Sport statt Elektronik im geplanten Forettle-Center

"Die Euphorie bleibt aus" 

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Wird hier bald ein Forettle-Center stehen? Der Besuch aus Berlin brachte am Montag keinen Bauantrag mit. So ist weiter offen, ob der Stadtrat über das Projekt erneut entscheiden muss

Kaufbeuren – Gespannt erwartet worden war das nichtöffentliche Treffen am vergangenen Montag zwischen den Investoren des Forettle-Centers und den Kaufbeurer Fraktionssprechern. Denn vorge- legt werden sollte nichts geringeres als der Bauantrag zum geplanten Forettle-Center. Doch am Tag nach dem Termin waren die Reaktionen der Kaufbeurer Politiker verhalten.

Der Bauantrag soll wohl doch erst im Laufe der kommenden zwei bis drei Wochen eingereicht werden. Eine Neuigkeit gab es aber: Ein Sportfachmarkt soll jetzt ins Obergeschoss einziehen. Denn mittlerweile glaubt auch der Investor, die Dr. Aldinger & Fischer Grundbesitz und Vermarktungs GmbH, nicht mehr daran, einen Elektronik-Fachmarkt als Ankermieter zu finden. Die Verträge mit dem Sportfachmarkt waren am Montagabend noch nicht unterschrieben, aber es sehe „gut aus“, so Projektleiter Dr. Jochen Ehlers nach dem „Gipfeltreffen“ im Rathaus beim Gespräch mit dem Kreisbote. Er sieht die Situation entspannt, hat sich an den Gegenwind von Freien Wählern, SPD, FDP und Grünen schon gewöhnt. 

„Das Forettle-Center kommt zu 99,9 Prozent“, sagt er. Und: „Es wird gut für Kaufbeuren sein“. Wenn der Investor es schafft, auch mit dem neuen Sportfachmarkt, Woolworth auf zwei Etagen und ohne Elektronikanbieter die Vorgaben des Durchführungsvertrages einzuhalten – und dies hält zum Beispiel OB Bosse derzeit durchaus für möglich – müssten die neuen Sortiments-Pläne nicht mehr eigens vom Stadtrat genehmigt werden, der Investor kann sich dann auf geschaffenes Baurecht berufen. Ehlers, der zusammen mit dem neuen Investor Albert Ten Brinke „auf Wunsch der Stadt“ am Montag nach Kaufbeuren gekommen war, fuhr „mit einem guten Gefühl“ zurück nach Berlin. 

Verhalten äußerte sich die Kaufbeurer Politik am nächsten Tag zum Verlauf der nichtöffentlichen Sitzung. Einen guten Eindruck habe man aber vom Investor Albert Ten Brinke bekommen, so der Tenor. 

Das sagen die Fraktionssprecher: 

Dr. Thomas Jahn (CSU): „Ich denke, auch ein Sportartikelanbieter kann ein Frequenzbringer sein. Mich stimmt die Aussage des Investors positiv, dass das Forettle-Center zu 99,9 Prozent kommt“. 

Ernst Holy (KI): „Die Gesprächsrunde war nicht von großer Euphorie geprägt. Das vorgestellte Konzept enthält keinen Elektronikmarkt, die KI bedauert das sehr“. 

Bernhard Pohl (FW): „Für mich ist mit dem Wegbleiben des Elektronikmarkts die Grundlage des Projekts entzogen, übrigens auch im Rückblick auf den Bürgerentscheid“. 

Catrin Riedl (SPD): „Dass der Bauantrag noch nicht konkret vorgestellt wurde, war schon enttäuschend. Jetzt muss man weiter Geduld aufbringen. Auch wenn der Durchführungsvertrag enge Grenzen steckt, bin ich mir weiterhin nicht so sicher ob mit einem Sportfachmarkt als Ankermieter nicht Schaden für die Altstadt entsteht. 

Angelika Zajicek (FDP): „Nicht abtun würde ich die Normenkontrollklage, auch wenn der Investor sich zu 99,9 Prozent sicher ist, dass das Projekt verwirklicht werden kann“. 

Oliver Schill und Ulrike Seifert (Grüne): „Man hat uns immer glauben lassen, dass die von CSU und KI beschlossenen Unterlagen ein Forettle-Center nur mit Elektronikmarkt möglich machen? Wir hoffen, dass die Verträge das halten, was versprochen wurde“. von Michaela Frisch

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