Hebammen vernetzen sich

Heute ist der Tag der Hebamme

Hebamme und BHLV-Kreissprecherin Hanni Graf.
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Hebamme und BHLV-Kreissprecherin Hanni Graf.

Ostallgäu/Kaufbeuren – Corona verändert öffentliche Aktionen: Nach den aufsehenerregenden Aktionen in den vergangenen Jahren begleiten die Hebammen heute den diesjährigen 30. Internationalen Hebammentag mit einem gelben Button auf Autos, Internetseiten und plakatiert in Praxen. „Hebammen unter allen Umständen für dich da“ ist die Nachricht auf den Buttons und soll zum Jahrestag auf den Berufsstand aufmerksam machen. Als medizinische Fachkräfte sind Hebammen ein verlässlicher Kontakt in der Krise, um Frauen, Kinder und Familien während der Corona Zeit bestmöglich zu versorgen und zu begleiten.

Die Pandemie hat die Hebammenarbeit stark verändert. Hohe Hygieneauflagen, eingeschränkte Kontaktzeiten, das Umstellen auf Onlinekurse und vermehrtes Arbeiten mit digitalen Medien prägen den Hebammenalltag derzeit. Alle Hebammen mussten die Vor- und Nachsorgekurse seit Ende März letzten Jahres online anbieten, da Präsenzveranstaltungen untersagt waren. Es war viel Improvisation vonnöten, um die Kurse weiterzuführen – und auch viel Entgegenkommen, denn die Vergütung von Onlinekursen musste vom Hebammenverband erst verhandelt werden.

Die Hebammen waren auch bei der Begleitung junger Familien gezwungen, kurzfristig auf virtuelle Kontakte und Beratungen umzustellen. Zusätzlich zu einem Arbeitsalltag, der geprägt ist von dauernder Bereitschaft, direktem Kontakt und persönlichem Einsatz. „Gerade in diesen Zeiten wird von den Hebammen besonderer Einsatz gefordert, um sicherzustellen, dass Frauen vor, während und nach der Geburt nicht alleine gelassen werden. Sie brauchen die Betreuung und den Beistand durch Hebammen, da die Verunsicherung durch die Pandemie sehr hoch ist“, betont Hanni Graf, Hebamme und Kreissprecherin für das Ostallgäu und Kaufbeuren.

Nach wie vor mangelt es an Bewusstsein dafür, dass Hebammen medizinische Fachkräfte sind und sie konstant Präventionsarbeit leisten. Trotz der klaren Vorgaben des Robert Koch-Instituts bezüglich der Systemrelevanz von Hebammen, musste teilweise immer wieder neu mit den Gesundheitsämtern vor Ort verhandelt werden. Auch die Verhandlungen zur Mitaufnahme in den Bayerischen Krisenstab waren langwierig.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits das Jahr 2020 zum „Jahr der Pflegenden und Hebammen“ ausgerufen und dieses nun bis ins Jahr 2021 verlängert. Diese Entscheidung macht die Bedeutung der Arbeit, die beide Berufsgruppen in der Pandemie leisten, deutlich.

Direkte Anlaufstelle

Und wie kommen die Hebammen im Allgäu mit der Pandemiesituation klar? Die bereits bestehende Allgäuer Hebammengruppe veranstaltet ihre Treffen nun virtuell und erlebt in diesen Zeiten volle Mitgliederversammlungen mit dringend benötigtem fachlichem Austausch – „ein echter Gewinn, der dem Verdienst einer seit langem, gut funktionierenden Vernetzung zu verdanken ist“, so Graf. Hier organisierte freie Hebammen vertreten einander beispielsweise in Quarantänefällen und füllen die damit entstehenden Versorgungslücken. Zusätzlich wurde vor eineinhalb Jahren das Hebammen Netzwerk Kempten-Oberallgäu aus der Taufe gehoben. Es hat zum Ziel, diese Zusammenarbeit zu stabilisieren und noch weiter auszubauen. Außerdem gibt es damit erstmals im Allgäu eine direkte Anlaufstelle für Frauen, die auf Hebammensuche sind. Die Hebammen vom Netzwerk KE-OA sind Allgäu weit Vorreiterinnen und können nun berechtigt hoffen, die Vorgabe „Unter allen Umständen für dich da“ auch in Corona-Zeiten zu erfüllen.

kb

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