Ein tierischer Nachmittag im Pflegeheim

Der kleine Chihuahua zaubert ein glückliches Lächeln auf das Gesicht der im Bett liegenden Dame im Beisein von Pflegerin Sarah Pöschl und Josef Schill. Foto: Becker

Als Besucher des neuen Pflegewohnheimes der Bezirksklinik Schwaben in Kaufbeuren reibt man sich an diesem Nachmittag verwundert die Augen: Wie in einer Wohngemeinschaft tummeln sich im Innenhof jede Menge Tiere zwischen den zum Kaffee versammelten Bewohnern. Hintergrund ist ein von Heimleitung und Pflegepersonal initiierter Aktionsnachmittag mit dem in Altusried ansässigen Tierbesuchsdienst, der mit Therapieimpulsen durch Tiere das Wohlbefinden der Heimbewohner steigern soll. Die nachhaltige Wirkung dieser Abwechslung ist sowohl an den glücklichen Gesichtern als auch am Verhalten der Menschen deutlich zu erkennen.

Therapien mit Tieren sind nicht neu und es ist heute wissenschaftlich belegt, dass sich Tierkontakte positiv auf die Lebensqualität von Menschen mit psychologischen Erkrankungen auswirken. Und die Bewohner des psychiatrisch-therapeutischen Heimes haben neben ihrer seelischen Erkrankung häufig zusätzliche körperliche Einschränkungen und bedürfen besonderer Zuwendung. Daher ist auch ein höherer Fachkräfteanteil als in anderen Pflegebereichen erforderlich. Viele Mitarbeiter sind an diesem Nachmittag in ihrer Freizeit zusätzlich gekommen. Und für alle ist das Lächeln und die Freude der Bewohner Lohn genug. Erfolge deutlich sichtbar Kleine Kunststücke der Tiere wie durch Zwergschwein „Pigsie“ sorgen für allgemeine Heiterkeit. Doch erst der individuelle und intensive Kontakt mit den einzelnen Tieren hat unmittelbare Auswirkungen auf die erkrankten Menschen. Während eine Frau strahlend die ihr hingehaltene Gans streichelt, sind andere mit einem der Hunde oder dem Pony „Duplo“ beschäftigt. „Wir wollen die Teilhabe am Leben verstärken und verschüttete Dinge wieder zum Leben erwecken“, so Achim Crede. Das dies gelingt, wird unmittelbar sichtbar. Ein im Rollstuhl sitzender Mann legt seine Aggressivität beim Streicheln eines Hundes völlig ab und wird ruhig. Eine Bewohnerin hat mit dem ihr ans Bett gelegten Hund plötzlich wieder gesprochen – sie hatte sich völlig abgekapselt. Und Therese S. erzählt, dass sie sich schon lange auf diesen Tag gefreut hat, der sie an ihren eigenen Hof mit über 400 Hühnern und 100 Schweinen und Schafen erinnert. Das Team von Elfi Schill kümmert sich äußerst liebevoll um die Heimbewohner. „Ich lege Wert darauf, dass wir unsere Tiere nicht benutzen, sondern als Freunde betrachten“, so Elfi Schill, die in ihrer Tätigkeit als Fachberaterin für tiergestützte Pädagogik und Therapie als Berufung sieht. Mit den sozialisierten Tieren wolle man die Kommunikation bei den Menschen anregen und „neue physische, soziale und emotionale Kompetenzen erlangen und festigen“.

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