ganz bestimmte Situation in der Gesellschaft und verselbstständigen sich dann, nehmen also eine Bedeutung an, an die wir beim Schreiben ursprünglich gar nicht so gedacht haben. Auf so etwas hat man meist keinen Einfluss. Davon unabhängig gelingt es uns ganz gut, mit Hilfe der erwähnten Kontrollinstanz, als Band bei uns selbst zu bleiben.

Wie geht Ihr mit negativen Reaktionen der sozialen Netzwerke um?

Inscope21: Man muss zu dem stehen, was man tut. Wenn jemand sich dazu negativ äußert, dann ist es halt seine Meinung, zu dem er ein gutes Recht hat. Man darf sich nur davon nicht herunterziehen lassen.

Stefanie Kloß: Es gibt für alles Grenzen. Ich bin immer noch ein dynamischer Mensch, rege mich aber nicht mehr so sehr über Dinge auf, wie noch mit 19. Wenn man Kunst macht, wird man nie jedem gefallen. Es gibt so viele unterschiedliche Musikgenres, dass sich jeder das raussuchen kann, was ihm gefällt. Wenn es im Netz zu Anfeindungen kommt oder es um politische Sachen geht, gibt es Grenzen. Wenn man seine Meinung äußern will, soll man das tun, aber dann muss man sich auch zu erkennen geben und sich nicht hinter einem Pseudonym verstecken.

Vielen Dank für das Interview!

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