Das Steuer in kundiger Hand

500 Flüchtlinge – 100 Ehrenamtliche – eine Integrationslotsin

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Die enge Zusammenarbeit zwischen Cornelia Paulus und Günter Kamleiter ist Basis für erfolgreiche Integrationsprojekte.

Kaufbeuren – 27 Jahre gibt es den Asylkreis Kaufbeuren bereits. Dank der sachkundigen Leitung von Günter Kamleiter blieb die Gruppe im Gegensatz zu anderen Städten unzerstritten zusammen. Aber spätestens mit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 war diese Koordination durch rein ehrenamtliche Helfer nicht mehr möglich.

Wie sollten die auf 100 ehrenamtliche Helfer angewachsene Helfergruppe den Problemen von 500 Flüchtlingen gerecht werden? Man denke an alle organisatorischen, verwaltungstechnischen und lokalpolitischen Aufgaben. Unmöglich! Eine Professionalisierung war unumgänglich.

Cornelia Paulus übernahm deshalb am 15. September 2016 als Hauptamtliche die Aufgabe als Koordinatorin des Arbeitskreises bei der evangelischen Kirchengemeinde. Ein längst überfälliger Schritt. Ende 2017 lief ihr Vertrag aus, und bis zuletzt blieb fraglich, wie es im neuen Jahr weitergehen sollte. Unter etwas veränderten Vorzeichen bekam Paulus jetzt ab Jahresbeginn eine 30-Stunden Stelle, finanziert zu vier Fünftel vom Bund und einem Fünftel von der Stadt. Sie nennt sich jetzt Integrationslotsin. Wie gehabt bleibt sie für die Koordination der Ehrenamtlichen des Asylkreises zuständig. Hinzu kommt noch die Betreuung der ehrenamtlichen Integrationslotsen, die für alle Menschen mit Migrationshintergrund zuständig sind.

Integration braucht Professionalisierung

Kamleiter, der die Dienstaufsicht wahrnimmt, weist darauf hin, dass damit eine entscheidende Akzentverschiebung verbunden sei. Beschränkte sich bisher die Unterstützung der Ehrenamtlichen eher auf humanitäre Hilfeleistung, geht es jetzt um eine kulturelle, wirtschaftliche und eine gesellschaftliche Integration. Dies kann nur gelingen, laut Paulus, wenn beide Seiten für diesen Prozess aufgeschlossen sind. Kamleiter fügt hinzu: „Integration braucht Begegnung, Offenheit, Auseinandersetzung mit dem Anderen.“

Dass dieser Prozess gelingt, liegt im Interesse der gesamten Gesellschaft. Die Aufgaben beziehen sich auf drei Ebenen: Gezielte Angebote an Menschen mit Migrationshintergrund, Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen und eine engmaschige Vernetzung mit öffentlichen Einrichtungen, wie Generationenhaus, Gleichstellungsstelle, Amt für Familie und Soziales und dem Bildungsbüro. Vernetzung steht an oberster Stelle.

Maßnahmenpaket notwendig

Als Beispiel soll ein Frühstückstreff für Frauen mit Migrationshintergrund dienen. Elke Schad, Familien- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, bestätigt als Kooperationspartnerin der Stadt, wie wichtig es sei, dass die eingewanderten Frauen die Lebenswelt der Frauen in Deutschland kennenlernen. Themen wie Berufstätigkeit, Geburtenkontrolle, Erziehung und Ausbildung dürften laut Paulus keine Tabuthemen bleiben.

Beim Kontakt mit den Ehrenamtlichen koordiniert Paulus, berät, gibt Impulse und vermittelt bei Spannungen in der Gruppe. Als Beispiel nennt sie die Balintgruppe auf freiwilliger Basis. Diese gewährleiste eine Art Supervision. Die Belastung der Ehrenamtlichen könne schon sehr groß sein. Helfer müssten da die Möglichkeit haben, sich unter professioneller Leitung in einem gemeinsamen Kreis aussprechen zu können.

Obwohl sichtlich zufrieden mit dem Teilerfolg, wünscht sich Kamleiter eine unbefristete Ganztagsstelle: „30 Stunden sind ausreichend für das Notwendigste, aber nicht für alles was sinnvoll und wünschenswert wäre“.

von Peter Suska-Zerbes

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