Teil II: Faktencheck zur Integration in den Arbeitsmarkt

"Eine Ausbildung ist der Einzelfall"

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Nicht nur die Eignung, auch der aktuelle Aufenthaltsstatus spielen eine große Rolle bei der Entscheidung für einen Azubi mit Fluchthintergrund.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Wie die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gelingt, dafür kann auch der jüngste Faktencheck zum Thema „Neuzuwanderung“ des Landratsamts Ostallgäu keine Patentrezepte liefern. Aktuelle Zahlen untermauern jedoch das Bild, dass die Herausforderungen groß und schnelle Erfolge nicht zu erwarten sind.

Im Jahr 2016 nahmen dem zuständigen Jobcenter zufolge 49 Menschen mit Fluchthintergrund eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf. Von Januar bis März 2017 waren es bereits 25 Flüchtlinge, die so in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten. Auch Ausbildungen wurden in dieser Zeit begonnen, jedoch seien sie der Einzelfall, wie das Jobcenter im „Faktencheck“ schreibt. Genauer wird hier die Handwerkskammer für Schwaben, die der Bericht ebenfalls um eine Einschätzung gebeten hat: 15 Asylbewerber gehen demnach im Ostallgäu einer Ausbildung nach.

Deutsch und Mathe wichtig

Bei aktuell rund 1200 Asylsuchenden im Landkreis über 16 Jahren klingen diese Zahlen ernüchternd. Handwerkskammer und Jobcenter erklären dies folgendermaßen: Sehr viele Geflüchtete befinden sich noch in Sprachkursen oder berufsintegrierenden Maßnahmen. Neben (noch) mangelnden Sprachkenntnissen stellen nicht ausreichende Kenntnisse in Mathematik eine große Hürde für einen Ausbildungsbeginn dar. Meist vermittelt das Jobcenter daher in leichte Helfertätigkeiten. Es wird deutlich, dass die deutsche Sprache nicht im Eiltempo erlernt werden kann. Das Jobcenter spricht von gut zwei Jahren, die es im Regelfall braucht, um so gut Deutsch zu lernen, dass einer Erwerbstätigkeit oder beruflichen Qualifizierung nachgegangen werden kann. So sind viele Arbeitgeber zwar über die hohe Motivation vieler Geflüchteter erfreut. Am Ende einer jeder Ausbildung muss allerdings nicht nur eine praktische, sondern auch eine theoretische Prüfung bestanden werden.

Einen weiteren Grund für die fehlende Dynamik, mit der Flüchtlinge auf dem Ausbildungsmarkt ankommen, ist laut Handwerkskammer das neue Integrationsgesetz. Damit spielt der aktuelle Aufenthaltsstatus (anerkannt, im Verfahren oder geduldet) eine große Rolle für auszubildende Betriebe. Hier herrschen große Unsicherheiten auf beiden Seiten. Oft haben Geflüchtete auch Sorge um die Familie im Herkunftsland oder den eigenen Verbleib. „Hier ist es für Betroffene schwierig, volle Kraft für Spracherwerb, Erwerbstätigkeit oder berufliche Qualifizierung einzusetzen“, wird das Jobcenter zitiert. „An dieser Stelle könnte es sinnvoller sein, zunächst die Grundbedürfnisse zu klären, bevor eine Vermittlung angestrebt wird.“ 

von Angelika Hirschberg

Im dritten und letzten Teil unserer Reihe zum „Faktencheck Neuzuwanderung“ dreht sich alles um Familie, Kinder und die Bildung.

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