Ein Teil des sozialen Netzwerkes

Strahlende Gesichter beim Doppeljubiläum: (v. l.) Bürgermeister Gerhard Bucher überreichte seitens der Stadt ein Geschenk an Gerd Kirsch und Klaus Höpp. Foto: Becker

Auf eine lange Tradition kann die Kolpingsfamilie Kaufbeuren zurück blicken. Mit einem Festakt und einem Tag der offenen Tür feierte sie am Wochenende die Einweihung ihres Hauses vor 60 Jahren und die Gründung des Kolping-Bildungswerkes vor 40 Jahren. Doch die Wurzeln der Kolpingsfamilie reichen bis in das Jahr 1853. Noch zu Lebzeiten des katholischen Priesters und Sozialreformers Adolf Kolping wurde der Gesellenverein Kaufbeuren gegründet. Bürgermeister Gerhard Bucher bezeichnete die Kolpingsfamilie in seinem Grußwort als „Teil des gesamten sozialen Netzwerkes in Kaufbeuren.“

Der Gottesdienst zu Beginn der Feierlichkeiten wurde von Präses Adolf Nießner und Diözesanpräses Alois Zeller in Konzelebration vollzogen. In einer kurzen Ansprache bedankte sich Nießner bei allen Beteiligten für das Erreichte in den Jahrzehnten seit der Grundsteinlegung des Hauses. Eine für die Jubiläumsveranstaltung nach eigener Darstellung spontan entstandene Gruppe von sechs jungen Frauen und Männern mit Wurzeln in der Kolpingsfamilie gestaltete professionell mit lebendiger Musik den im Freien stattfindenden Gottesdienst. In den sich anschließenden Grußworten sagte Gerd Kirsch als Leiter des Kolping-Bildungszentrums Allgäu, dass berufliche Bildung keine Kontinuität habe und einer ständigen Anpassung an sich verändernde Bedürfnisse unterworfen sei. Trotz angeschlagener Gesundheit hatte es sich Bürgermeister Gerhard Bucher nicht nehmen lassen, ein Grußwort zu sprechen. Er betonte die Verbundenheit zur Stadt und erinnerte an die Gründung des Bildungswerkes zusammen mit dem Arbeitsamt und der Kolpingfamilie. Diözesanpräses Alois Zeller würdigte das Engagement der Kolpingsfamilie unter dem Leitgedanken „Wir sind Kolping“ und wünschte für die Zukunft Lebensfreude, Teamgeist und Glaubensstärke. Gerhard Funke von der Agentur für Arbeit erinnerte sich mit kleinen Anekdoten an die erfolgreiche Zusammenarbeit aus den ver- gangenen dreißig Jahren. Viele Veränderungen In einem Vortrag ging der 1. Vorsitzende Klaus Höpp der Frage nach „Wer ist die Kolpingsfamilie und worin sieht sie ihren Auftrag?“ Nicht nur die Mitgliederzahlen schwankten im Laufe der Jahre, auch die Strukturen veränderten sich. Anfangs war es noch der Gesellenverein, der vier Jahre nach der Gründung – also 1857 – das erste Haus in der Pfarrgasse bezog und ein Jahr später bei einem Besuch von Adolf Kolping höchstes Lob und Anerkennung bekam. Später entstanden die Gruppen Kolping, Altkolping und die Meistergruppe. Mit der 1966 erfolgten Gründung von Jungkolping und die offizielle Aufnahme von weiblichen Mitgliedern entstand dann eine richtige Kolpingsfamilie. Heute umfasst der Verein rund 250 Mitglieder allen Schichten der Bevölkerung. Dabei versucht jeder, sich mit seinen Talenten an seinem Platz auf der Basis eines christlichen Wertebewusstseins einzubringen. Den Schwerpunkt seiner Arbeit sieht Höpp in der Jugendarbeit und kann schon deutliche Zuwachsraten seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren vorweisen. Bildungswerk In einem Gespräch mit dem KREISBOTEN erläuterte Gerd Kirsch die Arbeit des Berufsbildungszentrums Allgäu als Hauptstelle von acht Standorten des Bildungswerkes. Eine Besonderheit liegt in der langjährigen Tradition, Bildung als Dienst am Nächsten zu praktizieren, um soziale Ungerechtigkeit auszugleichen. Das Ziel Kolpings war, junge Menschen vom Elend der Straße wegzuholen und in Ausbildung zu bringen. Daran habe sich nichts geändert. Ganz im Gegenteil: Durch die zunehmende Globalisierung sei dieser Bedarf aktueller denn je. Derzeit werden 50 Auszubildende in zehn Berufen ausgebildet, 20 machen eine Ausbildung in Kooperation mit Betrieben. Im Kaufmännischen Bereich befinden sich 30 Umschüler. Die Erfolgsquote für Abschlüsse und Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt liegt bei 70 bis 80 Prozent und ist ein Beleg für die gute Arbeit bei den nicht einfachen Rahmenbedingungen der Jugendlichen. Bei einem Rundgang konnte man dies sehen und in Gesprächen erfahren. Alle Auszubildenden ob in Gartenbau, Hauswirtschaft oder Baubereich waren rundherum zufrieden und würden den eingeschlagenen Weg wieder wählen.

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