Mit Tradition in die Zukunft

Neue Leitung der Kolping Akademie Kaufbeuren

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Kerstin Kotter ist bereit in der christlichen Tradition des Gründers, Adolph Kolping, auch neue Wege als Leiterin zu gehen.

Kaufbeuren – Das Personal-Karussell steht auch bei der Kolping Akademie nicht still: Während Anfang des Jahres der ehemalige Leiter der Kaufbeurer Akademie, Gerd Kirsch, die gleiche Stelle in Memmingen besetzte, rückte die bisher als stellvertretende Leitung arbeitende Kerstin Kotter in Kaufbeuren auf diese Leitungsposition vor.

Für die 41-Jährige und zweifache Mutter sicherlich eine anspruchsvolle berufliche Herausforderung. Da die Kolping Akademie unter anderem auch bei der Betreuung von minderjährigen Flüchtlingen ein unersetzlicher Partner für die Jugendhilfe der Stadt ist, hatte Kotter jüngst die Möglichkeit vor dem Jugendhilfeausschuss ihre Aufgabenfelder darzustellen.

Kotter ist Leiterin der Kolping Akademie Kaufbeuren, Ober- und Ostallgäu. Die Wertachstadt ist zwar der Hauptstandort, aber selbstbewusst nennt sie auch nicht unbedeutende Nebenstandorte wie Kempten, Sonthofen, Füssen und Markt­oberdorf. 140 fest angestellte Mitarbeiter, davon zwei Drittel vor Ort, und 60 Freiberufler geben eine Vorstellung von der Größenordnung. Ihr ist durchaus bewusst, wie einiges in den vier bestehenden Bereichen im Umbruch ist.

Breites Angebot

Da ist zunächst das große Feld der Jugendberufshilfe. Oft fehlt es den Jugendlichen ja an den notwendigen schulischen Abschlüssen, um eine Ausbildung zu machen. Junge Menschen in der achten und neunten Klasse erhalten deshalb konkrete Angebote, um die notwendige Qualifikation nachzuholen und einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden. Lehrlinge, die einen besonderen Förderungsbedarf haben, können in einer der zehn Werkstätten ihre Ausbildung machen. In einer Woche zur Berufsorientierung können sich auch Schüler dort einen Eindruck über verschiedene Berufsfelder gewinnen.

Ein starker Partner ist die Akademie auch in der Erwachsenenbildung. Im kaufmännischen, gewerblichen und sozialen Bereich bietet sie eine breite Angebotspalette von Möglichkeiten zur Ausbildung, Umschulung und Weiterbildung. Eine wichtige Aufgabe übernahm dieser christlich orientierte Träger auch bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Derzeit werden beispielsweise 109 Unterrichtsstunden Deutsch am Tag angeboten. Hinzu kommen Maßnahmen zur Alphabetisierung und zur beruflichen Integration.

Nicht zuletzt kommt der Schwerpunkt Jugendhilfe. Erwähnenswert das Schülerwohnheim, in dem jugendliche Teilnehmer wohnen; diese besuchen Berufsvorbereitungs- oder Ausbildungsprogramme sowie Blockunterricht für unterschiedlichste Handwerksberufe wohnen. Daneben gibt es Wohngruppen für unbegleitete Jugendliche mit einem umfassenden Integrationsangebot.

Christlich-traditionelles Leitbild

In getreuer Nachfolge des Gründers Adolph Kolping steht auch für Kotter als christlich orientierte Gläubige der Mensch als Ganzes im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit. Groß ließ sie sich Kolpings Leitspruch an die Wand ihres Arbeitszimmers in Kaufbeuren schreiben: „Menschen verstehen, begleiten, fördern, und bilden.“

Für die Zukunft hat sie auch eigene Träume: Da Sprache allein bei der Integration nicht genügt, will sie Verbesserungen und Ausweitungen im Flüchtlingsbereich einführen. Aber ihr Herz schlägt auch für die Inklusion von Behinderten, ein Bereich, den sie in ihrer Einrichtung noch nicht ausreichend ausgeschöpft sieht. Aber als Leiterin verfolgt sie mit etwas betriebswirtschaftlicher Besorgnis die Entwicklung bei öffentlich geförderten Maßnahmen. „Es wäre wünschenswert, wenn unsere Arbeit so finanziert wäre, dass nicht jeder Ausfall und jedes Extrem auf eigene Kosten realisiert werden müsste.“

von Peter Suska-Zerbes

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