Hilfe ist jedermanns Pflicht

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Sie scheint ungewöhnlich schüchtern. Taut Fundkatze Johanna erst einmal auf, kann sie auch in ein neues Zuhause vermittelt werden.

Marktoberdorf – Kein Glück für die dreifarbige Glückskatze Johanna. Wie berichtet, wurde sie am 4. Dezember traumatisiert auf einer Straße im Ostallgäu aufgefunden und nach der tierärztlichen Versorgung als Fundtier ins Tierheim Marktoberdorf gebracht. Ihr Besitzer hat sich auch nach mehr als vier Wochen nicht gemeldet, wie Heinz Krämer, der Vorsitzende des Tierschutzvereins bedauernd mitteilt.

Johanna ist mittlerweile von der Quarantänestation ins Katzenhaus umgezogen, so richtig aufgetaut ist die schöne Katzendame aber noch nicht. Meist hockt sie scheu und ängstlich am Boden. Insgesamt 180 Tage, also rund ein halbes Jahr hat der Besitzer Zeit, sein Eigentum mit allen Rechten und Pflichten geltend zu machen. Krämer glaubt nicht mehr so recht daran, dass das im Falle von Johanna passieren wird.

Aufgefunden wurde die Drei-Farben-Katze von Herbert Stölzle, so heißt es in der Fundtieranzeige, die dem Tierheim vorliegt. Mehrfach hat Krämer versucht, mit dem Finder Kontakt aufzunehmen, doch vergeblich. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Brigitte Zellner wirft Stölzle dem Tierheim nämlich vor, sie bei der Erstbetreuung der Katze alleine gelassen zu haben (wir berichteten). Nachdem sie das quasi leblose Tier auf einer Kreisstraße aufgegriffen hatten, war das Paar zum Tierheim gefahren.

„Wir haben rund 20 Minuten vor verschlossener Tür gewartet“, beginnt Brigitte Zellner ihren Beschwerdebrief. Dann schickte die Tierheimleiterin Daniela Vollner das Paar mit der mutmaßlich schwer verletzten Katze zur nahe gelegenen Tierklinik. „Wer nicht öffnet, sich keinen Überblick über die Situation verschafft, keine Hilfe anbietet oder weiteres Leid des Tieres zu vermeiden versucht, macht sich als Tierheimleitung unglaubwürdig“, resümiert Zellner. 

Mit ihren Vorwürfen wandte sich die Kaufbeurerin allerdings nicht an das Tierheim oder den Tierschutzverein direkt, sondern an die Presse und den Markt­oberdorfer Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Der weist auf die Zuständigkeiten hin: „Es ist tatsächlich so, dass nur ein Tierarzt in der Lage war, das verletzte Tier adäquat zu versorgen. Ein Tierheim hat die Aufgabe, Fundtiere zu betreuen“, so Hell. „Der Tierschutzverein Marktoberdorf und Umgebung e.V. zeichnet sich seit Jahren durch sein sehr großes Engagement in der Versorgung der Fundtiere aus“, heißt es weiter aus dem Rathaus.

Brigitte Zellner ist noch immer erbost, an genanntem Abend keine Unterstützung durch das Tierheim erhalten zu haben: „Es ist immerhin jedermanns Pflicht, einem verletzten Tier zu helfen.“ Heinz Krämer würde die Sache gerne mit den Findern klären. Und er hofft, dass Johanna in ein neues, ruhige Zuhause vermittelt werden kann.

von Angelika Hirschberg

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