Tierisch musikalisch

„Kinderklassik“ präsentiert Camille St. Saëns‘ „Karneval der Tiere“

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Während der Erzähler Peter Pruchniewitz (stehend rechts) die kurzen Sprechtexte von Peter Stangel zwischen den Liedern vorträgt, haben die neun Musiker von der „taschenphilharmonie“ Pause.

Kaufbeuren – Mucksmäuschenstill waren die Kinder der dritten Grundschulklassen, die am vergangenen Freitag im Rahmen des Projekts „Kinderklassik“ zur Schulvorstellung von Camille St. Saëns‘ „Karneval der Tiere“ ins Kaufbeurer Stadttheater gekommen waren. Die Acht- bis Zehnjährigen waren bestens vorbereitet, nicht nur im schulischen Musikunterricht, sondern auch durch Peter Stangels Buch „Was macht das Horn im Wald“, worin Musikinstrumente kindgerecht vorgestellt werden.

„Ich weiß schon alle Stücke“, meinte Carlotta (neun Jahre) aus der Konradin-Grundschule stolz und zählte sie fehlerfrei nebst den darin vorkommenden Tieren auf. Eingangs hatte Susanne Jehl von der Bürgerstiftung die Kinder aufgefordert, während der Stücke schön leise zu sein. Danach dürften sie aber fest klatschen und auch mal „Bravo“ rufen. Das taten die Kinder voller Enthusiasmus. Jedes der von den „taschenphilharmonie“-Musikern vorgetragenen Stücke wurde mit einem Riesenapplaus, Johlen und Bravo­rufen quittiert. Und die kurzen, leicht verständlichen und lustigen Sprechtexte zwischen den Liedern von Peter Stangel, welche die jeweiligen Tiere ankündigten und von Erzähler Peter Pruchniewitz vorgetragen wurden, ernteten ebenfalls manches Gelächter. Pruchniewitz war für den erkrankten Peter Stangel eingesprungen, am Dirigentenpult wurde Stangel von Miriam Haupt vertreten.

Der französische Komponist Camille Saint-Saëns hatte den ‚Karneval‘ im Fasching 1886 geschrieben. In einigen der Stücke parodierte er Komponisten-Kollegen. In Stangels zu diesen Melodien erdachten Geschichten feiern die Tiere einmal im Jahr Karneval – an einem geheimen Ort, den die Menschen nicht kennen. Sie verkleiden sich und führen Kunststücke vor: Zunächst marschiert majestätisch der Ehrengast ein, der König der Löwen. Dann rasen Hühner und Hähne auf Rollschuhen in die Arena und jonglieren mit Eiern, wobei kein einziges zerbricht. Ihr wildes Durcheinandergackern ist deutlich aus dem Spiel der ersten Geige herauszuhören. Nach ihnen galoppiert eine Herde schwarzer Ponys mit flatternden Mähnen im Kreis um die Arena. Ihnen galoppieren die Hände des Pianisten auf der Tastatur des Flügels vorneweg. Schildkröten tanzen den berühmten „Cancan“ von Jacques Offenbach, nur eben nach Schildkrötenart sehr, sehr, sehr langsam, und ebenso langsam und getragen spielt das Orchester. Das Elefantenpaar „Ginger und Fred“ tanzt einen Wiener Walzer zum „Elfentanz“ von Hector Berlioz und zu einem Scherzo aus dem „Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Diese Weisen werden statt von Diskant-Instrumenten vom Kontrabass intoniert. Es folgen ein Sackhüpf-Wettbewerb von Kängurus und ein poetisch langsam geschwommenes Wasserballett von farbenfrohen Aquariumsfischen. Die perlenden Läufe auf dem Flügel erzeugen die Illusion von sich sanft bewegendem Wasser und aufsteigenden Luftblasen. Danach singen 20 Esel mit Noten in den Vorderhufen im Chor ein altes eselisches Volkslied, das im Wesentlichen aus „Ihh-Ahhs“ von Violine und Bratsche besteht. Nachdem der im Publikum sitzende, geräuschvoll Popcorn knabbernde Hamster durch das von der Schlange gezischte „Pssssst“ zur Ruhe gebracht wurde, begleitet ein Kater einen Kuckuck am Klavier. Dabei kommt für die Kuckucksrufe die Klarinette zum Zuge. Es folgt die Flugschau von 124 Schwalben, die kunstvolle Figuren fliegen. Dazu intoniert die Querflöte fröhliches Vogelgezwitscher. Danach treten zwei junge Pinguine, die den Wettbewerb „Tiere musizieren“ gewonnen haben, als Pianisten auf, sowie das Dino-Quartett, welches „seit vier Millionen Jahren“ auf den eigenen Knochen musiziert. Diese Vorstellung wird vom Xylophon perfekt vermittelt.

Höhepunkt vor dem Finale ist der Schwan, der mit seiner Darbietung durch die Töne des Cellos die Geschichte von einer Jungfrau namens Elsa und ihrem Ritter erzählt. Im großen Finale haben fast alle der präsentierten Tiere noch einmal einen kurzen Auftritt.

Drei Kinder in der ersten Reihe waren dermaßen begeistert, dass sie das große Finale mitdirigierten. Insgesamt darf aufgrund des frenetischen Beifalls vermutet werden, dass hier das Ziel der Bürgerstiftung erreicht wurde – den Kindern „ein tolles Erlebnis im Stadttheater“ zu vermitteln.

von Ingrid Zasche

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