Theaterverein Moskitoldies überzeugt mit ihrer Inszenierung von "Honig im Kopf"

Gelungener Auftakt

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Tilda (Cäcilia Bolz) und ihr an Alzheimer erkrankter Opa Amandus (Helmut Branse) eint eine starke Bande.

Kaufbeuren – Wie ist es, wenn eine Person, die einem nahesteht an Alzheimer erkrankt? Dies konnten die Besucher der Theateraufführung von „Honig im Kopf“ des gemeinnützigen Vereins Moskitoldies selbst nachfühlen, bei der trotz trauriger Momente das Unterhaltungselement klar überwog. Die Premiere des gut besuchten Stücks am vergangenen Wochenende im Kaufbeurer Stadttheater fand durchweg positiven Anklang beim Publikum

Basierend auf dem Kinofilm „Honig im Kopf“, der erfolgreichen Tragikomödie nach Til Schweiger aus dem Jahr 2014, inszenierten die Moskitoldies unter der Regie von Andrea Klenk ein an und für sich bitteres Thema als leichtfüßiges Stück, in deren Verlauf die elfjährige Tilda (souverän verkörpert von Cäcilia Bolz) gemeinsam mit ihrem an Alzheimer erkrankten Großvater Amandus (in der liebenswert-schrulligen Interpretation von Helmut Branse) kurzerhand nach Venedig aufbricht, um den streitenden Eltern, die Amandus aus Überforderung in ein Pflegeheim geben wollen, zu entfliehen. Die beiden durchleben auf ihrer Reise eine turbulente Zeit, die die Familie näher bringt – der unberechenbaren Krankheit zum Trotz...

„Warum verändern sich Menschen?“, fragt sich Tilda zu Beginn des Stücks, zum Publikum gewandt. Ihr Opa Amandus wird zunehmend vergesslicher, stolpert verwirrt von einer Eskapade in die nächste: Da kommt es fast zu einem Wohnungsbrand, weil statt einem Kuchen ein Schuh gebacken, oder ein Schuss aus einer Pistole abgegeben wird, die dem Polizeibeamten zuvor entwendet wurde. Branse sorgt mit seinem Spiel und der fröhlichen Konsequenz, mit der er seine Umwelt durcheinanderbringt, für einige Lacher. Aber auch emotionale Szenen sind zu sehen, zum Beispiel wenn der Opa in einem klaren Moment seiner Enkelin gesteht, dass „der Tag kommen wird, wo ich nicht mehr weiß, dass du du bist“, oder Vater und Sohn in trauter Zweisamkeit beisammensitzen, sich näher kommen, und nicht zuletzt die berührende Schlussszene, musikalisch untermalt mit „Over the Rainbow“.

Das Unverständnis und der Schock, wenn der Großvater seine Enkelin nicht mehr erkennt, sind Tilda (Bolz) deutlich ins Gesicht geschrieben. Auch Amandus‘ (Branse) Verwirrtheit an diesem Punkt legt sich in Gestik und Mimik nieder. Die graduelle Verschlimmerung seines Zustandes, der Verlust seiner kognitiven Fähigkeiten (und eines Platzes in der Welt, weil man keinen Sinn mehr macht) spiegelt sich, wenn man so viel, auch im Bühnenbild wider: Die vollen Bücherregale werden – gemäß der Metapher für den Alzheimerkranken aus der Originalvorlage – immer leerer, die Bücher stapeln sich unsortiert am Boden.

Die vier Darsteller in ihren Rollen als Tilda, Amandus und den aufgebracht-hysterischen Eltern Sarah (Nicole Titze) und Niko (Tobias Klenk) nutzen den Raum der Bühne gekonnt aus (es kommt auch schon mal vor, dass dieser gesprengt wird und Tilda zum Beispiel an den Zuschauerreihen vorbeihuscht) und können mit minimalistischen Mitteln einen unterhaltsamen Abend bieten. Wer nichts allzu Tiefgründiges erwartet, wird hier also sicher nicht enttäuscht – das belegen auch die Standing Ovations am Ende der Premieren-Aufführung. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich unter www.moskitoldies.de und bei Lotto Totto Engels Karten für die Vorstellungen am 16., 20., 22. und 23. September sichern.

Von Mahi Kola

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