Bundestagswahl 2021

Stracke (CSU) zieht direkt in den Bundestag, Ferschl (Linke) folgt über Landesliste

Stracke Stephan (CSU) Wahlabend
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Spannung am Wahlabend bei der CSU in Kaufbeuren. Stephan Stracke (rechts) zieht erneut für den Wahlkreis Ostallgäu in den Bundestag ein. Mit ihm freuen sich die CSU-Landtagsabgeordneten Franz Pschierer und Angelika Schorer.
  • Angelika Hirschberg
    VonAngelika Hirschberg
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Wahlkreis – Die Republik hat gewählt und zumindest in Sachen Spannung einiges geboten. Nach einem langen Wahl­abend sind die beiden Volksparteien SPD und CDU/CSU quasi gleichauf, die Grünen gehen als drittstärkste Kraft aus der Wahl hervor. Wer jedoch Deutschland künftig regiert, ist noch lange nicht entschieden.

Zumindest für Stephan Stracke, CSU-Direktkandidat des Wahlkreis Ostallgäu ist die Sache klar: Der Kaufbeurer zieht erneut in den Bundestag ein. Mit über 38 Prozent der Erststimmen siegt Stephan Stracke vor der SPD-Direktkandidatin Regina Leenders (12,32 Prozent). Trotz herber Verluste – vor vier Jahren hatte der CSU-Bundestagsabgeordnete noch fast 50 Prozent der Erststimmen erreicht – zeigt sich Stracke zufrieden: „Insgesamt haben wir uns zwar ein besseres Ergebnis erhofft. Es ist dann das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen geworden, bei dem die CSU letztendlich geliefert hat.“ Und er resümiert: „Wir liegen deutlich vor dem Schnitt der Union. Es ist uns gelungen, auf den letzten Metern hin noch zu mobilisieren.“ Wichtig ist ihm, einen Linksrutsch in Deutschland verhindert zu haben. „Das ist gut für dieses Land.“ Über eine mögliche Regierungsbildung äußert sich der CSU-Abgeordnete folgendermaßen: „Wir sind gesprächsbereit.“ Er sehe ganz klar den Anspruch der CDU/CSU eine Regierung zu bilden.

Für Direktkandidatin Susanne Ferschl (Die Linke) galt es am Wahlabend lange zu bangen. Nur etwas mehr als drei Prozent der Ostallgäuer Wähler sahen sie erneut für eine Legislaturperiode in Berlin. Dass die Kaufbeurerin dennoch in den Bundestag einzieht, liegt an einer besonderen Klausel im Bundeswahlgesetz und an ihrer starken Position auf des Landesliste der Linken. Sie ist eine von vier Kandidaten der Linken in Bayern, die über die Landesliste in den Bundestag einziehen wird. Am Morgen nach der Wahl klingt die Linken-Politikerin dennoch geknickt. Sie fühle sich angesichts des Wahlergebnisses überhaupt nicht gut. „Natürlich freue ich mich irgendwie, meine Arbeit im Bundestag weiterführen zu können“, so Ferschl im Gespräch mit dem Kreisbote, „allerdings überwiegt momentan die Enttäuschung über die Ergebnisse im Bund sowie vor Ort.“

So hat der Wahlkreis Ostallgäu gewählt:

Damit vertreten Stephan Stracke und Susanne Ferschl erneut das Ostallgäu im deutschen Bundestag. Mit deutlichem Abstand auf Stracke folgten Regina Leenders (SPD), mit 12,32 Prozent, und Daniel Pflügl (Bündnis90/Die Grünen) mit 12,24 Prozent der Erststimmen. AfD-Kandidat Christian Sedlmeir erhielt 10,16 Prozent der Ostallgäuer Stimmen. Knapp dahinter lagen Mariana Braunmiller von den Freien Wählern, 9,04 Prozent und Kai Fackler (FDP) mit 7,24 Prozent der Erststimmen. Die Wahlbeteiligung im Ostallgäu lag bei gut 79 Prozent.

Das Erststimmen-Ergebnis für das Ostallgäu sieht eindeutig Stephan Stracke (CSU) vorne.

Mit den starken Ergebnissen auf Bundesebene im Rücken fieberte am Sonntagabend die SPD um Direktkandidatin Regina Leenders im Dietrich-Bonhoefferhaus in Memmingen mit. Leenders freute sich, dass sich der „sehr aktive Wahlkampf“ auch in der Region ausgezahlt habe, wo man das Programm aus ihrer Sicht gut an die Leute gebracht habe. „Deshalb freut es mich extrem, dass das Zweitstimmenergebnis so gut ist“, so Leenders auf Nachfrage. Sie hatte übrigens Listenplatz 34 inne und verfehlte deshalb den Einzug in den Bundestag über die Landesliste.

Christian Sedlmeir von der AfD war hingegen wenig angetan vom Abschneiden seiner „Alternative“. „Man hat den Bürger in vielen Bereichen nicht überzeugen können. Da wird noch einiges aufgearbeitet werden müssen“, fand der Mindelheimer deutlich kritische Worte.

Mit mehr als zehn Prozent Verlust im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 behauptet sich dennoch die CSU als stärkste Kraft.

„Sehr, sehr positiv“ bewertet Direktkandidat Kai Fackler das Erst- und Zweitstimmenergebnis der FDP im Wahlkreis Ostallgäu. Zwar liege man damit etwas hinter dem Bundesergebnis, was Fackler damit begründet, dass die CSU im Wahlkreis verhältnismäßig stark gewesen sei – und das bei gleicher Zielgruppe wie die FDP, wie Fackler sagte. Auch sein persönliches Ergebnis sei ein „riesiger Erfolg“. Mit 19 Jahren war der Memminger mit Abstand jüngster Direktkandidat im Wahlkreis. Deshalb kommt Fackler angesichts seines Ergebnisses zu folgendem Schluss: „Das zeigt, dass die Leute in Memmingen und im Ostallgäu eine junge Stimme im Bundestag wollen, die dafür sorgt, dass alle Generationen im Bundestag vertreten sind.“

Die CSU hat sich im Ostallgäu erneut mit 31,7 Prozent als stärkste Kraft gezeigt. Allerdings verlor sie im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 mehr als zehn Prozent (42 Prozent/2017). Zweitstärkste Kraft im Wahlkreis ist die SPD mit aktuell 15,6 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 12 Prozent. FDP, die AfD und die sonstigen Parteien erhalten jeweils rund 10 Prozent der Wählerstimmen. Die Freien Wähler liegen knapp darunter bei 9,1 Prozent. Und die Linke erreicht im Ostallgäu 2,5 Prozent der Wählerstimmen.

So hat Kaufbeuren gewählt

Im Stadtkreis Kaufbeuren lag die Wahlbeteiligung bei 72 Prozent. Das Ergebnis der Erststimmen spiegelt im großen und ganzen das des gesamten Wahlkreises wider. Auch im Stadtkreis liegt CSU-Kandidat Stephan Stracke mit knapp 38 Prozent der Erstimmen mit Abstand vorn. 6,23 Prozent der Erststimmen erreicht Susanne Ferschl bei den Kaufbeurer Wählern.

Daher führt die CSU auch die Liste der Zweitstimmen im Stadtgebiet an (28,3 Prozent). Sie wird gefolgt von der SPD (18,5 Prozent), den Grünen (13,6) Prozent), der AfD (11 Prozent) und der FDP (10,9 Prozent).

In Füssen und Marktoberdorf bietet sich ein ähnliches Bild. Besonders hoch ist in beiden Städten der Anteil der sonstigen Parteien, die gesammelt über 24 Prozent (Füssen) und in Marktoberdorf sogar über 28 Prozent der Wählerstimmen ausmachen. Dort erreichte beispielsweise die Partei dieBasis mit 2,6 Prozent einen fast ebenso großen Anteil wie die Linke mit 2,7 Prozent der Wählerstimmen.

ah/mt

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