Wieder Rekord bei den Einsätzen

Stützpunktwehr Marktoberdorf: Vier Großbrände und eine verletzte Eule

+
Vier Großbrände, unter anderem der einer Zimmereihalle in Kohlhunden beschäftigte die Feuerwehr Marktoberdorf im Jahr 2018.

Marktoberdorf – Bei seiner letzten Jahreshauptversammlung als Erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Marktoberdorf schlug Rasso Rehle durchaus harsche Töne in Richtung Politik an. Die Rahmenbedingungen müssten passen, damit der Einsatz für die Stützpunktfeuerwehr ein Hobby und ein freiwilliges Ehrenamt bleiben könne. Da die Feuerwehr Marktoberdorf mit 142 Einsätzen auch 2018 erneut ein Rekordjahr verbuchte, appellierte er an die Politik, Entlastung zu schaffen.

„Es kann nicht sein, dass die freiwillige Feuerwehr der Airbag für alle gesellschaftlichen Entwicklungen ist und dass viele feuerwehrferne Angelegenheiten auf die Ehrenamtlichen abgewälzt werden“, sagte der Dienstleiter der örtlichen Einsatzkräfte. Insgesamt war die Feuerwehr 2018 in 35 Fällen für Alarme von Brandmeldeanlagen und Rauchmeldern ohne echten Brand ausgerückt. Weitere 35 Alarmierungen erfolgten zur Unterstützung des Rettungsdienstes für Türöffnungen, Drehleiterrettungen, Ersthelfer- und Tragehilfeeinsätze. So zum Beispiel für einen asiatischen Kochkurs, der in der Martinsschule willkürlich Meldeanlagen abmontiert hatte, oder für Anwohner, die lediglich ihre Schlüssel vergessen hatten und deren Türen geöffnet werden mussten. Zu den eigentlichen Einsätzen kamen auch freiwillige Dienste hinzu, wie die Sicherheitswache am Modeon, die Durchführung von Absperrungen bei Veranstaltungen (Gaudiwurm, Toy Run, Martinsumzüge etc.) sowie Verkehrsabsicherungen. Insgesamt bedeutete dies alle 1,9 Tage einen Einsatz der Feuerwehr Marktoberdorf.

Ihre breite Kompetenz war bei 142 alarmierten Einsätzen gefragt. Vier Großbrände galt es zu löschen, als in Roßhaupten ein Gasthaus, in Weiß bei Altdorf ein Bauernhof, in Ruderatshofen ein landwirtschaftliches Anwesen und in Kohlhunden eine Zimmereihalle brannten. Sechs Mal mussten die Folgen eines Austritts von Gefahrstoffen verhindert werden, als beispielsweise sich zersetzendes Kalium im Gymnasium Marktoberdorf durch Spezialisten des Bombenentschärfungskommandos der Polizei geborgen und in einer Kiesgrube gesprengt wurde. Oder als der Austritt von Flüssiggas aus einem Tankwagen in Bertoldshofen gemeldet wurde. „Eine heikle Lage, die nur durch das umsichtige Handeln des Lkw-Fahrers entschärft werden konnte. Wir waren nahe dran, fast ganz Bertoldshofen zu evakuieren“, resümierte Rehle.

Belastend waren auch im vergangenen Jahr sieben Einsätze nach Verkehrsunfällen gewesen, wie derjenige kurz vor Weihnachten am 20. Dezember 2018, als auf der B12 ein Pkw gegen einen Kleintransporter krachte. Für eine Person kam leider jede Hilfe zu spät. Andererseits, so hob der Erste Kommandant hervor, war die Feuerwehr Marktoberdorf im vergangenen Jahr auch an der Rettung von immerhin 40 Menschen beteiligt. „Das macht uns immer wieder Mut“, sprach Rehle zu den Kameraden im übervollen Saal des Gasthof Burger. Nicht zu vergessen die skurrilste Tierrettung des Jahres: eine Eule mit einem gebrochenen Flügel war geborgen und in tierärztliche Hände gebracht worden.

Kommandowechsel

Am Ende seines Jahresberichts dankte der scheidenden Erste Kommandant dem Vorstand und seinen Kollegen im Kommando. Rasso Rehle gab zeitliche Einschränkungen an, warum er sich nach sechs Jahren nicht erneut zur Wahl aufstellen lassen wolle. Er blicke zufrieden auf seine Kommandozeit zurück. „Nachdem wir nun fast unseren gesamten Fuhrpark, die Einsatzkleidung, die Funktechnik und vieles mehr erneuert haben, kann ich meinem Nachfolger eine materiell und auch personell gut ausgestattete Wehr übergeben“, zog Rehle Bilanz. Er werde weiterhin für die Feuerwehr aktiv sein und freue sich darauf, die Fahrzeuge, die unter seiner Führung beschafft wurden, endlich auch einmal selbst zu fahren. Mit Rehle scheiden Robert Kauter nach 15 Jahren und Robert Eggensberger nach 24 Jahren als Gruppenführer aus. Insgesamt zählt die Feuerwehr Marktoberdorf aktuell 105 aktive Mitglieder.

Das Bild zeigt die „alten“ und die neuen Kommandanten der Feuerwehr Marktoberdorf gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (rechts): Rasso Rehle, Bastian Northemann, Michael Strauß und Thomas Enzensberger (v. li.). Letzterer wird ab Juni Erster Kommandant der FFW Marktoberdorf sein.

Die Wahl zum Nachfolger Rehles als Erster Kommandant erwies sich als Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach Auszählung der Stimmen setzte sich Thomas Enzensberger knapp vor Bastian Northemann als künftiger Kommandoleiter der Feuerwehr in Marktoberdorf durch. Zweiter Kommandant wird Michael Strauß. Bastian Northemann bleibt Gerätewart im Feuerwehrhaus.

von Angelika Hirschberg

Auch interessant

Meistgelesen

Armin Holderried bleibt Bürgermeister von Mauerstetten
Armin Holderried bleibt Bürgermeister von Mauerstetten
Gewaltrisiko steigt in Krisensituationen – Notrufstelle Ostallgäu hilft
Gewaltrisiko steigt in Krisensituationen – Notrufstelle Ostallgäu hilft
Ehemaliger Vorstand des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung muss vor Gericht
Ehemaliger Vorstand des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung muss vor Gericht
Senioren- und Pflegeheim Waal: 29 Personen positiv auf Coronavirus getestet
Senioren- und Pflegeheim Waal: 29 Personen positiv auf Coronavirus getestet

Kommentare