Kein Platz für Tiere? 

Totes Schaf auf Kaufbeurer Weihnachtsmarkt heizt die Diskussion um "lebendige Krippe" an

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Ein totes Schaf in der lebenden Krippe auf dem Kaufbeurer Weihnachtsmarkt erhitzt aktuell die Gemüter.

Kaufbeuren - Ein totes Schaf und viel vorweihnachtliche Aufregung. Denn besagtes Schaf verstarb vergangenen Freitag just auf dem Weihnachtsmarkt in Kaufbeuren, wo es neben anderen Mutterschafen und ihren Lämmern Teil der lebenden Krippe war. Eine Besucherin entdeckte das tote Tier in seinem Gehege auf dem Kirchplatz. Seitdem ist in der Stadt und insbesondere in den sozialen Netzwerken eine Diskussion darüber entfacht, ob lebendige Tiere auf Weihnachtsmärkten überhaupt zur Schau gestellt werden dürfen.

Viele Bürger sehen das kritisch. Auch die Tierrechtsorganisation PETA appellierte jüngst an die Veranstalter verschiedener Weihnachtsmärkte, wie beispielsweise auch an jenen in Marktoberdorf, keine Tiere mehr in der lebenden Krippe auszustellen. „Dass Tiere zu Unterhaltungszwecken ausgenutzt werden, ist nicht mit dem ‚Fest der Liebe’ vereinbar“, sagt Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. Die Tierrechtsorganisation verweist auf das Tierschutzgesetz, nach dem Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten und versorgt werden müssen. Auf einem Weihnachtsmarkt sei dies nicht möglich, da sie unweigerlich dem Lärm und Trubel der Besuchermassen sowie mitunter lauter Musik und verschiedenen Lichtern ausgesetzt seien. PETA mahnt darüber hinaus, dass die sensiblen Tiere aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen, von ihren Herden getrennt und mit artfremden Tieren in ein Gehege gesperrt seien.

Seit wenigen Jahren gehört die lebende Krippe zur Attraktion auf dem Weihnachtsmarkt in Marktoberdorf. Tierschützer stellen die Zurschaustellung der Tiere infrage.

Das Veterinäramt am Landratsamt Ostallgäu, das am Freitag auch die lebende Krippe in Kaufbeuren kontrolliert hatte, sagte gegenüber dem Kreisbote, dass die Haltungsbedingungen für Schafe den Anforderungen des Tierschutzes entsprechen. Auch sei der Schafhalter, der seine Schafe seit mehreren Jahren dem Weihnachtsmarkt zur Verfügung stellt, der Veterinärbehörde als zuverlässig bekannt.

Auch Stephanie Bittner vom Kaufbeurer Stadtmarketing, dem Veranstalter des Weihnachtsmarktes, zeigt sich betroffen: „Es tut uns sehr leid, dass das Schaf verstorben ist. Das Wohl der Tiere auf dem Markt liegt uns sehr am Herzen und wir tun alles, damit es ihnen gut geht." Leider sei es nicht mehr möglich, die Todesursache des verstorbenen Schafes zu ermitteln, hieß es vonseiten des Veranstalters. Da das Tier keine äußerlichen Verletzungen gehabt habe, gehe man davon aus, dass sein Tod nichts mit dem Aufenthalt auf dem Markt zu tun gehabt habe. "Das Schaf hätte wohl auch an einem anderen Ort zum gleichen Zeitpunkt sterben können", so Bittner bedauernd.

Bestehen tatsächlich ernst zu nehmende Gefahren für Tiere auf dem Weihnachtsmarkt? PETA sagt ja und nennt als Beispiel unbedachte Besucher, die die Tiere mit ungeeigneter Nahrung wie Lebkuchen oder Waffeln füttern, was zu gesundheitlichen Problemen, schlimmstenfalls zum Tod führen könne. Außerdem bestünde die Gefahr, dass Tiere ausbrechen oder dass sich Unbefugte Zutritt zu der Unterkunft beschaffen und die Krippentiere quälen.

Dem widerspricht das Kaufbeurer Stadtmarketing und verweist auf den eingerichteten Wachdienst, der jede Nacht dauerhaft auf dem Weihnachtsmarkt vor Ort sei. Außerdem habe sich auch der Schafhalter und Züchter mit der Betreuung, Unterbringung und Behandlung seiner Tiere auf dem Weihnachtsmarkt stets zufrieden gezeigt. "Wäre es anders, würde er uns keine Schafe geben." 

von Angelika Hirschberg

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