„Trotzphase“ – Traumfängerin

Teil Neun der Kultur-Akteur-Serie: Designkünstlerin Elsa Zasche

Designkünstlerin Elsa Zasche vor der blitzschnell zur Kultkneipe avancierten Kultur-Bar „Neue Gabi“ (Assoziationen zu Neugablonz sind erwünscht)
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Designkünstlerin Elsa Zasche vor der blitzschnell zur Kultkneipe avancierten Kultur-Bar „Neue Gabi“ (Assoziationen zu Neugablonz sind erwünscht).

Kaufbeuren – Die Aktion „Trotzphase“ vom Kulturausschuss der Stadt rückt in diesem Sommer örtliche Kulturakteure, die den Einschränkungen der Corona-Pandemie besonders kreativ begegnet sind, durch ein umfangreiches Medienpaket ins Licht der Öffentlichkeit. Der Kreisbote begleitet das Projekt mit einer Artikelserie und präsentiert jede Woche eine der phantasievoll benannten Trotzphasen-Kategorien. Im neunten Teil der Serie stellen wir Ihnen die „Traumfängerin“ vor, Designkünstlerin Elsa Zasche.

Ihren Platz in der Trotzphasen-Aktion erhielt die junge Künstlerin für die Aktion „Kunst im Glashaus“ Ende Februar 2021. Sie hatte das wegen des Lockdowns leer stehende gläserne Séparée auf dem Obstmarkt aus dem wood&wire­event-Projekt „Treffpunkt Glashaus“ kurzerhand zur Minigalerie umfunktioniert und dort einige ihrer von der Pandemie inspirierten Arbeiten präsentiert (wir berichteten). Mit Daniel Fischer von wood&wire-event hatte sie bereits im März 2020 zusammengearbeitet: Sie war damals Teil der Gemeinschaftsausstellung „Zwischenkunst & Raum“ im Geyerhalterhaus gewesen, für das sie das gesamte grafische Konzept ausgearbeitet hatte.

Die „Neue Gabi“

Aktuell arbeiten Zasche und Fischer wieder gemeinsam an einem Projekt: Zusammen mit Elsas Bruder Moritz und ihrer Freundin Johanna Aigner betreiben sie die Kultur-Bar „Neue Gabi“ in der ehemaligen Kultkneipe „Sterneck“ in der Falkenstraße. Die „Neue Gabi“ profiliert sich mit „Getränken + (Neugablonzer) Kultur“, so die Künstlerin. Selbst die Toiletten wurden durch die Murals von Monica Morito zum Kunstobjekt. Die Kultur-Bar ist in der kurzen Zeit seit ihrer Eröffnung am 11. Juni zur Kultkneipe avanciert – und das nicht nur beim jungen Publikum. Bisher ältester Gast war Willi Lang (95), Hauptmann a. D. der Saskaler Armee. Assoziationen zu Neugablonz sind bei dem Namen „Neue Gabi“ übrigens ausdrücklich erwünscht. Wer genau hinsieht, der sieht in den Dekorationen überall die Geschichte von Neugablonz aufscheinen. Auch hier stammt das Gestaltungskonzept von Elsa Zasche. Sie hat sich bewusst auf drei Grundfarben beschränkt, um „den minimalistischen, geradlinigen Stil und die 70er-Jahre-Optik aufzugreifen, die Neugablonz ausstrahlt“, wie sie sagt. In diesen Farben wurde „alles angestrichen, was angestrichen werden konnte“. Durchgängiges Element in allen Grafiken ist der Kreis, der einem nicht nur im Logo begegnet, sondern auch in den Tischen, Barhockern und Stehtisch-Tonnen.

Da die Designkünstlerin im Oktober mit dem Masterstudium für „Bildnerisches Gestalten und Therapie“ (Kunsttherapie) an der Akademie für bildende Künste in München beginnen will, trifft es sie nicht so hart wie die Gabi-Gäste, dass das GSW-Gebäude, in dem sich die Neue Gabi befindet, zwecks Quartier-Nachverdichtung voraussichtlich Ende Oktober abgerissen wird. Ihren künstlerischen Einsatz für das Interims-Kult-Café bereut Elsa Zasche jedenfalls keineswegs.

Ein Semester in Prag

Die junge, 1993 geborene Künstlerin mit dem offenen Lachen wuchs in Dösingen auf. Nach dem Abitur am Mariengymnasium in Kaufbeuren absolvierte sie eine zweijährige Lehre als Marketing Executive. 2015 wurde sie in der Designschule München angenommen, die sie 2018 als „Certified Graphic Designer“ abschloss. Ihren Bachelor of Arts als Graphik-Designerin erhielt sie nach einem Auslandssemester in Prag im Mai 2019. Anschließend arbeitete sie für ein junges Prager Modelabel. Ihr Schwerpunkt liegt auf Typografie und Illustration. In ihren Arbeiten thematisiert sie meist emotionale und persönliche Geschichten. Sie liebt es, „in der Kunst unterschätzte Tiere“ in Szene zu setzen und experimentiert gerne mit unterschiedlichen Drucktechniken und allen Arten von Papier.

Inzwischen ist Elsa Zasche mit der Absicht einer „Teilselbständigkeit“ ins Allgäu zurückgekehrt. In diesem Jahr hat sie bereits einen mehrmonatigen Großauftrag an Illustrationen für die Erich-Schickling-Stiftung (Ottobeuren) abgeschlossen. Für das Fiasco-Kollektiv Augsburg, eine Gruppe junger Künstler und Kunsthandwerker, durfte sie Festival-T-Shirts zum Thema „Fiasko“ gestalten. Zur Absicherung des Lebensunterhalts arbeitet die Künstlerin vorübergehend auch im Covid-Testzentrum Kaufbeuren.

Ingrid Zasche

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