"Tag der offenen Behördentür" in Kaufbeuren

Im Dienst der Bürger

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Servicestelle und Politik: Martina Stangl (v. li.), Melina Wagner, Helmut Kordmann, OB Stefan Bosse, MdL Franz Josef Pschierer, Susanne Schiller, Bertold Flierl und MdL Bernhard Pohl.

Kaufbeuren – Gut ein Jahr nach Einweihung der Räumlichkeiten durch Heimatminister Dr. Markus Söder und Staatskanzleiminister Dr. Marcel Huber in Kaufbeuren öffneten die Servicestelle „Bayern Direkt“ der Bayerischen Staatsregierung sowie das „Landesamt für Finanzen“ als verlagerte Behörden am vergangenen Samstag allen Interessierten ihre Türen.

„Kaufbeuren zählt eindeutig zu den Gewinnern der bayerischen Heimatstrategie“, so Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer. Das sieht auch Oberbürgermeister Stefan Bosse so: „Kaufbeuren profitiert von der Heimatstrategie von Staatsminister Dr. Markus Söder und der Regionalisierung von Behörden und staatlichen Einrichtungen.“ Die Servicestelle „Bayern Direkt“ ist die zentrale Dienststelle der bayerischen Staatskanzlei im Dienst der Bürger, die Außenstelle des Landesamtes für Finanzen befindet sich im Aufbau.

Auch wenn der eine oder andere Bürger zunächst nicht genau wusste, was sich hinter der offenen Behördentür in der Alten Weberei verbarg, fanden am Ende doch etliche Interessenten den Weg in die seitens der bayerischen Staatsregierung nach Kaufbeuren verlagerten Räume. In der Servicestelle der Staatsregierung geben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Auskunft rund um das Thema Verwaltung. Das Landesamt für Finanzen informiert über die Ausbildung und das Angebot an heimatnahen Arbeitsplätzen.

Strukturpolitische Entscheidung

„Es war eine bewusste strukturpolitische Entscheidung der Staatsregierung, welche für die Verlagerung von Behörden in die Fläche viel Geld in die Hand genommen hat“, sagte Pschierer, „doch das ist aus meiner Sicht auch gerechtfertigt.“ München als Metropolregion platze aus allen Nähten. Es habe jedoch keine Zwangsversetzungen gegeben, alle Mitarbeiter seien freiwillig zu Pendlern aus dem Münchner Raum geworden oder aus der Kauf­beurer Region. Man werde auch das Thema Digitalisierung nutzen, um mehr Arbeitsplätze zu verlagern. Das gelte aber nicht nur für staatliche Einrichtungen, sondern gehe auch an die Adresse von Wirtschaft und Industrie. „Die Staatsregierung hat mich mit dieser Behördenverlagerung als Teil eines Maßnahmenpaketes nach der Standortentscheidung 2011 wieder aufgerichtet“, sagte der OB. Er bezeichnete die Servicestelle der Staatsregierung als „Perle“, die er nie für möglich gehalten habe. „Das tut uns wirklich gut“, so Bosse, „das ist substanzielle Unterstützung, weil hier Menschen zum Arbeiten zu uns kommen.“ Es liege der Stadt viel daran, diesen Menschen eine gute Sitzkommune zu sein.

„Bayern direkt“

Genau das bestätigt Ministerialrat Bertold Flierl als Leiter der Servicestelle, der jeden Tag aus Augsburg einpendelt: „Nachdem ich viele Jahre nach München fuhr, ist der Weg nun viel entspannter und ich habe an Lebensqualität gewonnen. Wir sind heimisch geworden.“ Mitarbeiter Helmut Kordmann kommt zwar aus dem Münchener Raum, aber völlig entspannt, da er keine überfüllten Züge mehr ertragen müsse. Er berichtet, dass die Dienststelle 2017 rund 21.000 Telefonate und 23.000 Emails bearbeitet habe. „Als Servicestelle sind wir der direkte Draht zu den verschiedenen Ressorts der bayerischen Staatsregierung“, erläutert Mitarbeiterin Susanne Schiller, „wenn wir den Hörer abnehmen, wissen wir nicht, was kommt. Auch direkte Anfragen per Email beispielsweise an den Ministerpräsidenten werden aufgenommen und weitergeleitet.“ Das Angebot gelte für alle Bürger, Organisationen und Einrichtungen im Freistaat zu allen Themen im staatlichen Informationsangebot. Laut Flierl besteht ein guter Teil der Arbeit der bisher sechs Mitarbeiter darin, „den Menschen einen Weg aufzuzeigen“.

Landesamt für Finanzen: Präsident Klaus Herzog und Dienststellenleiter Reinhold Rebell wünschen sich langfristig für ihre Mitarbeiter einen gut erreichbaren Standort.

Landesamt für Finanzen

Das „Abrechnungszentrum Bezüge Süd“ ist wie in Ingolstadt eine Außenstelle des in Augsburg angesiedelten Landesamtes für Finanzen. „Wir befinden uns noch im Aufbau“, so Klaus Herzog, Präsident des Landesamtes für Finanzen in Würzburg und Reinhold Rebell, zuständiger Dienststellenleiter in Augsburg. In Kaufbeuren wurde der Dienstbetrieb bereits im Oktober 2016 aufgenommen. Derzeit befinden sich 13 Mitarbeiter vor Ort, bis Ende des Jahres sollen diese auf etwa 18 ansteigen und dann rund 20.000 Fälle bearbeiten. Der Strukturaufbau erfolge kontinuierlich, auch bezüglich der Ausbildung und Neueinstellung, welche aus der Region generiert werden sollen. Der Endausbau mit rund 100 Mitarbeitern ist für das Jahr 2025 geplant. Dazu OB Stefan Bosse: „Neben den zusätzlichen Arbeitsplätzen wird sich die langfristige Strategie zu Gunsten von Kaufbeuren auch durch eine Bautätigkeit zeigen. Es wird derzeit intensiv an den Plänen für den Neubau eines Behördenzentrums gearbeitet.“ „Die größte Regionalisierung von Behörden und staatlichen Einrichtungen im Rahmen der Heimatstrategie mit 64 Verlagerungsprojekten aus allen Geschäftsbereichen und insgesamt 3.155 Personen sind ein klares Bekenntnis zum ländlichen Raum. Das ist ein großer Erfolg, von dem gerade auch Schwaben erheblich profitiert“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer.

Von Wolfgang Becker

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