Forschungsprojekt "Geothermie-Mauerstetten" – Landratsamt hat großen Vorbehalt

Auch der Landkreis hat Bedenken

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Auch das Landratsamt hat Bedenken bezüglich des Forschungsprojektes auf dem Geothermie-Bohrfeld bei Mauerstetten.

Mauerstetten/Allgäu – Zum umstrittenen Geothermie-Projekt auf Mauerstettener Flur hat der Landkreis jetzt eine Stellungnahme abgegeben. Der Kreisbote hat zudem beim Bürgermeister von Mauerstetten nachgefragt, was er und seine Bürger von dem Projekt halten.

Das geplante Forschungsprojekt in Zusammenhang mit der Geothermiebohrung bei Mauerstetten (wir berichteten) sorgt weiter für großes Unbehagen bei den betroffenen Kommunen. Jetzt hat auch der Landkreis eine Stellungnahme zum Hauptbetriebsplan abgegeben und steht dem Vorhaben mit „großem Vorbehalt“ gegenüber. 

In der von Landrat Johann Fleschhut unterzeichneten Stellungnahme zum Hauptbetriebsplan macht er deutlich, dass der Landkreis und das Landratsamt Ostallgäu „grundsätzlich die Entwicklung regenerativer Energien unterstützen“. Allerdings trage das Mauerstettener Projekt in der Bevölkerung zu „großer Sorge und Beunruhigung bei“. Im Zentrum stehe laut Fleschhut dabei vor allem die Frage, inwieweit sich das Genehmigungsverfahren von der derzeit hoch diskutierten und umstrittenen Fracking-Methode unterschei- de. „Die Bevölkerung um Mauerstetten fürchtet den unkontrollierten Einsatz von Chemi- kalien, chemische Reaktionen, Auswirkungen auf die Umwelt und das Trinkwasser, das Risiko von Erschütterungen und offene Haftungsfragen bei möglichen Schäden an Gebäuden. Auch die zahlreichen Unternehmen und Privatgebäude mit einem erheblichen Sach- und Immobilienwert, die sich im unmittelbaren Umfeld der Bohrung befinden, seien vor Er- schütterungen zu schützen. „Sowohl als staatliches Landratsamt als auch als Gebietskörperschaft fordern wir daher, dass mit dem beantragten Verfahren keinerlei Risiken für das Grundwasser oder vorhandene Bebauungen entstehen dürfen. Aus diesem Grund stehen wir dem Vorhaben mit großem Vorbehalt gegenüber“, heißt es in der Erklärung. 

Aus fachlichen Gesichtspunkten sei zu prüfen, inwieweit Lärmschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt ergriffen werden müssen. Auch dürfe das beim Verfahren verwendete Wasser nicht direkt in das Kanalnetz des Abwasserverbandes Wertach Ost eingeleitet werden. Die Forderung lautet hier ganz klar: „Es darf auf keinen Fall zu einer Schädigung im anschließenden Gewässer kommen“. In diesem Zusammenhang fehlten im Hauptbetriebsplan unter anderem Pläne, die aufzeigen, wie die anfallenden Abbau- und Nebenprodukte fachgerecht und logistisch entsorgt oder aufbereitet werden können. Darüber hinaus sei aus Sicht des Landratsamtes im Hinblick auf die mit dem beantragten Forschungsprojekt verbundenen Risiken gegenüber dem Bergamt Südbayern vom Vorhabenträger der Nachweis einer ausreichend hohen Haftpflichtversicherung erforderlich. 

Gemeinde Mauerstetten äußert Sorge 

Diese Risiken beobachtet auch die unmittelbar betroffene Gemeinde Mauerstetten. Im Redaktionsgespräch mit Bürgermeister Armin Holderried stellte dieser klar, dass auch der Gemeinderat mehrheitlich dieses Forschungsprojekt ablehne. Diesen Entschluss fasste das Gremium bereits im Herbst 2012. „Wir nehmen die Ängste sehr ernst“, erklärte der Bürgermeister, wenngleich er zugibt, dass aus der Bevölkerung rund um Mauerstetten bis jetzt keine Anfragen und Bedenken an ihn herangetragen wurden. So war auch die Resonanz auf einer Infoveranstaltung im vergangenen Jahr sehr dürftig. „Wir hatten abgesehen von einigen Gemeinderäten keinen einzigen Zuhörer. Es ist und war in der öffentlichen Wahrnehmung bislang kein Thema“, resümiert Holderried. Dabei blickt er auch auf eine Veranstaltung vom 29. November 2012 in Kaufbeuren zurück, wo der Bund Naturschutz (Ortsverband Kaufbeuren) zu einer Informations- veranstaltung zu diesem Thema geladen hatte. Hier sei man mit dem halben Gemeinderat angereist, besorgte Kaufbeurer Bürger hätte man dort jedenfalls nicht angetroffen, gesteht Mauerstettens Bürgermeister und fügt hinzu: „Große Betroffenheit sieht anders aus!“ 

Holderried selbst vertraut auf die Entscheidung der verantwortlichen Behörden, dass diese nichts genehmigen, von dem auch nur ansatzweise eine Gefahr ausgehen würde. An eine politische oder durch Lobbyisten getroffene Entscheidung glaubt er in diesem Zusammenhang nicht: „Da mach’ ich mir keine Sorgen“, so der Rathauschef. 

Als fraglich bezeichnet er die Diskussion, ob es sich bei dem im Forschungsprojekt angedachten Verfahren um das umstrittene „Fracking“ handle. „Wenn es Fracking wäre, dann glaube ich nicht, dass der Bund Forschungsgelder in siebenstelliger Höhe zur Verfügung stellen würde“, so Holderried. Auch schob er dem Argument, Mauerstetten würde von der Maßnahme finanziell profitieren, gleich einen Riegel vor: „Wir haben hier kein wirtschaftliches Interesse.“ Das Bohrfeld sei verpachtet und es gebe Optionen, jenes heiße Wasser dann im Gemeindegebiet zu nutzen. Doch allein hierfür ein Wärmenetz aufzubauen, würde die Einsparungen durch den günstigen Bezug an Energie schnell wieder auffressen. So habe ein von Mauerstetten in Auftrag gegebenes Gutachten ergeben, dass die Nutzung der durch Geothermie gewonnenen Energie, auch wenn diese nichts gekostet hätte, die teuerste Variante für ein Wärmenetz gewesen wäre. Der Grund: Die Leitungen seien einfach zu teuer. 

Aus diesem Grund geht Bürgermeister Holderried neutral und ohne wirtschaftliche Interessen an die Sache heran. „Ich nehme die bestehenden Ängste sehr ernst und wenn nicht glaubhaft versichert werden kann, dass bei dem angestrebten Verfahren keine Gefahr besteht, werden wir uns auch den Weg der Klage gegen das Forschungsprojekt offen halten“, betonte Holderried. Auch seinen Bürgern möchte er nochmals die Gelegenheit geben sich im Rahmen einer Infoveranstaltung am 18. April um 18 Uhr im Sonnenhof zu informieren. Dort werden auch Mitarbeiter von Exorka, dem Bergamt Südbayern sowie weitere Experten Rede und Antwort stehen. von KAI LORENZ

Die Pläne für das Mauerstettener Bohrfeld

Im Rahmen eines Forschungsprojekts plant die Exorka GmbH in Zusammenarbeit mit der technischen Universität Bergakademie Freiberg, dem GeoForschungszentrum Potsdam und der Universität Stuttgart, an der bestehenden Bohrung in Mauerstetten zu untersuchen, ob es möglich ist, ein ehemals nicht fündiges Projekt in ein wirtschaftlich fündiges Geothermie-Projekt weiter zu entwickeln. Das Vorhaben wird vom Bundesumweltministerium gefördert. Im Forschungsprojekt soll nun versucht werden, eine Durchlässigkeit des verdichteten Gesteins wieder herzustellen. Dazu sollen neben geophysikalischen Messungen über das vorhandene Bohrloch mittels hydraulischem Druck die Gesteinsrisse vergrößert werden, um eben die Durchlässigkeit zu erhöhen oder mögliche Wasservorkommen zu erschließen.

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