Trauer um Clara Rothärmel

Die „Grande Dame“ der Allgäuer Mundartdichtung wurde 101 Jahre alt

Waltraud Mair und Georg Ried beim 99. Geburtstag von Clara Rothärmel
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Waltraud Mair und Georg Ried beim 99. Geburtstag von Clara Rothärmel am 17. November 2018. Mair: „Mir ham so glacht: a scheane Bluse hott se a – und dazu an Schurz, wia wenn se mittn beim Schaffa gewea wär.“
  • vonSelma Höfer
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Kaufbeuren-Oberbeuren – Laut Georg Ried, dem Ersten Vorsitzenden vom Mundartkreis Ostallgäu, war Clara Rothärmel, die am 9. Februar 2021 im Alter von 101 Jahren gestorben ist, „zweifelsohne eine der bekanntesten, beliebtesten und vor allem besten Mundartpoetinnen im Allgäu“. Ihre Freunde und der Mundartkreis erinnern sich voller Zuneigung an die „nette, luschtige, immer gut aufgelegte Frau mit dem liebenswerten Humor“, die sie „Clärchen“ nannten. Sie wissen manche heitere Anekdote von ihr zu berichten und bezeichnen sie als eine sehr intelligente Frau, die über ihren kleinen, heimischen Bereich hinausgewachsen war, weltgewandt und mit hohem Anspruch an sich selbst.

Die am 17. November 1919 in Oberbeuren geborene Clara Rothärmel absolvierte nach der Mittleren Reife an der Marienschule in Kaufbeuren noch eine Weiterbildung am Abendseminar für Englisch. Danach arbeitete sie zunächst als Büroangestellte, dann als Übersetzerin bei den Amerikanern und schließlich als Fremdsprachenkorrespondentin beim Sprachendienst der Deutschen Bundeswehr. Sprachlich galt ihre Liebe jedoch vor allem der Allgäuer Mundart.

Buchveröffentlichungen und Auszeichnungen

Zunächst schrieb sie für private Geburtstagsfeiern Mundartverse, dann befasste sie sich zunehmend mit hintergründigen humorvollen Beobachtungen der recht eigenen ,Allgäuer Rasse‘. Gedichte von ihr wurden in Kaufbeurer Zeitungen sowie im Allgäuer Heimatkalender veröffentlicht. Bei einem Mundartwettbewerb des Bayerischen Rundfunks im Herbst 1974 gewann sie einen Preis mit ihrem „Fasnachtsbrief“. Außerdem verfasste sie ein Hirtenspiel, das in Kaufbeuren uraufgeführt wurde. Unterstützt und ermutigt durch den Schriftsteller Alfred Weitnauer brachte Clara Rothärmel 1975 ihr erstes Buch „Kaufbeurer Leckerle“ mit so bekannten Gedichten wie „s’Frauekränzle“ oder „s’Beichte“ heraus, die noch heute sehr populär sind. 1986 erschien ihr zweites, auch sehr erfolgreiches Buch „Bei eis dauhoi – z’Kaufbeura und drum rum“ mit „I wott, i wär“ oder dem legendären „s’Verheiret sei“, das später auch als Lied erschien. 1992 erhielt sie den „Korbinian“, den Mundartpreis des Ostallgäuer Mundartkreises, dem sie seit dessen Gründung 1989 angehörte. Ihr drittes Buch „Alter schützt vor Clara nicht“ wurde 2001 veröffentlicht.

Literarisches Vorbild

Von Schorsch Ried wurde sie bei Mundartlesungen und beim Kaufbeurer Hoigata, wo sie von Anfang an lange Jahre mitmachte, stets voller Hochachtung als „Grande Dame“ der Allgäuer Mundart vorgestellt. Sie habe, so Hoigata-Kollegin Waltraud Mair, die Mundart quasi salonfähig gemacht. Vielen Mitgliedern im Mundartkreis war Clara Rothärmel ein literarisches Vorbild. Sie habe sich, sagt Mair, in ihren Gedichten immer um saubere Reime und einen stimmigen Rhythmus bemüht. „Wenn’s amal net so war, ho se so lang romdoa, bis es passt hot.“ „Ihre Gedichte waren perfekt“, erzählt auch Johanna Hofbauer. „Sie hot uns bis zum Schluss Tipps gea. Mir hand all vo ihr glearat und waret ihr dankbar.“

„Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen“, hat Albert Schweitzer (1875-1965) gesagt. Dieses Herzens-Denkmal ist der Heimatdichterin ohnehin sicher. Aber Insider wissen, dass es auch ein steinernes Denkmal gibt: 1970 hatte sie für den Oberbeurer Feuerwehrball ein Seemannslied („Der Tag war grau, der Tag war schwer“) allgäuerisch umgetextet. Das Lied wurde in kürzester Zeit als „Oberbeurer-Lied“ bekannt. Die ersten Takte daraus sind auf dem Brunnen vor dem Oberbeu­rer Vereinshaus für alle Zeiten in Stein gehauen.

Ingrid Zasche

Bücher von Clara Rothärmel

  • „Kaufbeurer Leckerle – ein Mundartbuch“; 1975; Illustrationen Fritz Nickel
  • „Bei eis dauhoi... z‘ Kaufbeu­ra und drum rum“; 1986; mit Zeichnungen von Eduard Wildung
  • „Alter schützt vor Clara nicht“; 2001; Illustrationen Eberhard Neef

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