Schwarzer Stier mit roter Zunge

Sulzschneid und sein Wappen – Welche Besonderheiten sich darauf widerspiegeln

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Thomas Kehle zeigt das Sulzschneider Wappen.

Sulzschneid – Aus der 900-jährigen Geschichte Sulzschneids ergeben sich zwei Besonderheiten, und die spiegeln sich auf dem Wappen wider, das rechtzeitig zum Jubiläum 2020 gestaltet worden ist. Zum einen ist dies der Name Sulzschneid. Und zum anderen betrifft es das Adelsgeschlecht der Hohenegger.

Sulz steht für Salz und Schneid für Schneise.

Im Marktoberdorfer Stadtrat hat nun Dr. Thomas Kehle das Wappen vorgestellt. Er war mit der Familie vor 24 Jahren nach Sulzschneid gezogen. Kehle, der aus Buchloe stammt, ist Internist und arbeitet im Klinikum in Kaufbeuren. Seit fünf Jahren befasst er sich intensiv mit der Geschichte von Sulzschneid, wo im Jahr 2020 zwischen März und November das 900-jährige Bestehen mit einer Reihe an Veranstaltungen begangen wird.

Die Räte haben der Neuanschaffung des Ortswappens für den Stadtteil Sulzschneid zugestimmt. Das Führen und Verwenden des Wappens, das als traditionelles Symbol zu bewerten ist und kein Hoheitszeichen der Stadt Marktoberdorf darstellt, ist den Vereinen, Verbänden und der Bürgerschaft des Stadtteiles Sulzschneid vorbehalten, heißt in dem Beschluss, der formell notwendig war.

Die Gestaltung des Wappens hat einen geschichtlich, symbolisch und heraldisch nachweisbaren Bezug zu Sulzschneid, führte Rupert Filser vom Kulturamt in das Thema ein. Das Wort Heraldik ist der Fachbegriff für Wappenkunde.

„Diesem Konzept können wir zustimmen, und ich halte die grafische Umsetzung für gut gelungen.“ So äußerte sich Alexander Hoffmann von „Herold”, einem Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften in Berlin, zu einem bereits überarbeiteten Vorschlag. „Ich denke, damit sollten Sie alle im Ort begeistern können. Mich als Heraldiker überzeugt der Entwurf jedenfalls“, stand in der Mail, die an Thomas Kehle adressiert war.

Schwarzer Stier mit roter Zunge

Die Blasonierung, also die fachgerechte Beschreibung des Wappens, liest sich so:

„In Gold neben einer roten linken Flanke, darin drei silberne Rauten pfahlweise, ein rotbezungter schwarzer Stierrumpf mit roten Innenohren“. Ein Stier befindet sich bereits auf der ersten Darstellung des Hohenegger Wappens. Wo sich die befindet? Auf der Züricher Wappenrolle aus dem Jahr 1335, informiert Kehle. Die Herrschaft der Hohenegger in Sulzschneid reichte von 1318 bis 1594.

Zum Namen der Ortschaft gibt Pfarrer Lechner im Jahr 1829 eine Erklärung. „Die Benennung dieses Ortes mag ihren Ursprung von den alten waidmännischen Worten Sulz oder Sulzen haben, einer Anstalt, durch welche dem Hochwilde die Sulzlecke bereitet wird.“ Schneidsteht für Schneise.

Viele Jahrhunderte gehörte die Ortschaft dem Adel oder war eine selbstständige Kommune mit eigenständigem Rat als politischem Entscheidungsgremium. Bei der Gebietsreform wurde Sulzschneid 1972 in die Stadt Marktoberdorf eingemeindet. Es verlor damit seine juristische Stellung als eigenständige Gemeinde und damit das hoheitliche Wappenrecht.

Zur Chronologie der Wappenerstellung: Im Mai 2019 widmete sich Kehle dem Studium der Heraldischen Literatur und ersten Entwürfen. Es erfolgte eine mehrfache Umgestaltung und das Einreichen bei „Herold”. Dies ist die älteste europäische Fachgesellschaft für Heraldik und Genealogie; sie wurde 1869 in Berlin gegründet. Begleitend gab’s zwei öffentliche Wappenvorstellungen in Sulzschneid und zwei Vorbesprechungen mit der Stadt Marktoberdorf. Ende November kam dann aus Berlin die Wappengenehmigung.

Ein Ausblick auf das Jubiläumsjahr

Schließlich gab Kehle beim Vortrag im Stadtrat einen Ausblick auf die Termine zur 900-Jahr-Feier. Den Auftakt bildet am Samstag, 7. März, ein Festakt im Vereinsheim. Von März bis Juni wird im Pfarrheim eine Ausstellung mit Plakaten, Bildern und Objekten der Ortsgeschichte gezeigt und mit Vorträgen angereichert.

Allerhand geboten ist in Sulzschneid an zwei Wochenenden im Juni mit Markttreiben und Oldtimer-Ausstellung, Begegnung mit den Gästen aus Minseln und Markttreiben, mit einem Festabend zum Jubiläum 100 Jahre „Hohenwaldegger“ Sulzschneid und mit dem Gaujugendtag.

Im Oktober erwartet Heimische und Gäste an zwei Abenden ein zeitliches Kaleidoskop über 900 Jahre Sulzschneid von Stefan Grassmann. Das historische Theater „Der wilde Hund von Sulzschneid“ von Walter Sirch beschließt das Jubiläum. Geplant sind vier Aufführungen im November.

jj

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