"Tradition attraktiv gestalten"

„Unsere Aufgabe ist es, die Tradition zu bewahren und sie attraktiv zu gestalten”, hat Bürgermeister Lars Leveringhaus bei der offiziellen Eröffnung des Freischießenens am Freitagabend auf dem Marktplatz betont. Sein besonderes Lob galt den ehrenamtlichen Helfern der Schützenvereine für die Organisation. Noch bis zum Sonntag heißt es wieder „Gut Schuss”.

„Das ist die turbulenteste Woche im Jahreskalender der Marktgemeinde”, weiß Leveringhaus aus Erfahrung. Rund um das Freischießen ist auch in diesem Jahr jede Menge Programm geboten. Bereits zur Eröffnung auf dem Marktplatz am Freitagabend sorgte die Gemeinde für ausgelassene Stimmung bei den anwesenden Gästen, indem sie drei Fass Bier stiftete. Neben den Einwohnern von Obergünzburg kamen auch Gäste aus den Partnerstädten sowie zahlreiche politische Vertreter zum Fest. Umrahmt vom kräftigen Knallen der Böllerschützen der Feuerschützengesellschaft begann das Großereignis. Ein älterer Mann wurde von einem Schuss verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Währenddessen nahm die Feier den geplanten Verlauf. Die Bauarbeiten vor der St. Martinskirche sind fast abgeschlossen und so bildete der Platz zwischen der Kirche und dem Pflegerschloss eine stimmungsvolle Kulisse, zunächst für die Reden und dann für das Historienspiel. Historischer Hintergrund Im Jahr 1535, zehn Jahre nach dem Bauernkrieg, kam ein neuer Fürstabt an die Macht. Wolfgang von Grünenstein regierte mit Weitsicht und ließ die Bauern wieder bewaffnen. Damit die Bauern auch üben, um mit den Waffen richtig umzugehen, stiftete der Fürstabt das Freischießen, bei dem es für die damalige Zeit viele Gulden zu gewinnen gab. Auch heute noch erhalten die besten Schützen attraktive Preise. Noch bis zum Wochenende können die Hobbyschützen in den Vereinsheimen der Guntia und der Feuerschützengesellschaft ihr Können unter Beweis stellen. Die Siegerehrung findet am kommenden Sonntag, 6. September, statt. Beim Anschießen am vergangenen Wochenende gab es eine Premiere: Erstmals einigten sich die beiden ausrichtenden Vereine auf ein gemeinsames Anschießen, was von allen Seiten sehr gelobt wurde. Sowohl Hans Hafner, stellvertretender Bezirksschützenmeister, als auch die Landtagsabgeordnete Angelika Schorer (CSU) befürworteten die enge Zusammenarbeit der Vereine. „Das Traditionsbewusstsein spielt in Obergünzburg eine besondere Rolle. Alle stehen dahinter”, unterstrich Schorer. Sehenswerter Höhepunkt war der glanzvolle Festumzug am Sonntagnachmittag bei strahlendem Sonnenschein mit 61 Gruppen und insgesamt rund 1800 Teilnehmern. „Der Umzug, für den die Guntia Schützen mit Unterstützung der Feuerschützengesellschaft die Verantwortung tragen, gehört zu den bedeutendsten Umzügen im Gau Schwaben”, hob Bürgermeister Leveringhaus hervor. Sechs Schützenkönige Mit etwas Verspätung zogen die Festgruppen am Sonntag durch das Zentrum der Marktgemeinde. Mit 61 Gruppen, genauso viele wie im vergangenen Jahr, erstreckte sich der Umzug über eine beachtliche Länge. Einige Schützenvereine hatten die Musikkapellen aus ihren Orten gleich mitgebracht, die für den richtigen Takt im Zug sorgten. Eine Besonderheit war in diesem Jahr der Schützenverein Alpenrose aus Engetried, der mit sechs Schützenkönigen anreiste. Der Verein hat intern seinen Schützenkönig sowie einen Pistolen-Schützenkönig und einen Jugendschützenkönig. Des Weiteren stellt der Schützenverein Engetried den Gaukönig, die Gau-Damenkönigin und den Gaujugendkönig. Mit der Königskette als Zeichen der Würde unter wundervoll geschmückten Blumenkränzen schritten die vielen Schützenkönige stolz dahin. Das Rahmenprogramm des Freischießens auf der Rösslewiese mit kleinem Vergnügungspark und großem Festzelt bot bereits jede Menge Unterhaltung für jung und alt. Nach längerer Pause geht das lustige Treiben wieder über zwei Wochenenden. Am heutigen Mittwochabend, 2. September, spielt ab 20 Uhr im Zelt die Gruppe „Alpenmafia”. Die „Jetzendorfer Hinterhofmusikanten” sorgen am kommenden Freitag, 4. September, ab 20 Uhr für Stimmung. Mit den „Schwindligen 15” geht es am Samstag, 5. September, ab 20 Uhr zum großen Finale, das um 22.15 Uhr mit einem Feuerwerk gekrönt wird. Zum Ausklang des diesjährigen Freischießens findet am Sonntag, 6. September, um 10 Uhr ein Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Mitglieder des Blasorchesters und des Schützenvereins Guntia statt.

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