Teil III des Faktenchecks Neuzuwanderung: Kindliche Bildung

Familie, Kinder und die Bildung

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Wie hier beim Initiativforum für interkulturelle Vielfalt e.V., kurz Inifo, in Marktoberdorf unterstützen Ehrenamtliche junge Geflüchtete beim Lernen. Das ist auch unabdingbar für deren berufliche Qualifizierung. Wer sich als Lernpate engagieren möchte, kann sich jederzeit bei Inifo melden.

Marktoberdorf/Ostallgäu –Rund 300 Kinder mit Fluchthintergrund (bis 16 Jahren) leben in den Asylunterkünften im Landkreis. Daher ist es eine der dringlichsten Aufgaben, gute Rahmenbedingungen für die kindliche Bildung zu schaffen. Das geht auch aus dem jüngst veröffentlichten „Faktencheck“ des Landratsamts Ostallgäu hervor.

Im März 2017 wurden in 45 Kindertagesstätten des Landkreises 164 Flüchtlingskinder betreut. Der Gesamtanteil der Kinder mit Migrationshintergrund in den Kindertagesstätten ist von neun Prozent (im Jahr 2011) auf zwölf Prozent im Jahr 2016 angestiegen. Das, so macht die Analyse deutlich, ist nur zu einem geringen Anteil auf die aktuelle Zuwanderung von Flüchtlingen zurückzuführen.

Kindertagesstätten

Die künftige Verteilpraxis der Asylbewerber auf nur noch wenige Kommunen im Landkreis hat allerdings Auswirkungen auf die Betreuungssituation in den Kindertageseinrichtungen. Auch das Jugendamt erkennt, dass es bei der Verlegung von Familien zu Engpässen bei der Verfügbarkeit von Plätzen in Kindertagesstätten kommen kann – was auch für einheimische Familien zum Problem werde. Des Weiteren ist die Kommunikation ohne Dolmetscher mit den Eltern der Flüchtlingskinder oft schwierig. Insbesondere Mütter laufen Gefahr, von ihren Kindern sprachlich schnell „abgehängt“ zu werden. Ein weiteres Problem ist es, Flüchtlingen eine ortsnahe Kinderbetreuung zu ermöglichen. Das alles führe oftmals zu Konflikten mit Eltern und Kindern ohne Fluchthintergrund, deren Bedürfnisse es im Sinne der sozialen Gerechtigkeit zu wahren gilt, so das Jugendamt.

Schulische Bildung

Insgesamt wurden im Juli 2016 rund 300 Kinder mit Fluchthintergrund an den Ostallgäuer Grund- und Mittelschulen unterrichtet. An den Mittelschulen in Buchloe, Marktoberdorf und Füssen sowie in Kaufbeuren gibt es Übergangsklassen, die das Vorrücken in die jeweilige Regelklasse erleichtern. Die Staatliche Berufsschule Ostallgäu unterhält neun Berufsintegrationsklassen. In ihnen werden berufsschulpflichtige Flüchtlinge und Asylbewerber im Alter von 16 bis 21 Jahren beschult. Sie sollen durch eine gezielte Berufsvorbereitung mit verstärkter Sprachförderung und sozialpädagogischer Betreuung ihre vorhandenen Sprachdefizite ausgleichen und die Ausbildungsreife erlangen. Weiterhin ist noch ungelöst, wie mit Schülern verfahren werden soll, die vom regulären Unterricht aufgrund von Fehlverhalten ausgeschlossen wurden.

„Es läuft gut“

Laut des Leiters der Staatlichen Berufsschule Ostallgäu Remigius Kirchmaier läuft es in den Berufsintegrationsklassen gut: „Die Schüler bringen in Deutsch gute Leistungen in Wort und Schrift. Sie akzeptieren und leben unser Demokratieverständnis.“ Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit nennt Kirchmaier klare Regeln, das angemessene Durchsetzen dieser Vorgaben, eine intensive Betreuung der Praktika, zahlreiche motivierende Gespräche und viel Geduld. Er bestätigt auch, dass bei allen Beteiligten der Willen zur Integration vorhanden sei.

Nach der Schule

Zum zweiten Mal haben zum Ende des Schuljahres 2016/2017 Berufsintegrationsklassen und damit 40 Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund die Berufsschule abgeschlossen. Von ihnen hat fast jeder eine Anschlusstätigkeit begonnen. Knapp die Hälfte nimmt eine Ausbildung auf, die restlichen Absolventen verteilen sich auf Berufsfachschulen, Einstiegsqualifizierung, Fachoberschule, eine schulische Ausbildung im Bereich Pflege oder nehmen eine Helfertätigkeit auf. Nur fünf Schüler wissen noch nicht, wie es weitergeht.

Das ist durchaus eine Erfolgsmeldung. Doch Berufsschulleiter Kirchmaier sieht noch Handlungsbedarf. „Die Jugendlichen benötigen Unterstützung im fachsprachlichen Bereich für eine weitere berufliche Qualifizierung, sowie Hilfe in Mathe und berufsabhängig in Chemie und Physik.“ Hier setzen Hilfen des Jobcenters, aber auch ehrenamtliches Engagement an.

von Angelika Hirschberg

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