Politische Hilfe: Eishockey-Teams sollen unterstützt werden 

Steht der Eishockey-Sport ohne Zuschauer vor dem Aus? Finanzielle Hilfe gefordert

+
Gerade erst in die Bayernliga aufgestiegen, sieht auch der ESV Buchloe coronabedingt schwierigen Zeiten entgegen. Jetzt will die Politik auch diesem und weiteren Vereinen helfen, um ein Überleben sichern zu können.

Ostallgäu – Wird es im Herbst wieder Eishockeysport geben? Die Vorzeichen in der Corona-Pandemie geben zum jetzigen Zeitpunkt doch etwas Grund für Optimismus. Die Freie Wähler Landtagsfraktion will nicht nur den Sport der Kufenflitzer, sondern auch Handball, Volleyball und Basketball wieder zum Laufen bringen. An vorderster Stelle kämpft hier der Kaufbeurer Abgeordnete Bernhard Pohl.

Bereits Ende Juni führte der haushaltspolitische Sprecher der FW-Landtagsfraktion ein Vieraugengespräch mit Innen- und Sportminister Joachim Herrmann. Die Herausforderungen für die Teams und den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) sind enorm. Bei einem weiteren Gespräch im Innenministerium nahmen neben Pohl noch DEB-Präsident Franz Reindl und DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel teil. Ziel sei, vor Zuschauern zu spielen, sofern die Infektionszahlen dies zuließen, so Reindl. „Sollten die Oberliga Süd und die Bayernliga ihren Spielbetrieb vor leeren Rängen durchführen müssen, wird dies möglicherweise zu einer Pleitewelle führen, die auch vor Traditionsvereinen nicht Halt macht“. Elf Jahre lang war Bernhard Pohl Präsident des ESV Kaufbeuren. Für ihn seien die Zuschauereinnahmen stets eine tragende Säule, „ohne die die Vereine in wirtschaftliche Schieflage geraten. Wir müssen hier finanziell helfen“, verweist der Abgeordnete auf das Finanzierungsmodell des Bundes, von dem die DEL und auch die DEL 2 profitieren. 

Der Bund hat nämlich für Teamsportarten und die Dritte Fußballliga 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit dem Geld sollen 80 Prozent der Verluste aus entgangenen Zuschauereinnahmen ausgeglichen werden. Für ESVK-Pressesprecher Philippe Bader sind das erst einmal gute Nachrichten: „Es ist aber noch unklar, wie genau die Hilfe letztendlich ausschaut und was die Vereine in welchem Umfang auch geltend machen können. Es sind ja nicht nur die Zuschauereinnahmen, die uns wegbrechen, auch die Einbußen im Catering sind erheblich und auch zu beachten“, gibt er zu bedenken. Bader geht davon aus, dass auch einige Sponsoren wegbrechen, wenn sie im Stadion oder auf dem Videowürfel Werbung machen und kein Zuschauer hinein darf. Die beiden Eishockey-Profiligen DEL und DEL2 sind zwar aus dem Verband ausgegliedert, doch laut Schaidnagel müssen zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs auch die Oberliga und Bayernliga Einnahmen generieren. „Generell wäre uns viel lieber, die Politik würde unser Hygienekonzept genehmigen und wir könnten unter diesem Konzept einigermaßen vernünftig die Saison spielen“, so Bader.

Eine sogenannte Task Force Eishockey hat bereits das umfangreiche Hygiene- und Zuschauerkonzept präsentiert. Somit sollen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, um den Wiedereinstieg in den Trainings- und Spielbetrieb zu gewährleisten. Das Konzept gilt als Leitfaden für die Eishockeyclubs, von den Profiligen über den Nachwuchs bis hin zum Freizeit- und Breitensport. Eines der Kernstücke des Konzeptes ist das Musterbeispiel am Bundesstützpunkt Füssen. Hier wurde alles praktisch erprobt. Im Konzept enthalten sind auch Leitlinien für einen Spielbetrieb mit Zuschauern. Bader ist sich sicher, dass der ESVK in der erdgas schwaben arena sehr gute Voraussetzungen aufzeigt, um die Auflagen und Vorgaben zu erfüllen: „Mit die wichtigsten Themen für die Zulassung von Zuschauern werden nach aktuellem Kenntnisstand auch das Tragen von Schutzmasken sein, sowie personalisierte Tickets zur Nachverfolgbarkeit, im Fall der Fälle.“

René Rudorisch, DEL2-Geschäftsführer, fordert ein schnelles Zurück zum Trainings- und Wettkampfbetrieb. Er appelliert an die verantwortlichen Behörden auf regionaler und Landesebene, die Clubs vor Ort zu unterstützen. Mit dieser Aussage steht er nicht alleine da. Der ESVK möchte allzu gerne an seine Fans Dauerkarten verkaufen. Die Nachfrage sei vorhanden, so Bader. Dennoch müssen sich auch die Verantwortlichen in Geduld üben und auf das Signal der Politik warten. Erst dann werde der Vorverkauf gestartet. „Vorher macht das keinen Sinn und ist auch technisch in unserem Ticketsystem nur schwer umsetzbar, sollten sich Änderungen ergeben, die vorher nicht eingeplant werden können“, so der Pressesprecher des ESVK.

In Abstimmung mit den DEL2-Clubs und in Anlehnung des DEB-Konzeptes plant die zweite Liga einen Saisonstart am 2. Oktober. Auch MdL Pohl drückt bei den Teams in der Bayernliga und Oberliga auf die Tube. Der Eishockeysport stehe unter Zeitdruck. „Anders als in anderen Sportarten sind wir auf den Zeitraum Oktober bis April beschränkt. Spätestens im April wird in den Eisstadien das Eis abgetaut, bis dahin muss die Saison beendet sein“. Der Politiker kämpft für eine finanzielle Unterstützung der Teams aus dem Allgäu. Am Mittwoch stellt er das Konzept den Verantwortlichen des ECDC Memmingen vor. Bereits am Dienstag ist Pohl beim EV Füssen zu Gast. Auch DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel hat sein Kommen in der Lechstadt zugesagt.

Die Bayerische Staatsregierung hat in zwei Nachtragshaushalten 20 Milliarden Euro zur Bekämpfung der Corona-Folgen zur Verfügung gestellt. „Es ist etwas Anderes, einem Traditionsverein mit Nachwuchsarbeit unter die Arme zu greifen, als Landesbürgschaften in Millionenhöhe für Schalke 04 zu gewähren“, macht Pohl deutlich. Der Kaufbeurer schätzt, dass sich die Hilfen für die Teamsportarten in Bayern auf 30 bis 50 Millionen Euro belaufen werden.

von Stefan Günter

Auch interessant

Meistgelesen

Thema Ausweichschule in Marktoberdorf wird erneut im Stadtrat behandelt
Thema Ausweichschule in Marktoberdorf wird erneut im Stadtrat behandelt
Auto fängt nach Unfall bei Unterthingau Feuer: Frau aus Kaufbeuren stirbt
Auto fängt nach Unfall bei Unterthingau Feuer: Frau aus Kaufbeuren stirbt
Ermittlungserfolg der Kripo Kaufbeuren: Räuber (34) nach zwei Monaten festgenommen
Ermittlungserfolg der Kripo Kaufbeuren: Räuber (34) nach zwei Monaten festgenommen
Segnung von zwei Feldkreuzen zwischen Ingenried und Irsee
Segnung von zwei Feldkreuzen zwischen Ingenried und Irsee

Kommentare