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Ostallgäu und Oberallgäu von Betrugswelle überzogen

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Telefonbetrug
In der Panik fällt das Gehirn aus. Deshalb konfrontieren die Telefontäter ihre Opfer erstmal mit einer schockierenden Nachricht. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration

Kempten/Ostallgäu/Oberallgäu - Anrufbetrüger haben die Menschen in der Region jetzt noch stärker ins Visier genommen. Falsche Enkel, angebliche Polizeibeamte oder Ärzte: Mit schockierenden Nachrichten versuchten Callcenter-Betrüger am vergangenen Dienstag vornehmlich Seniorinnen und Senioren um Geld und Wertgegenstände zu bringen.

Allein zwischen 9.30 Uhr und 21 Uhr gingen bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West insgesamt 41 Mitteilungen von Bürgerinnen und Bürgern ein, bei denen die Betrüger anriefen.

Wenngleich sich die Anrufer mit verschiedenen Legenden arbeiteten, war die Masche immer die gleiche. Ein Familienmitglied hätte einen schweren Unfall verursacht oder erlitten. Im Anschluss wurden fünfstellige Geldsummen gefordert. Entweder zur dringenden Begleichung von Arztkosten oder zur Entrichtung einer Kaution, weil ein Angehöriger in Untersuchungshaft sitzen würde.

„Ihre Tochter hat jemanden überfahren“

Bislang wurde nur ein Fall bekannt, in dem die Täter erfolgreich waren. Ein Kemptener Senior wurde am Dienstagvormittag von einem angeblichen Staatsanwalt angerufen. Dieser schockte den Senior mit der Nachricht „Ihre Tochter hat jemanden überfahren“. Die Tochter sei nun festgenommen worden und könne nur durch Zahlung einer Kaution in Höhe von 70.000 Euro aus der Haft entlassen werden. Der Senior fuhr im weiteren Verlauf zu seiner Hausbank, hob dort 30.000 Euro ab und übergab das Geld am Nachmittag an einem vereinbarten Treffpunkt einem Unbekannten. Als dem Senior dann am Abend Zweifel kamen, rief er seine Tochter an, und der Betrug flog auf. Die Kemptener Kripo hat die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen.

In einem weiteren Fall wurde ein älterer Mann aus Kempten mit derselben Masche aufs Glatteis geführt. Als der Mann bei der Hausbank schließlich 15.000 Euro abheben wollte, machten ihn aufmerksame Bankmitarbeiter auf einen möglichen Betrug aufmerksam und bewahrten ihn so vor einem Vermögensschaden.

Mit den Maschen „Schockanruf“ oder „Falsche Amtsträger“ erbeuteten Callcenterbetrüger im Bereich des Polizeipräsidiums in allein in diesem Jahr bereits über 1,7 Millionen Euro. 

Die Polizei rät:
Legen Sie auf und rufen Sie den vermeintlich betroffenen Angehörigen selbst zurück.
Lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen.
Fordert der Anrufer Geld: Besprechen Sie dies unbedingt vorher mit weiteren Angehörigen.
Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen und Verwandten sowie Bekannten über die Masche!

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