Slapstick-Comic mit grüner Verstärkung

Kinokritik: "Thor 3 – Tag der Entscheidung"

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„Na, wer ist jetzt größer?“ Hulk alias Bruce Banner und Thor beim Smalltalk.

Das Marvel-Universum ist wieder um ein kleines Mosaik-Stückchen reicher. Seit dem 31. Oktober läuft das dritte Thor-Abenteuer in den deutschen Kinos, diesmal mit grüner Verstärkung in Gestalt des unglaublichen Hulks (Mark Ruffalo). Schon der Trailer sorgte für polarisierender Wirkung bei den Fans: zwischen saukomisch und viel zu kindisch war wirklich alles an Bemerkungen im Netz unterwegs.

Indie-Regisseur Taika Waititi kratzte das kaum, der Neuseeländer hat offensichtlich seine künstlerischen Freiheiten voll ausgenutzt und seine eigene Marvel-Sicht von Asgard und seinen menschlich fehlerhaften Göttern verfilmt. Dem Filmemacher gelang schon mit „Hunt for the Wilderpeople“ ein echter Überraschungs-Erfolg und auch sein Drehbuch zur Big Brother-Version „5 Zimmer Küche Sarg“ über Vampire bescheinigte ihm seinen quer-denkenden Kreativ-Geist.

Leichtes Comic-Drehbuch – kurz und schmerzlos

Doch wohin geht die Reise mit dieser Kombination? Auf ein komplexes Drehbuch verzichtet „Thor 3 – Tag der Entscheidung“ völlig: aus dem unermesslichen Arsenal von Asgards Göttern taucht eines Nachmittags in Norwegen plötzlich Hela (schön, kalt und eindimensional unterfordert: Cate Blanchett) auf einer kleinen Insel auf, kurz nachdem Thor (Chris Hemsworth) und der angeblich verstorbene Loki (Tom Hiddleston) ihren verschollenen Vater Odin (Anthony Hopkins) aufgespürt hatten. Schnell wird klar: Das Kräftemessen geht Hammer-mäßig in die Hose und den zwei Brüdern bleibt nur die Flucht, die natürlich gründlich schief geht. Thor und sein launischer Bruder landen auf einem fortschrittlichen Schrottplaneten, der als Hauptattraktion wilde Bestien im Stil der Gladiatoren-Kämpfe des alten Roms aufeinander hetzt.

Warum da plötzlich Hulk als Gegner auftaucht? – Hier hilft nur gute alte Comic-Argumentation: alles ist möglich. Das gilt auch für die kommenden Logik-Löcher des Films. Nicht so schlimm. Selbstverständlich unterdrückt unterdessen die verlorene Odin-Tochter Hela alle Bewohner Asgards und weckt nebenbei ihren Lieblingswolf (der „Kleine“ erinnert an die „Unendliche Geschichte“) und eine Zombie-Armee von den Toten auf. Irgendwie endet alles im finalen Götter-Showdown, der sogar eine kleine Überraschung parat hat.

Humor am Fließband – auch unter der Gürtellinie

Damit der schöne Plot nicht schon nach 23 Minuten endet, füllt Waititi alles mit Witzen, netten Wortspielereien und Slapstick-Einlagen à la „der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ auf und lässt Chris Hemsworth (kommt gar nicht gut weg) in sehr viele Fettnäpfchen treten. Geschmacklich ist leider auch viel altes Fett dabei – da zündet nicht jeder Gag, trotzdem bietet dieser Marvel-Klamauk genug Unterhaltung für die breite Masse. Sprüche klopfende Marvel-Helden, viel futuristisches Science-Fiction und gute Mucke, da denkt man unwillkürlich an die beiden „Guardians of the Galaxy“-Teile, doch das sind sie einfach nicht.

Eines ist sicher: nicht jeder Fan wird sich über den neuen Thor-Streich freuen, am wenigsten die Marvel-Fans, die das große Ganze im Auge behalten möchten, denn jeglicher zusammenhängende Stil (Teil 2: mega-düster – Teil 3: peinlich-witzig) wurde über Bord geworfen. Der Neuseeländer vergisst einfach oder ignoriert das grundlegende Wesen und das Erfolgsrezept von Marvel. Er erdichtet seine eigene Version, die man den Figuren nicht abnimmt.

Ein Lichtblick am Götter-Himmel ist vielleicht noch Jeff Goldblum als Grandmaster der Kampf-Arena – seine Exzentrik und Überheblichkeit passen genau zu den überragenden Fähigkeiten des Schauspielers. An zweiter Stelle rangiert das Steinwesen Korg, hier trumpft der Regisseur selbst als Motion-Capture-Darsteller auf. Trocken und lakonisch sitzt fast jeder Witz. Schade, dass die anderen leer ausgehen. Der Technik kann man keinen Vorwurf machen, Effekte und Action sind erste Sahne, aber die Seele des Films hat wohl Schabernack-Gott Loki nach zehn Minuten schon versteckt.

Leider kann man bei „Thor: Ragnarok“ nicht von einem Hammer-Film sprechen, der geht schon frühzeitig kaputt.

von Michael Denks

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