Erster Besuch Konradins vor 750 Jahren wird in Kaufbeuren heuer nicht gefeiert

Konradin contra Maximilian

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König Konradin auf dem Tänzelfest 2007.

Kaufbeuren – Wenn ein Kaufbeurer ans Tänzelfest denkt, dann fällt ihm automatisch der prächtige Einzug Kaiser Maximilians I. (1459-1519) und dessen Empfang durch den Bür- germeister auf der Rathaustreppe ein sowie die Stiftung eines roten Hosenstoffs für die Sieger des Adlerschießens. Das wurde jedoch nicht immer so dargestellt. Kaiser Maximilian I., der die Stadt ab 1494 mehrfach besucht hatte, ist erst seit 1958 die Hauptfigur des Tänzelfestes.

In den 1920er Jahren lag der Schwerpunkt beim Festspiel vor dem Rathaus auf der Begrüßung von König Konradin durch Buronia. Der römische König Konradin von Hohenstaufen (1252-1268) soll bei seinem Italienzug durch Kaufbeuren gekommen sein, als die Staufer noch Herren der Stadt waren. Urkundlich belegt ist ein Besuch des zwölfjährigen Konradin im Jahre 1264. Die Integration Konradins ins Tänzelfest geht auf den Heimatforscher Kurat Christian Frank zurück, „seit 1924 engagiertes Mitglied im Verein zur Hebung des Tänzelfests“, wie der Historiker Helmut Lausser in den „Kaufbeurer Geschichtslegenden, Teil 3“ schrieb (Kaufbeurer Geschichtsblätter Band 15 - Nr. 7, Sept. 2000, Seiten 242-254). 

Das jugendliche Alter des mit 16 Jahren in Neapel enthaupteten Kinderkönigs passte schon damals ideal zum heutigen Tänzelfestmotto „Kinder spielen die Geschichte ihrer Stadt“. Fünf Freilichtstücke um Konradin hat Kurat Frank geschrieben, die im Tänzelhölzle auf dem Brauereiberg aufgeführt wurden. Nach dem Tod von Kurat Frank wurde unter seinem Nachfolger Walter Werz auf Betreiben des Historikers und Dichters Richard Ledermann in den 1950er Jahren mit dem Aufbau einer Kaiser-Maximilian-Gruppe begonnen. Ledermann hatte hierzu eine von Erwachsenen zu spielende Einzugsszene vom 14. Besuch Maximilians mit geschichtlich äußerst umstrittenen Theorien verfasst. 

Der inzwischen von Jugendlichen dargestellte Text nach dieser Vorlage stammt von Arthur Maximilian Miller und wurde später noch einmal von Jürgen Kraus historisch angepasst. Der verbürgte Besuch König Konradins jährt sich heuer – exakt in der Woche der Tänzelfesteröffnung – zum 750. Mal. Das wäre Helmut Lausser zufolge ein passender Anlaß gewesen, der tragischen Figur Konradins wieder ein wenig mehr Aufmerksamkeit im Tänzelfestzug zukommen zu lassen. Der Tänzelfestverein entschied sich jedoch dafür, das Festabzeichen 2014, eine neue Gruppe im Festzug und das Tänzelfest-Eröffnungsspiel stattdessen Kaufbeurens berühmter Tochter Sophie La Roche zu widmen. Vorstand Horst Lauerwald meinte dazu lakonisch: „So ein Jubiläum muss ja auch optisch und thematisch was hergeben". 

Was sollte ich denn beim Konradin schon veranstalten? Eine Schlacht oder womöglich eine Enthauptung kann man mit Kindern halt schlecht machen. Und eine Festzugs-Gruppe von Konradin und seinem Gefolge ist ja da. Daran muss eigentlich auch nichts geändert oder erneuert werden.“ Fazit: Kaiser Maximilian I. ist und bleibt die Tänzelfest-Hauptfigur. „Er war einfach öfter da“, so Lauerwald. Und der Tatsache, dass der einzige historisch nachweisbare Besuch von König Konradin in Kaufbeuren genau 750 Jahre her ist, müssen wir jetzt eben ohne besondere Festlichkeit gedenken. „Sapienti sat“, wie der Lateiner sagt: „Dem Wissenden genügt es“. von Ingrid Zasche

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