„Udo“ sorgt für Begeisterung

Ministerpräsident Söder besucht Fundstätte des „Danuvius guggenmosi“ in Pforzen

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Groß war der mediale Andrang an der Fundstätte. Auch Ministerpräsident Markus Söder und Paläontologin Prof. Madelaine Böhme waren vor Ort und äußerten sich zum Sensationsfund.
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Groß war der mediale Andrang an der Fundstätte. Auch Ministerpräsident Markus Söder und Paläontologin Prof. Madelaine Böhme waren vor Ort und äußerten sich zum Sensationsfund.
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Groß war der mediale Andrang an der Fundstätte. Auch Ministerpräsident Markus Söder und Paläontologin Prof. Madelaine Böhme waren vor Ort und äußerten sich zum Sensationsfund.
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Groß war der mediale Andrang an der Fundstätte. Auch Ministerpräsident Markus Söder und Paläontologin Prof. Madelaine Böhme waren vor Ort und äußerten sich zum Sensationsfund.
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Groß war der mediale Andrang an der Fundstätte. Auch Ministerpräsident Markus Söder und Paläontologin Prof. Madelaine Böhme waren vor Ort und äußerten sich zum Sensationsfund.
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Groß war der mediale Andrang an der Fundstätte. Auch Ministerpräsident Markus Söder (re.) und Paläontologin Prof. Madelaine Böhme (li.) waren vor Ort und äußerten sich zum Sensationsfund.
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Groß war der mediale Andrang an der Fundstätte. Auch Ministerpräsident Markus Söder und Paläontologin Prof. Madelaine Böhme waren vor Ort und äußerten sich zum Sensationsfund.
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Groß war der mediale Andrang an der Fundstätte. Auch Ministerpräsident Markus Söder und Paläontologin Prof. Madelaine Böhme waren vor Ort und äußerten sich zum Sensationsfund.

Pforzen – Ungebrochen ist das öffentliche Interesse am Menschenaffen „Danuvius guggenmosi“, auch „Udo“ genannt, nach dem Sensationsfund in der Tongrube Hammerschmiede bei Pforzen. Die Knochenfunde beweisen: Der älteste aufrecht gehende Primat stammt aus dem Ostallgäu, war also ein Ur-Allgäuer, wenn man so will. Am Donnerstag statteten Ministerpräsident Dr. Markus Söder, Wissenschaftsminister Bernd Sibler und politische Vertreter aus der Region zusammen mit Udo-Entdeckerin Prof. Dr. Madelaine Böhme der Hammerschmiede einen Besuch ab, um die Fundstelle zu begutachten.

Der Fund stelle jegliche Theorie der Zweibeinigkeit und unser Wissen über die Evolution auf den Kopf, verwies Böhme auf die Bedeutung des Ereignisses: „Wir müssen neu denken, neue Fragen stellen“. Schließlich wurde bislang angenommen, dass der erste aufrecht gehende Vorfahre des Menschen aus Afrika stammt. Der Menschenaffe soll überdies vor 11,62 Millionen gelebt haben, konnte also schon sechs Millionen Jahre früher als gedacht aufrecht gehen.

Können sich die Pforzener nun als Missing Link in der menschlichen Evolution bezeichnen und ihr Örtchen als Wiege der Menschheit betrachten? Dass der erste Mensch ein Allgäuer war, könne man so nicht sagen, meint Böhme. Nichtsdestotrotz handele es sich um eine spannende Entdeckung, liege es doch im Interesse des Menschen, mehr über seine Wurzeln und Urahnen zu erfahren. Die Forscherin der Universität Tübingen, die jahrelang die Ausgrabungen im Ostallgäu geleitet hat, hat mit ihrem Team nicht nur Knochen des Menschenaffens, sondern auch weitere Fossilien von zwei Weibchen und einem Jungtier, sowie Relikte zahlreicher Wirbeltiere, wie Nashörner, Bären, einem Baby-Elefanten, Fischen, Vögeln und Schildkröten entdeckt. Weitere Schätze sind künftig zu erwarten, denn auch für interessierte Hobby-Paläontologen soll es die Möglichkeit vor Ort geben, sich unter Anleitung der Experten und mit dem nötigen Equipment an Ausgrabungen zu beteiligen. Böhme freut sich über das große Interesse und ermutigt insbesondere junge Menschen dazu, sich von der „Aufbruchstimmung“ und der spannenden Tätigkeit anstecken zu lassen. Diese beschreibt die Forscherin als besonders meditativen Zeitvertreib, bei dem man eben auch damit rechnen könne, „auf etwas Außergewöhnliches zu stoßen“. Und dazu müsse man laut Böhme nicht mal nach Afrika fahren, denn Pforzen tut‘s ja bekanntermaßen auch.

„Udo“ für alle

In jedem Fall können die Gemeindebürger, wenn es nach dem zweiten Bürgermeister Josef Freuding ginge, stolz von sich behaupten: „Wir sind Udo“. Von einem „Potenzial der Identifikation“ sprach auch Wissenschaftsminister Sibler. Er regte an, den Sensationsfund für die Öffentlichkeit auf interessante Weise zu veranschaulichen. Als Bürgermeister von Pforzen will auch Herbert Hofer die Entdeckung allen Interessierten zugänglich machen und kann sich etwa ein Besucherzentrum vorstellen. Laut Landrätin Rita Maria Zinnecker sei ein Runder Tisch geplant, um mit den Beteiligten über das weitere Vorgehen zu diskutieren.

„Diese Forschungsergebnisse sind nicht nur ein Quantensprung in der Wissenschaft, sie bieten auch unglaubliche Chancen für unsere Region und für ganz Bayern“, betonte Landtags­abgeordneter Bernhard Pohl. Nun gelte es, die Funde „einer breiten Öffentlichkeit aus der Region, aus Bayern und letztlich der ganzen Welt an Ort und Stelle zugänglich zu machen“, zum Beispiel in einer Ausstellung oder einem Museum. „Mein Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen von diesen Erkenntnissen profitieren, sie hautnah erleben können“, so Pohl. Dafür plädierte auch seine Landtagskollegin Angelika Schorer und schlug Schautafeln vor. Nicht minder begeistert zeigte sich Ministerpräsident Söder, der für die Verwirklichung der künftigen Projekte einen Zuschuss des Freistaats in Aussicht stellte. Allerdings, so scherzte er, habe er den Beginn des aufrechten Gangs in seiner Heimat Franken erwartet.

Es müsse noch geklärt werden, wem die Fossilien juristisch zustehen, erklärte Sibler. Nach bayerischer Regelung sind Finder und Grundbesitzer je zur Hälfte Eigentümer. Der Minister zeigte sich zuversichtlich, einen Ausgleich zu finden.

Für alle interessierten Bürger findet am 23. November um 10 Uhr im Vereinshaus Pforzen ein Vortrag von Prof. Madelaine Böhme statt, der Hofer zufolge nicht nur für wissenschaftliches Fachpublikum interessant sein dürfte.

von Mahi Kola

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