Am Thema Kostensteigerung kommt die Stadt Kaufbeuren im Jugendhilfe-Bereich nicht vorbei

Jugendhilfe: Wenn das liebe Geld nicht wäre

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Für die drei Kindergruppen sind die Räume ausreichend, aber für die Hortkinder und die geplante Krippengruppe braucht es am Leinauer Hang mehr Platz.

Kaufbeuren – 8,4 Millionen Euro ist die beantragte Summe für den Bereich Jugendhilfe im Haushaltsjahr 2018. Eine deutliche Steigerung zum laufenden Jahr, in dem sich das beantragte Budget um die 7,9 Millionen Euro bewegte.

So die Darstellung des Referatsleiters für Jugend und Familie, Alfred Riermeier, vor dem Jugendhilfeausschuss. Die angekündigte Steigerung stellte nicht gerade eine große Überraschung dar, vor allem wenn berücksichtigt wird, dass viele Aufwendungen sich aus Personalkosten zusammensetzen, und da ist auch im kommenden Jahr kaum mit einem Kostenrückgang zu rechnen.

Erhebliche Einsparungen dürften wohl nicht möglich sein, denn die Stadt steht durch den Gesetzgeber in vielen Fällen in der Pflicht, und in den seltensten Fällen lassen sich bestimmte Punkte einfach aussitzen. Die umfangreiche Mittelanmeldungsliste für den Haushalt 2018 fand die allgemeine Zustimmung des Ausschusses.

Riermeier machte deutlich, wie schwierig es sei, die Kostenberechnungen in diesem Bereich genau planbar zu machen. Die zu erwartenden Ausgaben hingen ab von einer veränderten Gesetzgebung und den auftretenden Fällen. Ungewiss sei auch, ob bereits laufende Vorgänge verändert werden müssten, und welchen Einfluss dies in jedem Fall auf die Kostenentwicklung hätte.

Auf dem Hintergrund des derzeitig hohen Bedarfs an psychologischem und pädagogischem Personal lassen sich tarifliche Anpassungen nach oben für 2018 voraussehen. Damit die Kosten­entwicklung nicht gänzlich aus dem Ruder gerät, wird die Abteilung in den nächsten Jahren durch die Einführung eines Finanz-Kontroll-Systems versuchen, verlässlichere Haushaltansätze abzugeben.

Von außen bleibt die kritische Fragestellung, was die individuellen Entscheidungsspielräume bestimmt. Nach Aussage des Jugendamts Kaufbeuren entscheidet bei Einzelfallhilfen ausschließlich die pädagogisch-psychologische Sachlage und der tatsächliche Bedarf. Einen Druck, die Kosten bei stationären Belegungen zu berücksichtigen, gebe es von oben nicht. Bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen orientiere sich das Jugendamt an bisherigen positiven Erfahrungen mit Trägern.

Die Qualitätssicherung sei auch durch die halbjährlichen Berichte der stationären Einrichtungen gewährleistet. Wichtig sei, dass die getroffenen Entscheidungen immer vorläufig seien. Dies bedeutet, dass Maßnahmen geändert werden, wenn die aktuelle Förderung nicht ausreichend greift, oder wenn sich die Rahmenbedingungen beim Betroffenen grundlegend ändern. Krisen, die oft sofortige Interventionen fordern, gehören zum Alltag intensiv pädagogischer Einrichtungen.

Steigender Bedarf in vielen Bereichen

Ein erhöhter Finanzbedarf entsteht nicht nur durch ambulante und stationäre Betreuung von jungen Menschen. So verwies Riermeier auf einen erhöhten Bedarf an Kindertagesstätten. Hierzu gehören Kinderkrippen, Kindergärten und Horte. Besonders gravierend werden die Kosten, wenn durch die derzeitig erhöhte Nachfrage Neu- und Umbauten erforderlich werden. Als Beispiel diente der dringend erforderliche Um- und Erweiterungsbau des städtischen Kindergartens am Leinauer Hang. Zu den drei Kindergartengruppen und einer Kinderhortgruppe für Schulkinder am Nachmittag soll jetzt noch eine Krippengruppe für 15 ganz kleine Kinder kommen.

Eine Ausweitung des Budgets für die Jugendsozialarbeit z.B. von 360.000 auf 375.000 Euro macht sich sowohl kurz- und mittelfristig bezahlt. Dies gilt auch für die berufsbezogene Jugendsozialarbeit, wo die Fördermittel von 45.000 auf 75.000 Euro ausgedehnt werden. Hier wurde auf die kommunale Einbindung im bundesweit vom Bundesministerium für Familie und Jugend durchgeführten Förderprogramm „Jugend stärken im Quartier“ (JustiQ) verwiesen.

Lohnende Mehrausgaben sind auch abzusehen für die Gründung einer Jugendberufsagentur. Dieses Kooperationsprojekt von Jobcenter und Arbeitsagentur unterstützt sozial benachteiligte Jugendliche, die ohne eine intensive Hilfe auf dem regulären Arbeitsmarkt nicht oder nur schwer vermittelbar wären.

Einen Ausbau wird es auch bei den Familienstützpunkten geben. Diese beraten Eltern bei Erziehungsfragen und vermitteln gegebenenfalls bei Bedarf an andere Einrichtungen weiter. Diese gilt auch für die Erweiterung der Koordinierenden Kinderschutzstellen, die sich mit ihren Hilfsangeboten an werdende Mütter und Familien mit Kindern bis zu drei Jahren richten.

von Peter Suska-Zerbes

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