Kein Besucherboom in Sicht?

Tourismus- und Stadtmarketing Kaufbeuren zeigt sich in Corona-Zeiten gelassen

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Die Tourist Information in der Kaufbeurer Kaiser-Max-Straße bietet den Gästen der Stadt Beratung, Stadtführungen, Prospekte und Karten über Kaufbeuren und das Allgäu an.

Kaufbeuren – Der Sommer steht vor der Tür, eigentlich höchste Zeit für Urlaubsplanungen. Aber in diesem Jahr ist eben nichts wie früher – nicht für die Urlauber, aber auch nicht für die Reiseveranstalter, die Hotels und die Restaurants. Das ist besonders problematisch für Urlaubsregionen wie das Allgäu.

Wie sich hier die Dinge weiter entwickeln werden, lässt sich derzeit schlecht absehen. Was allerdings die Stadt Kaufbeuren betrifft, zeigte sich Ulf Jäkel, Erster Vorsitzender des Kaufbeuren Tourismus- und Stadtmarketing e.V., im Gespräch mit dem Kreisbote gelassen bis optimistisch.

Ulf Jäkel ist ein umtriebiger Mensch. Beruflich als Steuerberater, Rechtsbeistand und Vereidigter Buchprüfer tätig, ist er seit Jahrzehnten im öffentlichen Leben der Stadt, aber auch weit über die Region hinaus aktiv. So war er Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes und des Eissportvereins Kaufbeuren, Mitbegründer des Verkehrsvereins Kaufbeuren und heute Erster Vorsitzender des Kaufbeuren Tourismus- und Stadtmarketing sowie Sprecher des Wirtschaftsbeirates Kaufbeuren. Jäkel ist mithin hervorragend vernetzt und auch durch seine berufliche Tätigkeit bestens über die Situation in der Stadt und im Umland informiert.

Da wirkt es schon beruhigend und aufbauend, wenn er die Einschätzung des Wirtschaftsbeirates Kaufbeurens wiederholt, die dieser kürzlich als Fazit seiner Sitzung abgab: „Die Kaufbeurer Wirtschaft zeigt sich robust in Corona-Zeiten. Allerdings“, so Jäkels Bemerkung dazu, „gilt es hier zu differenzieren. Einige Branchen haben schon schwer zu kämpfen, speziell im Bereich des Tourismus. Das betrifft insbesondere die Restaurants und die Hotellerie. Dort mussten Einbußen hingenommen werden, die auszugleichen schwierig sein wird.“

„Die Menschen sind verunsichert“

Vielleicht hilft da ein Boom von deutschen Touristen, die statt in den Süden zu reisen, im Inland Urlaub machen? Davon ist ja jetzt mit zunehmender Lockerung der Corona- Maßnahmen häufig die Rede. Aber hier zeigt Jäkel keine Euphorie. „Ich glaube nicht, dass es zu einer großen Reisewelle in unsere Region kommt“, schätzt er ein. „Die Menschen sind verunsichert, und viele werden im Urlaub zu Hause bleiben. Zudem gelten ja für die Restaurants strikte Abstandsregeln, und auch die Hotels sind damit nicht in der Lage, ihre vollen Kapazitäten anzubieten. Eine drohende Überlastung sehe ich dennoch nicht. Wir sollten froh sein, wenn wir die Umsätze des vergangenen Sommers wieder erreichen könnten.“

Für den Tourismus in der Region hingegen lassen sich nach Jäkels Einschätzung sehr wohl Veränderungen erwarten. „Die Tagestouristen, insbesondere die Besucher der Schlösser in Schwangau aus China und den USA, werden vorerst ausbleiben. Das ist klar. Aber vielleicht bedeutet das keinen gar so großen Verlust. Sie tragen schließlich zu den Umsätzen der Hotels und Restaurants nicht proportional ihrer Anzahl bei – einfach weil sie sich nur kurz dort aufhalten und schnell weiter reisen. Hier wird man sehen, wie sich die neuen Verhältnisse auswirken. Jedenfalls ist wohl weniger Hektik zu erwarten.“

Auf Kaufbeuren dürfte das allerdings nach Jäkels Meinung kaum Auswirkungen haben. „Wir zählen im Jahresdurchschnitt 80.000 bis 90.000 Übernachtungen und 270.000 Tages­touristen“, informiert er. „Diesen Besuchern gilt es nach wie vor einen interessanten Aufenthalt zu bereiten. Und das wird nicht leicht, da bis mindestens Ende August alle Großveranstaltungen entfallen.“

Eine Ausnahme bietet hier das Projekt des Kino- und Kulturfestivals in Strukturen des Autokinos. Dafür sind vom 9. bis 18. Juli insgesamt neun Veranstaltungsabende vorgesehen (wir berichteten). „Das geht, weil die Leute halt in ihren Autos bleiben“, erläutert Jäkel. „Wir wollen damit auch Künstlern, der Theater- und der Veranstaltungsbranche helfen und wieder ein kulturelles Live-Angebot schaffen. Aber die Idee ist natürlich kaum auf andere Bereiche übertragbar. Leider.“

Erfahrungen sammeln

In jedem Fall wird dieses Projekt aber auch für neue Erfahrungen bei der Arbeit des Kaufbeuren Tourismus- und Stadtmarketing sorgen. Denn nach Ausscheiden der bisherigen Geschäftsführerin Verena Ridder soll dieser Posten nicht wieder besetzt werden. „Wir denken, dass wir als Verein es gerade jetzt, bei all den Einschränkungen, ohne Weiteres schaffen, die anstehenden Aufgaben ohne eine fest angestellte Geschäftsleitung zu stemmen“, meint Jäkel. „Das Festival auf dem Tänzelfestplatz etwa organisieren wir projektbezogen mithilfe der Marketingagentur Claus Tenambergen. So wollen wir örtliche Unternehmen, etwa die der Gastronomie, sowie das Kino unterstützen.“

Allerdings hofft Jäkel auch, dass die Kaufbeurer Gewerbetreibenden die Corona-Pause genutzt haben, um ihre Geschäftsmodelle zu überdenken und, wo nötig, nachzuschärfen. „Wir verfolgen seit jeher das Ziel, die Innenstadt zu beleben“, erklärt er. „Das wird in dem sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abschwung noch schwieriger, und ich schließe nicht aus, dass die Leerstände hier noch zunehmen werden. Deshalb werden wir vom Kaufbeuren Tourismus- und Stadtmarketing gemeinsam mit Bilgi Dikkaya-Kaufmann, der städtischen Citymanagerin, das Leerstands-Management intensivieren. Und ich hoffe natürlich auch darauf, dass die Kaufbeurer verstärkt in ihrer Stadt einkaufen und damit die örtlichen Händler unterstützen.“

Ingo Busch

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