Traditionsbäckerei am Ende

Bäckerei Posselt in Neugablonz geschlossen – Hoffnung bleibt

Leere Fenster: Die Traditionsbäckerei Posselt in Neugablonz musste Insolvenz anmelden und hat das Hauptgeschäft und die Filialen geschlossen.
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Leere Fenster: Die Traditionsbäckerei Posselt in Neugablonz musste Insolvenz anmelden und hat das Hauptgeschäft und die Filialen geschlossen.
  • Wolfgang Becker
    VonWolfgang Becker
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Neugablonz – Es war wohl schon seit längerem schwieriger geworden, den Bäckerei­betrieb Posselt aufrechtzuerhalten. Das Geschäft schloss am 30. September seine Pforten, nachdem Inhaber Rudolf Posselt Insolvenz angemeldet hatte. Die Traditionsbäckerei in der Sudetenstraße im Zentrum war über Jahrzehnte eine Institution für die Bewohner des Stadtteils. Und es gab neben Corona noch weitere Gründe, wie der Bäckermeister im Gespräch mit dem Kreisbote erläuterte. „Es gibt noch einen kleinen Hoffnungsschimmer für einen Neuanfang“, sagte der Bäckermeister am Ende des Gesprächs.

Es hatte sich wohl schon länger abgezeichnet, dass die Weiterführung des Betriebes schwierig wird. „Ich bin nun 72 Jahre alt und wollte mein Geschäft langsam übergeben“, so Posselt. Da lag es nahe, dass die Töchter Sabrina und Mirabell als zwei von insgesamt fünf Kindern mit beruflicher Verbindung zur Bäckerei als Nachfolger in Frage kamen. „Doch Sabrina als die Ältere der beiden Töchter legte infolge Familiennachwuchs den Schwerpunkt auf eben ihre Familie“, so der Inhaber, „und die Jüngere hatte keine großen Ambitionen.“ Zumal die Situation bezüglich Corona aus ihrer Sicht keine ausreichende Sicherheit bot.

Kein Kredit – externer Übernehmer

Er habe sich um einen Kredit zur Weiterführung des Betriebes bemüht, dies sei altersbedingt jedoch fehlgeschlagen. „Dann kam ein externer Betrieb ins Spiel, der interessiert gewesen ist und sich bereits bei den Kunden vorgestellt hatte“, sagte Posselt. Doch dieser habe dann leider kurzfristig abgesagt. „Mir blieb nichts anderes übrig, als Insolvenz anzumelden“, so der 72-Jährige. Betroffen von der Schließung sind am Ende etwa 40 Mitarbeiter, darunter auch etliche ältere Teilzeitkräfte. Von den noch in Ausbildung befindlichen drei Auszubildenden hätten zwei bereits eine feste Zusage zur Weiterführung der Ausbildung, bei dem anderen stehe noch die Vorstellung aus.

Über sieben Jahrzehnte

Das inhabergeführte Familienunternehmen hatte der Vater von Rudolf Posselt 1947 gegründet. Sohn Rudolf übernahm in zweiter Generation 1980 das Geschäft und baute es dank steigender Nachfrage sowie durch drei zusätzliche Filialen mit insgesamt bis zu 60 Mitarbeitern weiter aus. Schon früh wurde der Betrieb auf die Bioschiene umgestellt und die Vollkornprodukte aus selbst gemahlenem Korn und im Steinofen gebacken waren bekannt und beliebt. Sie werden den Neugablozern ebenso fehlen wie die Spezialitäten Butterwischl und Klekselkuchen .

Das Ende?

Ende September schloss die Bäckerei ihre Pforten. Auf Nachfrage des Kreisbote, ob seine offen dargelegten Ansichten bezüglich der Corona-Situation im Mai 2020 und bei einer Demonstration im Januar 2021 dem Geschäft geschadet haben könnten, sagte Posselt: „Ja, ich kann nicht ausschließen, dass mir Kunden das nachgetragen haben. Aber auf meiner alternativen Schiene sehe ich gesunde Kost als besten Schutz vor der Pandemie.“

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings: Tochter Mirabell befindet sich nach den Worten des ehemaligen Inhabers augenscheinlich noch in einer Überlegungsphase, ob sie das am 30. September geschlossene Traditionsunternehmen nicht wieder aufleben lässt.

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