Der Heimat zutiefst verbunden

Tänzelfest-Chef Horst Lauerwald feiert 80. Geburtstag

Horst und Rosemarie Lauerwald bei der Verleihung der Bundesverdienstmedaille 2018.
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Horst und Rosemarie Lauerwald bei der Verleihung der Bundesverdienstmedaille 2018.

Kaufbeuren – „Mir geht’s gut. I hab zwar zwei Operationen hinter mir und in meim Alter zwackt’s natürlich allat a bissle – aber wemmer mit achzge no so krattla und denka ka, na ka i bloß dankbar sei, dass mir’s so gut geht.“ Der das sagt, ist Horst Lauerwald, der am 5. November seinen 80. Geburtstag feiern konnte. Als der Kreisbote Glück wünschte, war gerade OB Stefan Bosse zum Gratulieren eingetroffen. Die zahlreichen Gratulanten kamen nicht alle auf einmal, sondern einzeln hintereinander und blieben nur kurz. Dazwischen klingelte alle fünf Minuten das Telefon, und nach jedem Besuch wurde gelüftet. 

Horst Lauerwald ist ein Ur-Kaufbeurer. Nach dem Schulabschluss absolvierte er in der Buch- und Offsetdruckerei des Vaters eine Druckerlehre, danach bildete er sich fünf Jahre an der Universität Augsburg als Drucktechniker fort, bevor er endgültig in den väterlichen Betrieb eintrat. Mit 19 Jahren leistete er seinen Bundeswehrdienst in Mittenwald ab. Nachdem ihm sein Vater die Druckerei übergeben hatte, erlebte er, wie er sagte, „eine sehr erfolgreiche Zeit mit sehr guten Mitarbeitern und treuen Kunden.“

Sowohl diesen treuen Kunden zuliebe, aber auch aus Überzeugung trat er einer Reihe von Kaufbeurer Vereinen bei: Er war Zugführer bei der Feuerwehr, mit Schwangarths bei Aufbruch-Umbruch, seit 35 Jahren bei den D‘ Schoinaschnätterer, Gründungsmitglied vom Kulturring, vom Verkehrsverein, vom Fünfknopfturmverein, Mitglied der Fördervereine vom Stadtmuseum und vom Kunsthaus. Mitgliedschaften, die sich zunächst aus geschäftlichen Kontakten ergeben hatten und dann mit Leib und Seele ausgefüllt wurden: „I bin sehr heimatverbunden“, sagt Horst Lauerwald über sich.

Über 50 Jahre Engagement

Mit dem Tänzelfest befasst ist er inzwischen seit 72 Jahren: erst als kleiner Festzugteilnehmer, dann aktiv im Verein, schließlich von 2003 bis 2006 als stellvertretender Vorsitzender. Nach dem Tod mehrerer Vorsitzender kurz nacheinander ließ er sich – obwohl er nie Vorstand werden wollte – widerstrebend zum ersten Vorsitzenden wählen. „I bi da so neigschmissa wora“, erzählt der Jubilar. „Die Frage war: Mach i richtig weiter odr lass i’s no oi Jahr laufn und na müssn’s oin suchn“. Seine Frau Rosi, die mittlerweile ebenfalls schon 55 Jahre im Tänzelfest-Verein mit Herzblut aktiv sei, habe ihm zugeredet – und so sei er nun seit insgesamt 18 Jahren im Tänzelfestvorstand. Als er bei der Mitgliederversammlung 2018 einmal mehr im Amt bestätigt wurde, überraschten ihn seine Mitvorstände Irmgard Ernszt und Christian Mayer mit der Ernennung zum Ehrenmitglied für „über 50 Jahre andauerndes Engagement im Tänzelfestverein“.

Immaterielles Kulturerbe

Unter seinem Vorsitz wurden dem Tänzelfestverein zahlreiche Auszeichnungen zuteil: 2015 wurde der Tänzelfestverein mit dem Kunst- und Kulturpreis der Stadt Kaufbeuren geehrt. Im Januar 2018 durften die Vorstände im Kemptener Kornhaus nach einer Laudatio des damaligen Bayerischen Staatsministers für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat, Dr. Markus Söder, den Heimatpreis Bayern in Form eines weißen Porzellanlöwen für den Verein entgegennehmen. Und der Kummer über die zwangsweise Absage des Tänzelfests 2020 wurde gemildert durch die Mitteilung, dass das Tänzelfest im April in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde, was Voraussetzung für eine eventuell folgende Aufnahme in das Bundesverzeichnis sein kann.

Als persönliche Auszeichnung erhielten Horst Lauerwald und seine Frau Rosemarie im Juni 2018 im historischen Sitzungssaal des Kaufbeurer Rathauses die „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ überreicht. Gewürdigt wurde auch hierbei ihr über 50-jähriger unermüdlicher Einsatz für das Tänzelfest. Die Verleihung beim Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier angeregt hatte der im März zum Bayerischen Ministerpräsidenten avancierte Söder. Dem Bundespräsidenten war es dabei wichtig, diese Auszeichnung, die 2018 in Schwaben nur zweimal erfolgt ist, nicht dem Paar zu verleihen, sondern jedem der beiden Eheleute einzeln zuzuerkennen. Bei fast allen anderen Gelegenheiten kennen die Kaufbeurer Lauerwalds nur als perfekt eingespieltes harmonisches Duo. Vielleicht ist das das Geheimnis für das erfolgreiche aktive Leben von Horst Lauerwald.

Ingrid Zasche

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