Teil III der vierteiligen Ausstellung im Kaufbeurer Rathausfoyer

Sudetendeutsche Schicksale nach 1945

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Sudetendeutsche Schicksale nach 1945 – Teil III: es gibt erneut viel zu lesen – allerdings nur halb so viel, wie es zunächst scheint: alle Tafeln sind zweisprachig tschechisch-deutsch beschriftet.

Kaufbeuren – Eigentlich hätte auch Teil III der vierteiligen Ausstellung „Schicksale der Deutschen aus dem Isergebirge nach 1945“ im Isergebirgs-Museum gezeigt werden sollen. Das ist jedoch jetzt aufgrund der demnächst beginnenden Aus- und Umbaumaßnahmen im Gablonzer Haus nicht möglich. Daher hat OB Stefan Bosse diesen Teil der Ausstellung kürzlich kurzerhand im Rathausfoyer vor dem neuen Sitzungssaal eröffnet. Eine große Anzahl von Besuchern bekundete lebhaftes Interesse.

Im ersten Teil (über die Jahre von 1945-1948) wurden die in jeden Teil integrierten acht individuellen Biografien durch Hintergrundinformationen zur Vorgeschichte der Deutschen in Böhmen, durch Berichte über die Ereignisse kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und das Leben der heimatvertriebenen oder heimatverbliebenen Deutschen danach ergänzt. Besonders ausführlich wurden die regionalen Vertreibungs-, Arbeits- und Internierungslager von Albrechtsdorf bis Reichenberg beschrieben. Der zweite Teil befasste sich mit den Jahren 1949 bis zum „Prager Frühling“ 1968. Teil III beschäftigt sich nun mit dem so genannten „realen Sozialismus“ zwischen 1969 und 1989 in der DDR und der CSSR. Der vierte und letzte Teil soll sich schließlich der Zeit von 1990 bis jetzt widmen und im Herbst 2019 gezeigt werden.

Die vierteilige Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des „Kulturverbandes der Deutschen und Freunden der deutschen Kultur“ unter Leitung von Irene Novák und dem von Petra Laurin geführten „Haus der deutsch-tschechischen Verständigung“ in Reinowitz. Gefördert wird es durch den Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds und das Bundesministerium des Innern. Petra Laurin und Irene Novák entwickelten die Ausstellung gemeinsam mit der Gablonzerin Christa Petrásková, die 1945 in ihrer angestammten Heimat verblieben war. Aus Tausenden von Karteikarten im Bezirksarchiv Gablonz stellten sie Biografien zusammen, unter anderen die von Otfried Preußler.

Im aktuellen Teil der Ausstellung sind dies mehrheitlich die Lebensgeschichten von Menschen, die – wie es Christa Petrásková etwas sarkastisch formulierte, „nicht gehen mussten, sondern bleiben „durften“. Zum Thema Entwurzelung las sie, die Paurisch noch als ihre Muttersprache ansieht, ein paurisches Gedicht aus einem alten „Horcht-ock-Noppern“-Heft vor: „Wu gehier ich hie?“. Der anonyme Autor war nacheinander Österreicher, Tschechoslowake, Reichsdeutscher und Bayer und kam zu dem deprimierten Schluss „Uf n Friedhouf ös a Fleck. Dou host de deine Heimat, die nömmt dr niemand weg!“

Den in der Heimat verbliebenen Sudetendeutschen erging es kaum besser als den Vertriebenen. Zwar wurde mit dem Gesetz über die nationalen Minderheiten von 1969 auch den Deutschen die Gleichstellung mit jedem Tschechoslowakischen Bürger garantiert und deutschsprachige Kulturverbände durften entstehen. Aber sie waren nach wie vor strengen Kontrollen und Repressalien ausgesetzt, nun eben bezüglich kommunistischer Linientreue. Auf Dauer hielten viele dem Druck nicht stand. Zwischen 1977 und 1990 verließen mehr als 13.000 Spätaussiedler das Land.

Die Ausstellung sei, so Petra Laurin, auch als Mittel konzipiert, die Sudetendeutschen – ob aus der Heimat vertrieben oder in der Heimat geblieben – wieder zusammenzuführen, ihre Schicksale aus dem Blickwinkel von beiden Seiten zu beleuchten und gegenseitige Vorurteile abzubauen.

Ein bisschen Zeit sollte man sich auch wieder für den jetzt gezeigten dritten Teil der Ausstellung nehmen, denn es gibt erneut viel zu lesen – allerdings nur halb so viel, wie es zunächst scheint: alle Tafeln sind zweisprachig tschechisch-deutsch beschriftet. Ein ausführlicher Katalog von allen vier Ausstellungsteilen wird nach der Präsentation von Teil IV herausgegeben werden.

Info zur Ausstellung:

„Schicksale der Deutschen aus dem Isergebirge in den Jahren von 1969 bis 1989“

Bis 6. April im Foyer vor dem Sitzungssaal, Neues Rathaus, Am Graben 3, Kaufbeuren

Besichtigung wochentags zu den üblichen Bürozeiten des Rathauses

Der Eintritt ist frei

Ansprechpartner: Verein zur Pflege der Städtepartnerschaften, László Kasztner


von Ingrid Zasche

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