Vorstellung der Analyse zum Städtebaulichen Rahmenplan im Innenstadtbeirat

Wie steht die Kaufbeurer Innenstadt da?

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Kaufbeuren heute: Eine schöne Stadt mit Tradition und Kultur, aber auch mit Problemen. Wie aber wird sie im Jahr 2030 aussehen? Ein städtebaulicher Rahmenplan soll bei der weiteren Entwicklung richtungsweisend wirken.

Kaufbeuren – Im Stadtentwicklungskonzept aus dem Jahr 2017 ist vorgesehen, den städtebaulichen Rahmenplan für die Innenstadt von Kaufbeuren für die nächsten zehn Jahre fortzuschreiben und zu erweitern. Der Innenstadtbeirat, bestehend aus Vertretern der wesentlichen Interessengruppen der Altstadt, soll dabei beratend tätig sein. Am vergangenen Mittwoch stellten nun die Stadtverwaltung und zwei von ihr beauftragte Unternehmen dem Beirat den Stand der Bearbeitung vor.

Ein städtebaulicher Rahmenplan wird mit dem Ziel erarbeitet, im Vorfeld rechtsverbindlicher Planungen mögliche Konflikte zu vermeiden oder auszugleichen. Dieses Planungsinstrument ist also flexibel handhabbar und hilft bei der Vorbereitung von Maßnahmen, die am Ende nach Beschlüssen des Stadtrats von der Stadtverwaltung umgesetzt werden. Dem entsprechend besteht der Innenstadtbeirat aus Vertretern der Fraktionen des Stadtrates, Gewerbetreibenden aus Handel und Gastronomie sowie von Vereinen, Kirchen und Verbänden. Die Federführung liegt jedoch bei der Stadtverwaltung, wie der Bau- und Umweltreferent Helge Carl eingangs erläuterte.

Die Unternehmen Haines-Leger Architekten Stadtplaner BDA und arc.grün Landschaftsarchitekten Stadtplaner GmbH haben nun eine erste Analyse durchgeführt. Es geht dabei um den Stand der Dinge in Kaufbeuren. „Wir betrachteten“, wie die Stadtplanerin Sylvia Haines erklärte, „fünf Zonen der Stadt: Den Afraberg, die Altstadt, den Anbindungsbereich des Jordanparks, den Jordanpark selbst und das Bahnhofsumfeld. Untersucht wurden für diese Bereiche die Stadtgestalt mit Bausubstanz, Nutzung, Wohnungssituation und Leerstand als ein Thema. Weitere Themenbereiche bildeten der öffentliche Raum mit Verkehr und Verkehrsführung sowie der städtische Freiraum und die Grünstruktur“.

Vertreter der Stadtverwaltung und der beauftragten Unternehmen bei der Vorstellung der Analyseergebnisse zur Bestandssituation in Kaufbeuren: Bau- und Umweltreferent Helge Carl (v. li.), OB Stefan Bosse, Thomas Wirth (arc.grün), Sylvia Haines (Haines-Leger) und Tina Leichtenschlag (Haines-Leger).

Die Aussagen und vorläufigen Prognosen der Stadtplaner boten wenige Überraschungen. So bescheinigte Sylvia Haines der Stadt zwar ein vorbildliches Stadtmarketing, beobachtete aber auch die bekannten Probleme der Leerstände von Geschäftslokalen und Wohnbauten. Bis 2030 erwarten die Stadtplaner nun einen leichten Anstieg der Bevölkerungszahl und sogar eine Vergrößerung der Verkaufsflächen – allerdings bei sinkender Anzahl der Einzelhändler. Mit anderen Worten: Ketten und Online-Vertrieb sind auf dem Vormarsch.

In der Diskussion zum ersten Themenbereich kam damit eine gewisse Nostalgie auf. So erinnerte sich FDP-Stadtrat Johannes Espermüller an die heimelige Einkaufsatmosphäre in einstmals vielen kleinen, spezialisierten Läden der Stadt. Aber nicht nur CSU-Stadtrat Ernst Schönhaar sprach klar aus, dass ein Wandel bereits begonnen hat und der Einzelhandel offensichtlich nicht mehr so strukturbildend wirken kann wie früher. Auch Maximilian Fischer, der in Kaufbeuren den Bayerischen Handelsverband HBE vertritt, stimmte ihm zu: „Es gibt heute bereits in der Stadt so gut wie keinen Händler mehr, der nicht bereits auch online gegangen wäre“, so seine Einschätzung.

Was aber könnte der städtebauliche Rahmenplan dann vorsehen? Möglich wäre es, stärker auf die Nutzung der Innenstadt für Wohnungen zu setzen. Auch mehr Gastronomie böte da vielleicht eine Möglichkeit, verbunden auch mit Kleinkunst, Ausstellungen, Konzerten…, so die Überlegungen.

Aber da ist ja auch noch der zweite Themenbereich, der „Öffentliche Raum und Verkehr“. Parkplätze, Autoverkehr in der Innenstadt oder nicht – oder wenn ja, dann zu welchen Zeiten? Die Liste der hiermit verbundenen Probleme ist ebenfalls lang und sattsam bekannt. „Gastronomen wollen Ruhe, vielleicht sogar temporäre Sperrungen in ihrem Umfeld“, gab etwa Immobilien-Experte Carmelo Panuccio zu bedenken. Auch Grünen-Stadträtin Ulrike Seifert meinte, dass Autos in der Innenstadt störten, und dass ein freier Marktplatz ein ganz wichtiger Faktor der Kommunikation sei. Wohin aber dann mit den Autos der vielen neuen Bewohner in der umgestalteten Innenstadt? Vielleicht ließen sich ja große offene Parkplätze an deren Rand einordnen, dort, wo es ungenutzte oder sogar verfallende Gebäude gibt? KI-Stadtrat Robert Klauer verwies hier auf die Erfahrungen im Bereich „Am breiten Bach“. Und vielleicht eröffnen sich dann auch noch neue Möglichkeiten der Regelung oder Verbesserung des Stadtklimas oder der Hochwasservorsorge, die Thomas Wirth von ar.grün im dritten Themenkomplex anregte.

Alleinstellungsmerkmal?

Aber irgendwie ergaben alle drei Komplexe zusammen nicht so richtig ein logisches Ganzes. Dieses Gefühl hatte wohl auch Claus Tenambergen, Inhaber einer Marketingagentur und Redakteur der Website „Wir sind Kaufbeuren“. „Das ist alles zu kleinteilig“, so seine Einschätzung. „Wo ist denn hier das Alleinstellungsmerkmal, auch in Bezug auf das Umland, das Besondere, das Einzigartige, das unsere Stadt werden soll? Wenn wir die Altstadt retten wollen, brauchen wir weiter reichende Entscheidungen, als da oder dort ein paar Autos mehr unterzubringen.“

Wie aber sollen solche Initiativen und Entscheidungen zustande kommen? In den nächsten Schritten der Arbeit jedenfalls ist vorgesehen, die Grundstückseigentümer nach ihren Interessen und Möglichkeiten der Mitarbeit zu befragen, online und/oder herkömmlich mit Fragebogen. Weiter gehen soll es dann mit der Einbeziehung aller Kaufbeu­rer über ein Online-Tool. Dazu ist – so die Corona-Lage es erlaubt – eine Auftaktveranstaltung am 29. September geplant, gefolgt von einer Projektwerkstatt im Januar 2021. Und im März nächsten Jahres soll dann ein Maßnahmenkonzept vorgestellt werden.

von Ingo Busch

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