„Strategische Entscheidung“

Weg frei für Fusion – Künftig „VR Bank Augsburg-Ostallgäu“

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Mit stehendem Beifall wurde Karl Ludwig Bihler (2. v. li.) nach 33 Jahren im Aufsichtsrat und 15 Jahren als dessen Vorsitzender verabschiedet.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Mit einem eindeutigen Votum von 95,8 Prozent stimmten die Vertreter der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu mit Sitz in Marktoberdorf für eine Fusion mit der Augusta-Bank eG Raiffeisen-Volksbank in Augsburg. Sie setzten damit ein deutliches Signal für die zukünftige Entwicklung der Genossenschaftsbank.

Aufsichtsratsvorsitzender Karl Ludwig Bihler sprach von einer „strategischen Entscheidung“ und bedankte sich ebenso bei der Versammlung wie Dieter Weidner als Aufsichtsratsvorsitzender der Augusta-Bank eG Raiffeisen-Volksbank. Dessen Vertreter hatten am Vorabend in Augsburg mit 100 Prozent Zustimmung ebenfalls ein klares Bekenntnis für eine Fusion gegeben. Unter der neuen Bezeichnung „VR Bank Augsburg-Ostallgäu“ und mit einer Bilanzsumme von rund 3,35 Milliarden Euro entsteht damit eine starke regionale Genossenschaftsbank in Schwaben und dem Allgäu.

Die Vertreter der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu hatten an diesem Abend eine umfangreiche Tagesordnung zu bewältigen, dessen Hauptaugenmerk aber in der vorgesehenen Abstimmung über die angestrebte Fusion lag. Zuvor hatte Vorstandssprecher Dr. Hermann Starnecker den Vertretern einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen der VR Bank aus dem Jahre 2018 gegeben. Stolz verwies er auf die wiederholte Auszeichnung als Beratungs-Testsieger durch Focus Money im Privat- und Geschäftskundensegment sowie durch die Gesellschaft für Qualitätsprüfung als „Beste Bank“. Als „unerfreulich“ bezeichnete er die zunehmende Regulierung und die weiter anhaltende „Nullzins-Politik“ der EZB: „Ab jetzt wird die Luft langsam dünn!“ Marktoberdorfs Dritter Bürgermeister Carl Singer sprach in seinem Grußwort von einem „besonderen Tag mit einem wegweisenden Beschluss“ und verband dies mit der Hoffnung, dass die Bank auch weiterhin am Standort verbleibe.

„Viele Vorteile“

Vor der Abstimmung hatten Vorstand und Aufsichtsrat nochmals die bereits in zwei Vertreterversammlungen vorgestellten Gründe und Fusionseffekte dargestellt und um Zustimmung geworben. Die Digitalisierung, fast täglich neue Bankenvorschriften, aber auch die weiter anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB befeuern laut Vorstandssprecher einen schärferen Wettbewerb: „Wir wollen aber mit unseren Kunden mitgehen und können als größere Bank mehr Service und Leistung, beispielsweise im Kreditgeschäft für Privat- und Firmenkunden bieten.“ Zudem gebe es für eine gemeinsame Bank auf verschiedenen Feldern Synergieeffekte und das Risiko werde gesenkt. Bihler sprach von einer „hervorragenden Ausgangslage mit vielen Vorteilen“ und sagte: „Wir sind besser für die kommenden Herausforderungen aufgestellt.“ Auch Ekhard Ulmer, Revisor beim Genossenschaftsverband Bayern und zuständig für die rechtliche und wirtschaftliche Prüfung der Verschmelzung, attestierte beiden Banken für die Zukunft eine „Verbesserung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit“.

Fusion kaum spürbar

Die Zustimmung fiel mit 93 von 97 Vertretern deutlich aus. „Wir freuen uns über das klare Votum der Versammlung – das zeigt, dass unsere Vertreter davon überzeugt sind, dass aus zwei starken Banken eine noch stärkere Bank hervorgehen wird“, freute sich Starnecker, bisher Vorstandssprecher bei der VR Bank, der diesen Posten auch in der neuen Bank übernehmen wird. Das Geschäftsgebiet reicht dann vom Norden Augsburgs bis nach Füssen ohne sich zu überschneiden. Starnecker und Christoph Huber, die ehemaligen Vorstände der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu behalten ihren Sitz in Kaufbeuren und in Marktoberdorf. Heinrich Stumpf und Helmuth Geppert, die ehemaligen Vorstände der Augusta-Bank, vertreten das neue vierköpfige Vorstandsgremium von Augsburg aus. Die technische Fusion ist für Herbst geplant, die juristische Fusion erfolgt dann rückwirkend zum 1. Januar 2019. Insgesamt hat die VR Bank Augsburg-Ostallgäu dann 58 Geschäftsstellen, davon 17 SB- und VideoService-Stellen.

Für die Kunden wird die Fusion kaum spürbar sein. Die Vertriebsstrukturen der beiden Banken werden in der gemeinsamen Bank unverändert bleiben, auch wenn deren eingetragener Sitz in Augsburg sein wird. Konkret bedeutet das: Die Ansprechpartner bleiben gleich und es gibt keine fusionsbedingten Schließungen von Geschäftsstellen. „Wir sind also weiterhin persönlich vor Ort und greifbar für unsere Kunden“, macht Starnecker klar und bekräftigt, dass es keine fusionsbedingten Kündigungen geben werde: „Wir brauchen in der neuen Bank jeden Mitarbeiter.“

Die zukünftige Bank

Alle durch die Fusion notwendigen personellen Entscheidungen bezüglich des künftigen Aufsichtsrats erfolgten einstimmig. Gravierend ändert sich durch die Größe mit über 500 Mitarbeitern dessen Zusammensetzung. Ein Drittel des ab 2020 bis 2023 von 20 auf 30 Mitglieder anwachsenden Gremiums kommt aus den Reihen der Bankmitarbeiter.

Das betreute Kundenanlagevolumen der fusionierten Bank beläuft sich auf 4,4 Milliarden Euro und das betreute Kundenkreditvolumen auf rund 2,4 Milliarden Euro. Die Zahl der Kunden liegt bei etwa 157.000, davon sind gut 71.000 Mitglieder. Um deren Belange kümmern sich künftig rund 570 Mitarbeiter. Trotz gleich bleibender Strukturen ergeben sich ausreichend Einsparpotenziale. Der Vorstandssprecher rechnet damit, dass sich erste Effekte bereits 2020 zeigen werden. Ab 2022 werde die Bank durch Fusionseffekte jährlich etwa ein Plus von drei Millionen Euro verzeichnen.

Bilanzgewinn gesunken – Dividende bleibt

Auf der letztmalig vom scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Karl Ludwig Bihler geleiteten Versammlung standen noch weitere Entscheidungen an. Nach der Vorstellung der Geschäftszahlen (siehe Infokasten) durch Vorstand Huber wurden Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig entlastet. Für den im vierten Jahr gesunkenen Bilanzgewinn machte der Vorstand die Nullzinspolitik der EZB verantwortlich, welche die Erträge erheblich belaste. Verschärft werde die Situation durch die ständig steigenden regulatorischen Anforderungen, das veränderte Kundenverhalten sowie die Herausforderungen, die mit der zunehmenden Digitalisierung einhergehen. Trotz eines um über 13 Prozent gesunkenen Jahresüberschusses beschlossen die Vertreter einstimmig wie im Vorjahr eine Dividende von drei Prozent (525.000 Euro). Die verbleibenden rund 2,3 Millionen Euro wandern in gesetzliche und andere Ergebnisrücklagen.

Ehrungen

Der seit 2004 als Aufsichtsratsvorsitzender tätige Karl Ludwig Bihler hatte nach 2007 und 2012 nun noch die dritte Fusion maßgeblich gestalten können. Er wurde mit stehendem Applaus der Vertreter verabschiedet. Aufsichtsrat Franz Erhardt schied ebenfalls altersbedingt aus und Florian Markthaler wurde für 20-jährige Tätigkeit im Aufsichtsrat geehrt. Vorstand Xaver Schelle hatte bereits zum Anfang des Jahres nach über 40 Jahren in der VR Bank in die Altersteilzeit gewechselt und wurde ebenso mit einer Laudatio geehrt, wie Revisor Ekhard Ulmer.

von Wolfgang Becker

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