Trotzphase – „Stimmgabelstapler“ I

Auch die Kaufbeurer Chöre ließen sich nicht von Corona entmutigen

Der Ü60-Chor des Seniorenbeirats Kaufbeuren.
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Der Ü60-Chor des Seniorenbeirats Kaufbeuren.

Kaufbeuren – Eine der vier im Projekt Trotzphase zu nennenden Gesangsgruppen, welche die Corona-Zwangspause kreativ überbrückt haben, ist der Ü60-Chor des Seniorenbeirats. Dieser Chor ist der vielleicht „jüngste“ Chor Kaufbeurens – obwohl man mindestens 60 Jahre alt sein muss, um überhaupt mitsingen zu dürfen und das Durchschnittsalter mehr oder weniger 75 Jahre beträgt. Des Rätsels Lösung liegt im Gründungsdatum, dem 31. Oktober 2018. Heute – nach nicht ganz drei Jahren – ist der Chor ein Vorzeigeobjekt mit 25 aktiven und begeisterten Mitgliedern.

Zusammen mit dem Ideengeber und Initiator, dem Diplom-Musiker und Musikpädagogen Albin Wirbel, rief der Seniorenbeirat Kaufbeuren dieses Projekt ins Leben (www.senioren.kaufbeuren.de/seniorenchor/). Wirbels außergewöhnliches Engagement, seine soziale Einstellung und Hinwendung zum älteren Menschen sind beispielhaft und machen ihn zum idealen Ü60-Chorleiter.

In wöchentlichen Singproben wurde das Liedgut erarbeitet, mit dem der Chor Frühjahrs- und Herbstkonzerte und Weihnachtsfeiern im Seniorenheim am Gartenweg und im Kaufbeurer Stadtsaal mitgestaltet. Als sich im Frühjahr 2020 aus der Corona-Epidemie eine Pandemie entwickelte und die ersten tragischen Kran–heits- und Todesfälle zu beklagen waren, mussten die Seniorensänger ihr angestammtes Probenlokal im Seniorenheim am Gartenweg verlassen. Chorleiter Albin Wirbel gelang es, unverzüglich einen Ersatzort für das wöchentliche Singen zu beschaffen. Er entwickelte auch ein Hygienekonzept, dessen strikte Einhaltung und Kontrolle es ermöglichte, den Probenbetrieb aufrecht zu erhalten.

Diplom-Musiker und Musikpädagogen Albin Wirbel, engagierter Chorleiter des Ü60-Chors Kaufbeuren.

Um den geplagten Bewohnern des Seniorenheims am Gartenweg wenigstens ein paar Augenblicke der Abwechslung und auch der Freude zu schenken (Besucher waren ja nicht erlaubt), sangen Chormitglieder, an verschiedenen Nachmittagen im Garten des Heimes. Verstärkt wurden die Ü60er durch Sängerinnen von BonaVox, Wirbels anderem Chor. Unter Wirbels Leitung versuchten sie, die Bewohnerinnen und Bewohner zum Mittun anzuregen.

Schließlich mussten auch die wöchentlichen Singstunden wegen Corona abgesagt werden. Online-Proben waren jedoch für die meisten Mitglieder nicht möglich. Um dem Auseinanderbrechen des Chors durch einen längeren Stillstand vorzubeugen, organisierte Wirbel in Eigeninitiative und zunächst auch auf eigene Kosten für alle Chormitglieder das Büchlein „StimmErfolg 49“, das später von der Sparkasse bezuschusst wurde. Darin leitet die Sängerin und Gesangspädagogin Miriam Meyer zu mentalem und körperlichem Training an, zum Singen, Sprechen und Atmen. Zusammen mit Wirbels unregelmäßigen postalischen „Newslettern“, gespickt mit Informationen, Anekdoten und Bildern aus dem Musikerleben, mit neuen Liedtexten sowie Wettbewerben im gruppenweisen Auswendiglernen von Liedtexten (mit von ihm gestifteten Siegerpreisen) war das der „Klebstoff“, der den Chor zusammenhielt. In der kommenden Woche werden die Ü60er von neuem mit dem aktiven Singen beginnen, zunächst zum eigenen Vergnügen, mittelfristig aber auch wieder mit dem Ziel aufzutreten oder zum Beispiel ein Sommersingen zu veranstalten.

„Mir war es ungeheuer wichtig, den Mitgliedern – auch den nicht internetfähigen – das Gefühl zu geben, dass ich für sie da bin, dass sie nicht allein sind. Es ist mir gelungen, dass meine Ü60-Sängerinnen und -Sänger bis jetzt motiviert und fit geblieben sind und als Chor zusammengehalten haben. Erst mal werden wir nun ab nächster Woche aus schierer Freude am Gesang singen, singen, singen, aber danach wollen wir diese Freude natürlich auch wieder weitergeben“, kommentiert Albin Wirbel sein Engagement.

„Heinzelmann-Sänger“

Einen ähnlichen Ansatz wie Wirbels Singnachmittage im Seniorenheim am Gartenweg verfolgt auch das Trio aus Sylke Rödiger, Julia Haug und Christian Adolf. Adolf wurde mit seiner „Buronischen Weihnacht“ als „Adolf von Buron“ bekannt und bastelt an einer Fortsetzung. Das Trio will ebenfalls Senioren, die keinen Besuch empfangen dürfen und von Einsamkeit bedroht sind, eine Freude machen. Daher singen sie seit geraumer Zeit jeden Freitag bei Wind und Wetter vor Seniorenheimen für dessen Bewohner. Auf dem Trotzphasen-Plakat sind sie nur deshalb nicht mit abgebildet, weil sie im Produktionszeitraum unglücklicherweise keinen gemeinsamen Fototermin mit den Projekt-Fotografen Christoph Jorda und Karl-Josef Hildenbrand gefunden haben, wie Kulturamtsleiter Günther Pietsch mitteilte.

Zwei weitere „trotzige“ Chöre werden wir Ihnen beim Kreisbote präsentieren.

Ingrid Zasche

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