Tragischer Unfall im Wald

Zu Geldstrafen in Höhe von 70 Tagessätzen in Höhe von 20 und 25 Euro und einer einmaligen Zahlung an eine gemeinnützige Einrichtung wurden zwei Landwirte vergangene Woche vor dem Kaufbeurer Amtsgericht wegen eines „Pflichtverstoßes und einer daraus folgenden fahrlässigen Tötung“ verurteilt. Die Angeklagten sind 63 und 48 Jahre alt und seit vielen Jahren gut befreundet.

Im März vergangenen Jahres arbeiteten die beiden Männer mit dem Cousin des einen und späteren Opfer, einem Mauer-stettener, der ebenfalls in der Landwirtschaft tätig war, im nahegelegenen Wald. Die beiden Angeklagten hatten das Fällen übernommen, während der dritte einige Meter weit entfernt mit Astarbeiten beschäftigt war. Dabei geschah das tragische Unglück: trotz vorheriger gegenseitiger Handzeichen befand sich der Landwirt aus bislang ungeklärter Ursache genau in Fallrichtung des Baumes und wurde von ihm erschlagen. Beide Angeklagte erklärten im Rahmen der Verhandlung, es sei ihnen absolut unverständlich, warum ihr Freund dem Baum nicht ausgewichen sei und sich überhaupt am Unfallort befunden habe; der Baum sei exakt in die geplante Richtung gefallen, die auch dem Opfer bekannt gewesen sei. Allerdings habe das Fällen dieses Baumes aufgrund gewisser Schwierigkeiten ungewöhnlich lange gedauert. Dies könne als Erklärung dienen, warum der Mauerstettener seinen sicheren Platz verlassen und sich in den Gefahrenbereich begeben habe. Zudem sei es eine Besonderheit gewesen, dass sich einer aus der Gruppe während des Fällens nicht direkt am Baumstamm aufgehalten habe; man habe sich hier auf das Handzeichen des Opfers verlassen. Einen möglichen Selbstmord schlossen sowohl die beiden Angeklagten und einzigen Zeugen sowie das Gericht aus. Der Getötete hinterließ seine Lebensgefährtin sowie seine Eltern und eine Schwester. Da zwischen den drei Beteiligten eine enge freundschaftliche Beziehung bestand, zeigten sich die Angeklagten im Gerichtssaal sehr betroffen, betonten aber, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und keinen bewussten Fehler begangen zu haben. Die Eltern des Opfers hatten bereits kurz nach dem Vorfall einen Brief an die zuständige Richterin Ulrike Hämmerle geschrieben und darin dargelegt, dass sie den beiden Angeklagten keine Schuld am Tod ihres Sohnes geben; es handele sich dabei um ein tragisches Unglück. Den Besonderheiten des Falles trug auch der leitende Oberstaatsanwalt Herbert Pollert Rechnung. Einer Einstellung des Verfahrens, wie von Richterin Hämerle angestrebt, wollte er jedoch nicht stattgeben. Es sei definitiv eine Pflichtverletzung zu erkennen, da die beiden Landwirte sich trotz der gegebenen Handzeichen noch einmal hätten vergewissern müssen, dass sich niemand im Gefahrenbereich befände. Die Geldstrafe unter Vorbehalt von 1000 beziehungsweise 800 Euro sowie die einmalige Zahlung seien ein fairer Kompromiss, erklärte Pollert. fr

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