„Mord an Bord“ mit freier Theaterfassung

60 Jahre TiT

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Louise (Tine Böhm) und Mr. Smith (Mario Kämper) sehen zu, wie Dr. Agropulus (Björn Siegmund) die stark blutende Schusswunde im Bein von Simon Mostyn (Bernd Frank) verarztet.

Kaufbeuren-Neugablonz – Als Jubiläumsaufführung anlässlich seines 60-jährigen Bestehens hat das „Theater im Turm“ das Stück „Mord an Bord“ gewählt, eine sehr freie Theaterfassung des Romans „Tod auf dem Nil“ von Agatha Christie. Die Premiere fand am vergangenen Freitag im Pfarrsaal der Herz-Jesu-Kirche Neugablonz statt. Wer glaubt, die Handlung aus dem starbesetzten Film mit Peter Ustinov schon zu kennen, hat sich gründlich geirrt: Außer der groben Grundhandlung wurde das Meiste geändert, vor allem die Namen der Personen, ebenso ihre sich im Laufe der Handlung zeigenden verborgenen Beziehungen untereinander und ihre Motive.

Zwar gibt es mit Lady Kay Mostyn (hübsch verwöhnt und hochmütig Birgit Ries-Ressel) eine reiche Erbin, die Tochter des skrupellosen Börsenmagnaten Lord Ridgeway, die während ihrer Hochzeitsreise auf dem Nil ermordet wird. Es gibt einen mittellosen Ehemann Simon Mostyn (Bernd Frank), den seine eifersüchtige Ex-Verlobte Jacqueline de Severac, genannt Jackie (Sabine Frank) ins Bein schießt.

Es gibt Louise, die schlecht behandelte Assistentin von Kay – mit streng englischem Kostüm und reizendem französischen Akzent verkörpert von Tine Böhm – und es gibt den Arzt Dr. Agropulus (mit gezwirbeltem falschen Bart Björn Siegmund), der ist jedoch kein Schweizer sondern Cyprer und sein Vater wurde von Kays Vater in den Ruin getrieben. Frau van Schuyler, eine Gesellschaftsdame, wird hier zur älteren englischen Lady Foliot-Foulkes, hinreißend würdevoll ich-bezogen und übertrieben standesbewusst dargestellt von Hannelore Böhm. Anstelle der Gesellschafterin Bowers ist Lady Foliots Begleiterin ihre Großnichte Christina Grant (reizend Lena Heel), die von ihr wie eine Sklavin behandelt wird, aber dennoch ihre Liebenswürdigkeit nicht verliert. In einer Nebenhandlung macht der angebliche Prolet „Mr. Smith“ (Mario Kämper, so lange prollig, bis er wieder ins Fach „Liebhaber“ schlüpfen darf) Christina den Hof, sehr zum Missfallen der Großtante. Und der Rechtsanwalt von Kay aus dem Film wird hier zu Kays Patenonkel Reverend Ambrose Pennefather (salbungsvoll und etwas undurchsichtig: Tom Schumann), der die Aufklärung des Fall übernehmen muss, weil Christies Meisterdetektiv Hercule Poirot im Theaterstück gar nicht vorkommt.

Trotz der aus Roman und Film eigentlich bekannten Handlung verstand es Regisseur Oliver Chmiel, eine außerordentliche Spannung aufzubauen. Es blieb fast bis der Vorhang fiel unklar, wer wirklich der Täter ist und wie der Mord begangen wurde. Zum Schluss wurden jedoch alle losen Handlungsfäden zufriedenstellend verknüpft. Alle vier Akte spielen zwar unverändert im von Bühnenbildner Hardy Hirche entworfenen Schiffs-Salon, durch die großen Panoramafenster sind jedoch immer mal ein anderes Stück Nilufer oder ein Riesen-Vollmond zu sehen.

Petra Lucke als Stewardess und Alex Schmiddunser als Chefsteward vervollständigten das aktive Ensemble auf der Bühne. Um echtes Bord-Feeling zu vermitteln, waren auch die Helfer an der Kasse, an der Garderobe, an der Erfrischungstheke und am Saaleinlass als Crew gekleidet, und die Zuschauer wurden per Schiffslautsprecher gebeten, ihre Plätze einzunehmen, da der Nildampfer „Lotus“ in wenigen Minuten ablegen würde. Nach der Premiere fand im Anna-Saal eine vereinsinterne Jubiläums-Feier statt, bei der unter anderem Mitglieder für 40- bis 60-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt werden konnten.

von Ingrid Zasche

Weitere Aufführungen:

• Pfarrsaal Herz Jesu Kirche Neugablonz: am 28. und 29. April, jeweils um 20 Uhr.

• Stadttheater Kaufbeuren: am 5., 6. 12. und 13. Mai, jeweils um 20 Uhr.

Kartenvorverkauf bei: Buchhandlung Menzel, Telefon: 08341/98244 oder Lotto Toto Engels unter Telefon 08341/2313.

Weiter Infos finden Sie auch unter www.theater-im-turm.de.

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