Trotz Corona-Krise und geschlossenem Haus

Stille im Corona Kinoplex: Chef Günter Sobeck bleibt Optimist

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Keine Einnahmen: Kinochef Günter Sobeck trifft die Corona-Krise sehr hart.

Kaufbeuren – Der große Parkplatz ist leer, da wo sich sonst Autos an Autos reihen. Wie ausgestorben ist das Areal in der Daniel-Kohler-Straße. Die Corona-Pandemie macht auch vor dem Corona Kinoplex nicht halt. Seit Mitte März ist das von Günter Sobeck betriebene Kino geschlossen. Der 70-Jährige lässt sich von der Corona-Krise nicht herunterziehen, auch wenn ihm schon jetzt erhebliche finanzielle Einbußen entstanden sind.

Menschenleer ist das große Foyer. Aufsteller und Kinoplakate sind verschwunden, die Monitore über den Kassen und die Kühlschränke – alles ist abgeschaltet. Das Corona Kinoplex erlebt nach 22 Jahren, als Sobeck die Räumlichkeiten im Gewerbepark Kaufbeuren bezog, einen regelrechten „Shutdown“. Krisen gab es schon früher. Als die Videokassette auf den Markt kam, schauten die Menschen daraufhin ihre Filme zuhause an. Selbst ein Autorenstreik in den USA in den 1980er Jahren sorgte für erhebliche Umsatzeinbußen bei den deutschen Kinobetreibern. Auch die Streaming-Dienste haben den Kinos arg zugesetzt. 

Doch was seit Mitte März passiert, lässt alles Dagewesene erblassen. „Wir haben einen großen Hammer auf den Kopf bekommen. Dennoch bin ich ein Optimist. Das Kino war und ist immer ein Stehaufmännchen“, sagt Sobeck. Er ist überzeugt und freundet sich mit dem Gedanken so langsam an, dass man die nächsten zwei Jahre wohl mit dem Virus leben müsse. Doch der 70-Jährige hofft auf eine Lockerung. Das Bild, dass Cineasten sein Kino mit Masken betreten, sei für ihn realistisch. „Ich hoffe nur, dass sie einen aufklappbaren Gesichtsschutz haben, damit sie noch Popkorn essen können“, hat Sobeck seinen Humor nicht verloren. Würde die Politik grünes Licht für einen Kinobesuch geben, das Corona Kinoplex ist vorbereitet. Beispielsweise dürfen dann in dem 300 Personen fassenden Saal nur noch 50 Personen hinein. „Das ist wirtschaftlich zwar nicht so prickelnd, aber immerhin würde das Kino wieder laufen.“ An den beiden Kassen im Foyer sowie im Bereich der Theken werden Spuckschutze aus Plexiglasscheiben aufgestellt. Zusätzlich stünden genügend Desinfektionsmittel, Handschuhe sowie Mund-Nasen-Masken zur Verfügung.

Täglich im Kino

Täglich fährt Günter Sobeck seine digitalen Filmprojektoren hoch. Das dient zur Sicherheit.

Seitdem der Spielbetrieb ausgesetzt ist, fährt Günter Sobeck trotzdem jeden Tag in sein Kino, um nach dem Rechten zu sehen. Grund hierfür sind seine digitalen Filmprojektoren, die sehr empfindlich sind und täglich hochgefahren werden müssen. Der Kinoserver muss sich stets mit dem Mediablock des Projektors verbinden. Wenn es keine direkte Verbindung gibt, kann dies zu Datenverlusten führen. „Ich mache dann eine sogenannte Bewegungsrolle, fahre in allen Kinos verschiedene Trailer ab. Das allein dient nur der Sicherheit der sehr teuren Technik“, so Sobeck. Denn schließlich will er vorbereitet sein, wenn Tag X kommt. Was dann noch fehlt, sind die Filme. „Wir würden dastehen wie eine Tankstelle, die kein Benzin vorrätig hat.“ Sämtliche Veröffentlichungen sind nämlich auf den Herbst verschoben worden. Darunter zählen „Mulan“, der neue James Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ sowie „A Quiet Place 2“. Derzeit könne der Kinobetreiber nur auf ältere Filme zurückgreifen, die in seinem Bestand sind. Neues Material sei nicht vorhanden. Insgeheim hofft Sobeck auf Filmfans, die digital restaurierte Filme aus den 1980er und 1990er Jahren anschauen möchten. „Ich denke hier besonders auch an die alten Bond-Filme. Gerne würde ich nochmals ,Titanic‘ laufen lassen“, kommt er dabei ins Schwärmen.

Allerdings wird er schnell wieder zurück in die Realität geholt. Denn die momentane Situation beschäftige ihn doch sehr. Alle seine 450 Euro-Kräfte haben eine Zwangspause, die vier Angestellten bezahlt Sobeck weiter. „Trotzdem hängen wir in der Luft, das ärgert mich schon sehr. Vom Kino spricht kein Mensch.“ Schon längst hat der gebürtige Münchner, der seit 1978 Kinos betreibt, die Soforthilfe erhalten. Nun hofft er noch auf die Rückmeldung des FilmFernsehFonds Bayern, ob er hier aus dem großen Topf noch eine finanzielle Unterstützung bekommt. Denn 2020 wird mit Abstand das wohl schwärzeste Jahr der Filmbranche seit dem Zweiten Weltkrieg.

Untätig will Günter Sobeck nicht sein. Ihn treibt eine besondere Idee in Form eines Autokinos umher. Was in Baden-Württemberg derzeit erlaubt ist, ist in Bayern allerdings noch verboten. Die Leinwand würde mit dem Rücken zur Straße aufgebaut werden, über das Autoradio wäre dann der Ton zu hören. „Eine Gaudi wäre das schon“, lässt Sobeck diese Idee erst einmal noch offen. Denn primär hofft der Kinochef, dass die Stille im Corona Kinoplex bald vorübergeht.

von Stefan Günter

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