Gewalt kommt nicht in die Tüte!

Süßes und Flyer mit Hilfsangeboten für Frauen

Praktikantin Luisa Mengling trägt die von den Passanten erfragten Schätzwerte sorgfältig als Strichliste in die Bodenzeitung ein. In den Körbchen stehen Flyer und Tüten bereit.
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Praktikantin Luisa Mengling trägt die von den Passanten erfragten Schätzwerte sorgfältig als Strichliste in die Bodenzeitung ein. In den Körbchen stehen Flyer und Tüten bereit.

Kaufbeuren – Am 25. November jährte sich der internationale „Tag gegen Gewalt an Frauen“ zum 40. Mal. Aus diesem Anlass machte das Frauentelefon Kaufbeuren-Ostallgäu mit einer Aktion auf entsprechende telefonische Hilfsangebote in Kaufbeuren aufmerksam: Auf dem Wochenmarkt in Kauf­beuren neben dem ehemaligen Geyrhalter-Haus verteilten die Be­ratungsstellen-Mitarbeiter von 10 bis 12 Uhr Süßigkeitentüten sowie Flyer und Visitenkarten mit der Telefonnummer 08341/101 010.

In den 80 weißen Tüten mit dem Slogan „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, die von der Beratungsstelle für häusliche Gewalt gepackt wurden, befanden sich eine Mandarine, Nüsse und Schokolade. Die braunen Säckchen wurden von der Abteilung Gleichstellung und Familie mit dem Flyer für das Frauentelefon, einem Tee, der ein Frauenprojekt unterstützt, und einem Keks mit dem Aufdruck „Frauentelefon“ gefüllt.

Katja Mann und Bernd Michael Gottfried von der „Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt Kaufbeuren/ Ostallgäu“ liefen mit einem Bauchladen voller „Gewalt kommt nicht in die Tüte“-Süßigkeiten über den Wochenmarkt und informierten im Gespräch und mit Flyern über telefonische Hilfsangebote am Ort.

Luisa Mengling und Melissa Seliog, zwei Praktikantinnen von Elke Schad, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Kaufbeuren, entwickelten zusammen mit Bernd Michael Gottfried und Katja Mann von der „Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt Kaufbeuren/ Ostallgäu“ ein kleines Schätzfragenprojekt. Auf einer so genannten Bodenzeitung ließen sie die Passanten angeben, ob 1.) jede dritte, fünfte oder zehnte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen ist und ob 2.) jede zweite, vierte oder sechste Frau in Deutschland mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner wird.

Circa 60 Menschen nahmen aktiv an der Umfrage teil und über die Hälfte kam auf die traurigen richtigen Werte: jede dritte Frau wird einmal im Leben allgemein Opfer von Gewalt und jede vierte Frau erfährt Gewalt durch ihren Partner. Eine dritte Frage zeigte, dass zu viele der verfügbaren örtlichen Hilfsangebote zu wenigen bekannt sind.

„Die Aktion wurde sehr gut und interessiert angenommen“, freute sich Melissa Mengling. „Wir haben insgesamt 130 Päckchen verteilt, davon gingen mindestens zwanzig an Männer.“

1981 wurde bei einem Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen der 25. November zum Gedenktag der Opfer von Gewalt an Frauen ausgerufen und 1999 offiziell durch die Vereinten Nationen aufgegriffen. In dieser Zeit sind viele Hilfesysteme, ebenso Beratungsangebote und Zufluchtsstätten aufgebaut worden. Leider ist dieses Thema immer noch aktuell. Durch die Pandemie steigt die Gewalt in den Familien sogar wieder enorm an. Besonders Männer, aber auch Frauen und Kinder stehen unter hohem Stress. Durch die wenigen Ausweichmöglichkeiten kommt es vermehrt zu Konflikten und Meinungsverschiedenheiten oder sogar zur häuslicher Gewalt. Darüber wird meist nicht öffentlich und oft nicht einmal mit Freunden gesprochen.

Allen Menschen mit derartigen Problemen stehen die Berater des Frauen- und Familientelefons Kaufbeuren-Ostallgäu telefonisch zur Verfügung. Dabei besteht die Möglichkeit über Ängste, schwierige Familiensituationen oder über aktuelle Themen zu sprechen, um nach Lösungen und neuen Perspektiven zu suchen. Von Montag bis Freitag können Betroffene unter der Telefonnummer 08341/101 010 von 10 bis 12 Uhr Unterstützung und Hilfestellung bekommen, ebenso Montag bis Donnerstag von 19 bis 21 Uhr. Ein Anruf kostet nichts, er ist anonym und kann Leben verändern.

Ingrid Zasche

Einige der verfügbaren Hilfsangebote: 

  • Frauenhaus Kauf­beuren-Ostallgäu, Tel. 08341/18818
  • Psychosoziale Prozessbegleitung für Opfer von schweren Gewalt- und Sexualstraftaten, Tel. 0170/285 9802
  • Weißer Ring Kaufbeuren-Ostallgäu, Tel. 08343/1660
  • Kostenloses Opfer-Telefon bundesweit, Tel. 118008
  • Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt Kauf­beuren-Ostallgäu, Tel. 08341/999 3227
  • Beratungsstelle für Ehe-, Familien- & Lebensfragen: Evangelisch, Tel. 08341/908-1030; Katholisch, Tel. 0831/238 38
  • Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer Polizeipräsidium Schwaben Süd-West, Tel. 0831/9909-1312; Kaufbeuren-Ostallgäu, Tel. 08341/933 204
  • Stadtjungendamt, Tel. 08341/437 388

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