Historisches Kinderfest bewirbt sich um Eintrag in die Bayerische und Deutsche Kulturerbeliste

Tänzelfest will Immaterielles Kulturerbe werden

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Tänzelfest-Einzugsszene: Kaiser Maximilian I. erhält in einem silbernen Becher den Willkommens­trunk. Der Tänzelfestverein bewirbt sich darum, Immaterielles Kulturerbe zu werden.

Kaufbeuren – Auf eine Anregung von Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl und der Stadt Kaufbeuren hin will sich der Tänzelfestverein derzeit um einen Eintrag des „ältesten Kinderfests Bayerns“ als Immaterielles Kulturerbe in die Bayerische Kulturerbeliste bewerben. Von dort kann eine Empfehlung an die bundesweite Kulturerbeliste erfolgen.

Der nächste Schritt wäre dann die Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes enthält mittlerweile 97 Einträge, darunter das Sternsingen ebenso wie den Rheinischen Karneval und die Schwäbisch-Alemannische Fastnacht, den „Meistertrunk“ zu Rothenburg ob der Tauber, das Augsburger Friedensfest, die Passionsspiele in Oberammergau, die „Kinderzeche“ zu Dinkelsbühl oder die Landshuter Fürstenhochzeit.

Vor einen Eintrag, für den man sich alle zwei Jahre bewerben kann, hat die Deutsche UNESCO-Kommission jedoch einen umfangreichen Bürokratismus mit strengen Regularien gesetzt: Es sind die Kontinuität des Immateriellen Kulturerbes seit mehreren Generationen, die Lebendigkeit in der Gegenwart und die Sicherung der Zukunft nachzuweisen. Dem offiziellen Bewerbungsformular müssen zwei fachliche Begleitschreiben von unabhängigen, sachkundigen Personen beigefügt werden, dazu zehn „anschauliche und aussagekräftige“ Fotos sowie optional dokumentarisches Video- und Tonmaterial. Als eine der „unabhängigen, sachkundigen Personen“ konnte Dr. Peter Dieter gewonnen werden, der seine Doktorarbeit über Kaufbeurens Geschichte geschrieben hat. Abgabeschluss 2019 beim bayerischen Heimat- und Finanzministerium ist der 30. Oktober.

Danach entscheidet bis Mitte April 2020 eine Expertenkommission aus Geschichtsprofessoren, Volkskundlern und Heimatpflegern, welche vier Bayerischen Bewerber an die Kultusministerkonferenz weitergeleitet werden sollen. Diese wiederum erstellt eine bundesweite Vorschlagsliste mit maximal 64 Bewerbern für das unabhängige Experten-Komitee „Immaterielles Kulturerbe“ bei der Deutschen UNESCO-Kommission. Dort werden die Bewerbungen nach den Kriterien für das Immaterielle Kulturerbe bewertet und zur Aufnahme in das Verzeichnis empfohlen. Schließlich bestätigen die Kultusministerkonferenz und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien diese Empfehlungen.

Durchaus Chancen

„Der erste Anstoß zu einer Bewerbung kam schon vor vier Jahren von der Stadt“, berichtet Rosi Lauerwald, die „First Lady“ des Tänzelfestvereins. „Damals habe ich mich von dem umfangreichen und komplizierten Regelwerk entmutigen lassen. Jetzt haben wir bei der Zusammenstellung des Bewerbungsmaterials Unterstützung vom neuen Stadtarchivar Dr. Peter Keller und von Kulturamtsleiter Günther Pietsch.“

Der Tänzelfestverein rechnet sich bei seiner Bewerbung durchaus Chancen aus: Schließlich bewahrt das Tänzelfest, das komplett ehrenamtlich organisiert wird, die Stadtgeschichte durch Überlieferung von stilgerechten Kostümen, Tänzen und alten Handwerkskünsten. Es wird von Generation zu Generation weiter gegeben: Die Kinder, die in diesem Jahr beim Festzug unter dem Motto „Kinder spielen die Geschichte ihrer Stadt“ mitmachen, sind oftmals Enkel von Festzugsteilnehmern vor 40 bis 50 Jahren. Es ist lebendig: Über die Jahrzehnte hinweg sind immer wieder Anpassungen erfolgt: sei es bei der behutsamen Erneuerung von verschlissenem Material oder bei der Gestaltung von zusätzlichen Gruppen oder bei der Einführung des Tänzelfest-Lagerlebens, damit die Erwachsenen auch etwas von dem Kinderfest haben. Die Zulassung von allen Kindern, unabhängig von Herkunft, Stand oder Religionszugehörigkeit, fördert die Integration der Neubürger. Außerdem führt das Fest jedes Jahr die ganze Stadt zusammen, wenn „wie beim Truthahnessen in den USA“, so Rosi Lauerwald, weggezogene Familienmitglieder sich von weit her zum Tänzelfest wieder in Kaufbeuren einfinden. Last but not least sind die Kaufbeurer Partnerstädte Ferrara (Italien), Szombathely (Ungarn) und Jablonec (Tschechien) in das Fest eingebunden, was auch noch der Völkerverständigung dient.

Somit sind eigentlich alle geforderten Kriterien erfüllt, und die Kaufbeurer sollten ihrem Tänzelfestverein unbedingt die Daumen drücken, dass diese Bewerbung erfolgreich ist.

von Ingrid Zasche

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