Neugablonzer Perlen im Fernsehen

TV-Aufnahmen von Musikvereinigung Neugablonz für „Unter unserem Himmel“

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Die MVN unter Leitung ihres Dirigenten Peter Vogt hatte sich – trotz Ferienzeit in voller Besetzung – für die Aufnahmen auf der Wiese des Biergartens hinter der „Alten Heimat“ versammelt.

Kaufbeuren-Neugablonz – Ungewöhnliche Aktivitäten konnten Passanten vergangene Woche in Neugablonz beim Rüdigerbrunnen und vor allem im Biergarten der „Alten Heimat“ beobachten: Dr. Sybille Krafft, freie Autorin und Regisseurin, war mit einem Aufnahmeteam angereist, um im Auftrag des BR Fernsehens eine weitere Folge der Reihe „Unter unserem Himmel“ aufzuzeichnen.

In dieser Folge, die den Titel „Damals, als die Heimatvertriebenen kamen“ tragen soll, wird Dr. Krafft – wie meist in den inzwischen über fünfzig je 45-minütigen Beiträgen ihrer Serie „Damals...“ – auch wieder historische Archiv-Filme aus den Fünfziger- und Sechziger-Jahren aktuellen Aufnahmen gegenüberstellen. So will die promovierte Historikerin, wie sie sagt, „dem geschichtlichen Wandel nachspüren und die unterschiedliche Entwicklung in drei exemplarischen Vertriebenenorten – Neutraubling, Traunreut und Neugablonz – aufzeigen“.

Auf dem Neugablonz-Programm des Aufnahmeteams stand neben Ansichten aus dem Ortsbild – darunter das Wahrzeichen von Neugablonz, der Rüdiger – auch ein Besuch bei der Schmuckfirma Gubo. Dort legte sich die Regisseurin als Andenken eines der für Gubo typischen Colliers aus mit Silber gewickelten Glasperlen zu und trug es auch sofort.

Zeitzeugin Ilse Bennigsen hat alte Fotos mitgebracht, die irgendwie die Vertreibung überstanden haben.

Natürlich darf beim Thema „Vertriebenenorte“ die traditionelle böhmisch-mährische Blasmusik nicht fehlen, und so versammelte sich die Musikvereinigung Neugablonz (MVN) – trotz Ferienzeit in voller Besetzung –für die Aufnahmen auf der Wiese des Biergartens hinter der „Alten Heimat“. Sie hatten unter Leitung ihres Dirigenten Peter Vogt mit der Polka „Gablonzer Perlen“ und dem Marsch „Neugablonz“ zwei passende Titel vorbereitet. Kameramann Dieter Nothhofft outete sich als Polkafan, daher wurden die „Perlen“ gespielt, und zwar gleich dreimal hintereinander, damit die Kamera die Kapelle aus allen Blickwinkeln erfassen konnte. Dennoch spendeten die Gäste im vollbesetzten Biergarten unverdrossen dreimal herzlichen Applaus.

Zur Abrundung des Beitrags war noch ein Interview mit drei Altersstufen aus der Familie Müller vorgesehen: Großmutter Ilse Bennigsen berichtete als Zeitzeugin über die Vertreibung. Sie hatte alte Fotos mitgebracht sowie ein zerfleddertes Gebetbuch. Das war eine Art Familienbibel mit den Einträgen von Geburten, Hochzeiten und Tod mehrerer Generationen, welches irgendwie die Aussiedlung überstanden hatte. Mutter Christina Müller erzählte, wie die Familie zum ersten Mal wieder „nach drüben“ gereist war, um den familiären Wurzeln nachzugehen. Sohn Felix Müller schließlich, Flügelhornist der Musikvereinigung, der sich beim Frühjahrskonzert auch als begabter Moderator entpuppt hatte, konnte auf die Frage nach den Beziehungen zur ehemaligen Heimat in der Gegenwart neben der Reise mit der Familie auch auf die Schwesterkapelle „Mlada Dechovka“ aus Gablonz verweisen. Mit den tschechischen Musikern ist die MVN heuer bereits seit 30 Jahren freundschaftlich verbunden. Die MVN gehöre damit, so Vorstand Günther „Güschi“ Seydel, „zu den Allerersten, die den Tschechen die Hände gereicht und Freundschaften geschlossen haben und damit den Weg der Versöhnung gegangen sind“.

Senden wird der Bayerische Rundfunk den Bericht anlässlich des 75. Jahrestages der Vertreibung nach dem Ende des 2. Weltkriegs voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2020 in seiner Reihe „Unter unserem Himmel“.

von Ingrid Zasche

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