Show-Biz im Palm Beach Royal

Theaterverein Kaufbeuren spielt „Suite Surrender“ im Stadttheater

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Hoteldirektor Bernard S. Dunlap (Rochus Höhne) musste mit Claudias Schoßhündchen Mr. Boodles Gassi gehen...

Kaufbeuren – Nach ein paar ernsten Inszenierungen hat der Theaterverein Kaufbeuren (tk) nun ein amüsantes Stück auf die Bühne gebracht. Mit der temporeichen Screwballkomödie „Suite Surrender“, einem Feuerwerk von Pointen und Gags von Michael McKeever, hat auch wieder ein größeres Ensemble die Gelegenheit auf der Bühne zu stehen. Für die geniale Umsetzung der Ideen von Regisseur Christian Hofrichter zur Gestaltung des Bühnenbilds war vor allem Sepp Eichhorn – im 40. Jahr seiner Theatertätigkeit als Bühnenbildner, Schauspieler und Regisseur – zuständig.

Eine hübsche Auflockerung und ganz im Stil der Musikfilme der 30er und 40er Jahre sind in dieser Inszenierung immer wieder die Showgirls Mona Häring, Selina Herbschleb, Ulrike Höhne-Wachter, Janina Kunert, Nina Menke, Luisa Neumaier, Tamara Otparlik, Nicole Steves, Sophia Streichert, Stefanie Weißbeck und Carina Winhard. Sie hatten ganz unterschiedliche Nummern – niedliche Kammerkätzchen, PBLFE-Flamingos, Zeitungs-Schreiberlinge, Gypsies und Go-Go-Girls in stets anderen, attraktiven Kostümierungen (von Evelyn und Alina Ammersinn und Monika Köstner) einstudiert. Die abwechslungsreiche Licht- und Tontechnik von Bühnenmeister Ulrich Gröck tut ein Übriges, um die (mit Pause) fast drei Stunden währende Aufführung für die begeisterten Zuschauer wie im Flug vergehen zu lassen.

Das Stück scheint den zwei Hauptdarstellerinnen auf den Leib geschrieben zu sein: Die beiden großen Damen des Kaufbeurer Theaters, Monika Kugelmann und Maria F. Schweiger, verkörpern die selbstverliebten, exzentrischen Spinnefeindinnen – Stimmwunder Claudia McFadden und Leinwandstar Athena Sinclair – aufs Glaubwürdigste. Diese beiden rivalisierenden Diven sollen als Stargäste bei einer Wohltätigkeits-Gala auftreten, die Mrs. Everett R. Osgood mit den „Palm Beach Ladies für die Einheit“ im Jahr 1942 „für unsere Jungs an der Front“ im fashionablen Palm Beach Royal Hotel veranstaltet. Mrs. Osgood wird von Tanja Petraschka verkörpert (von der auch die Showgirl-Choreografie stammt), herrlich überkandidelt mit abwechselnd honigtriefender und messerscharfer Kleinmädchenstimme und ständig an etwas knabbernd. Hoteldirektor Bernard S. Dunlap soll dafür sorgen, dass sich die zwei Stars um Himmels willen nicht begegnen. Das gestaltet sich jedoch entgegen aller Planung schwierig, weil jede der beiden Damen selbstverständlich die mit Flamingos dekorierte Präsidenten-Suite beansprucht und mitsamt Sinclairs liebenswürdiger Assistentin Murphy Stephens (passend farblos und schüchtern von Andrea Esdohr gespielt) und McFaddens getretenem Assistenten Mr. Pippet (herzzerreißend dargestellt von Rupert Waldmüller) sowie dem von ihm betreuten schwanzwedelnden Plüsch-Schoßhund Mr. Boodles unverzüglich bezieht.

Verzweifelt, am Rande eines Nervenzusammenbruchs balancierend, versucht Direktor Dunlap, den Dr. Rochus Höhne mit zwerchfellerschütternder Gesichtsakrobatik spielt, das ultimative Desaster zu vermeiden, indem er die Suite nach dem jeweiligen Geschmack der Damen hektisch mehrfach umdekoriert. Die beiden Pagen Otis (Holger Jankovsky) und Francis (Alex Neumann) sind ihm dabei keine große Hilfe. Der eine ist auf Autogrammjagd, der andere entdeckt in Athenas Assistentin Murphy seine verlorene Liebe wieder. Wenigstens über das Liebesleben von Claudias Faktotum Mr. Pippet muss man sich keine Gedanken machen. Oder doch?

Darüber hinaus bahnen sich zwischenzeitlich im ganzen Hotel weitere Katastrophen an: Der Orchesterleiter schließt sich auf der Toilette ein, in der Lobby bricht ein Feuer aus, betrunkene Marinesoldaten springen von den Balkonen in den Pool und Schoßhündchen Mr. Boodles segelt über die Balkonbrüstung. Mitten in dem Tohuwabohu jagt Klatschkolumnistin Dora del Rio der Story ihres Lebens hinterher und lässt sich davon auch nicht abbringen, als die angeheiterten Soldaten sie in den Pool werfen… ein Kabinettstückchen von Kathrin Zajicek, die nicht nur im Pool sondern vorher auch immer wieder im Flügel landet.

Irgendwann tritt aber das Unvermeidliche doch ein, die beiden Erzrivalinnen stehen sich gegenüber. Sie begrüßen sich giftig-herzlich, fangen an sich Beschimpfungen an den Kopf zu werfen und gehen schließlich mit den Deko-Flamingos auf einander los, so dass alle übrigen entsetzt aus der Suite flüchten. Wird nun endgültig Blut fließen? Das müssen Sie sich schon selbst ansehen. Für die weiteren Vorstellungen am 28., 29. und 30. März gibt es noch Restkarten, und wegen der großen Nachfrage wurde für Sonntag, den 31. März eine Zusatzaufführung angesetzt.

von Ingrid Zasche

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