Landratsamt legt Analyse zum Thema "Neuzuwanderung" vor

"Faktencheck"

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Die Asylunterkünfte des Landkreises im Faktencheck. Bis 2022 sollen nur noch die landkreiseigenen Unterkünfte bestehen bleiben, die Platz für rund 500 Personen bieten. Hier die Gemeinschaftsunterkunft in Marktoberdorf.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Im Jahr 2015 erlebte Deutschland eine außergewöhnlich hohe Zuwanderung. Nach amtlichen Angaben kamen rund 890.000 Asylsuchende in die Bundesrepublik, ein kleiner Teil von ihnen auch ins Ostallgäu. Derzeit leben 1643 Flüchtlinge im Landkreis (Stand April 2017).

Faktencheck auf 40 Seiten

Es sind zunächst nüchterne Zahlen, die das Landratsamt in seinem 40-seitigen Dokument mit dem Titel „Faktencheck“ zum Thema Neuzuwanderung im Ostallgäu präsentiert: ein demographischer Überblick mit dem Fokus auf fluchtbedingter Migration. Doch in dem Papier steckt mehr: Projektleiterin Annabel Göhler hat gezielt die verschiedenen Akteure zu Wort kommen lassen, die im Bereich Bildung und Integration tagtäglich mit Flüchtlingen zu tun haben. Das Ausländer- und Jugendamt etwa oder den Leiter der Staatlichen Berufsschule sowie die Handwerkskammer für Schwaben. Sie alle wurden um ihre Einschätzung der Integrationsbemühungen gebeten, so dass der aktuelle „Faktencheck“ bestehende Herausforderungen und Probleme nicht etwa ausklammert. Er kann vielmehr auf sachlicher Grundlage Erkenntnisse bieten, die helfen können, die Integration in den essenziellen Bereichen wie Bildung, Ausbildung und Arbeit weiter zu entwickeln.

Seit Mitte 2016 hat sich der Flüchtlingszuzug für alle merklich verlangsamt. Vom Januar bis zum April 2017 waren es lediglich rund 50 Personen, die größtenteils in Folge des Familiennachzugs ins Ostallgäu gekommen sind. Zeit zum Durchschnaufen also? Es gehe jetzt derzeit um die bedarfsgerechte Anpassung der Integrationsbemühungen an die aktuellen Gegebenheiten, wie Göhler sagt. Das klingt immer noch nach sehr viel Arbeit.

Zahlen zur Zuwanderung

Dem Bericht des Landkreises zufolge ist die Zahl der Ausländer und Ausländerinnen im Ostallgäu seit 2012 um 48 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg geht aber gleichermaßen auf Menschen aus EU-Staaten wie aus Nicht-EU-Staaten zurück. Insgesamt stellen Asylbewerber nur knapp sechs Prozent aller Ausländer im Ostallgäu. Ende 2016 wurden 11.840 Ausländer im Ostallgäu gezählt, also alle Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Ein Großteil von ihnen, nämlich 3482 Personen, ist tatsächlich erst innerhalb der letzten vier Jahre ins Ostallgäu gekommen. Ein ähnlich großer Teil aber, nämlich genau 3480 Menschen, lebt schon seit 20 Jahren und mehr im Landkreis.

Druckfrisch ist der neue Faktencheck des Landratsamt zum Thema Neuzuwanderung im Ostallgäu angekommen. Er präsentiert aktuelle Zahlen, aber auch Einschätzungen zur Integration in Bildung, Ausbildung und Arbeit.

Von den 1643 Asylsuchenden mit Fluchthintergrund im Landkreis haben 974 bereits ihre Anerkennung erhalten. 425 leben selbständig zur Miete. Von den insgesamt 1260 Flüchtlingen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, sind über 50 Prozent zwischen 16 und 36 Jahre alt, rund ein Drittel sind Kinder unter 16 Jahren. Die häufigsten Herkunftsländer sind Syrien (38 Prozent) und Afghanistan (27 Prozent).

Die Unterkünfte

Im Dezember 2016 gab es im Landkreis noch 90 dezentrale Unterkünfte. Im April 2017 hat sich die Zahl bereits auf 75 verringert und im Lauf des Jahres sollen noch einmal 20 Unterkünfte geschlossen werden. Denn infolge eines Ministerialbeschlusses darf der Landkreis weder Neuanmietungen vornehmen noch Mietverträge mit Unterkünften verlängern. Bis 2022, so der vorläufige Plan, sollen nur noch die landkreiseigenen Unterkünfte in Buchloe, Marktoberdorf, Mauerstetten, Obergünzburg und Rieden am Forggensee bestehen. Das stellt alle Beteiligte vor große Herausforderungen, wie auch das Sachgebiet zum Personenstand und Ausländerwesen im Landrats­amt angibt: „Es wird versucht, die Wünsche der Betroffenen zu berücksichtigen, so dass der Anschluss zum bisherigen Umfeld erhalten bleibt. Insbesondere wenn die Betroffenen bereits einer Arbeit vor Ort nachgehen“, heißt es von dort. Einer zentralen Unterbringung der Flüchtlinge in wenigen Landkreiskommunen sieht vor allem die Stadt Marktoberdorf mit Bangen entgegen. Sie fürchtet bei steigenden Zahlen die Integration nicht mehr stemmen zu können (wir berichteten). Aktuell leben die meisten Asylbewerber, 175 Personen, in Unterkünften der Kreisstadt. Füssen bietet 131 Menschen eine Unterkunft, in Buchloe wohnen 116 Asylsuchende in Gemeinschaftsunterkünften.

Lesen Sie mehr zur Zuwanderung in unserem zweiten Teil des Faktenchecks in einer der kommenden Ausgaben.

von Angelika Hirschberg

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