Wie sollte "Udo" Ihrer Meinung nach heißen?

Sensationsfund „Udo“ sorgt für Gesprächsstoff: Reger Andrang beim Vortrag von Paläontologin Prof. Böhme

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Der Hype um den Menschenaffen lässt nicht nach: Prof. Dr. Madelaine Böhme kam im Vereinshaus Pforzen ins Gespräch mit den interessierten Besuchern.

Pforzen – So groß war das Interesse am Vortrag von Prof. Dr. Madelaine Böhme über die sensationellen Ausgrabungsfunde in der Hammerschmiede, dass einige Besucher, die am Samstag zum Teil auch weit angereist waren, aus Platzgründen abgewiesen wurden. Die rund 350 Besucher, die sich einen Platz im vollen Pforzener Vereinshaus sichern konnten, erwartete Einblicke in die Arbeit des Forscherteams und Fakten rund um den aufrecht gehenden Menschenaffen „Udo“, mit anschließender Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Der Fund falle gänzlich aus dem Rahmen, „passt nicht in übliche Paradigmen rein und rüttelt an gewissen Grundfesten“, betonte Böhme, die sich über das überwältigende Interesse freute. Einblicke in die Arbeit des Grabungsteams gab Doktorand Thomas Lechner, der sich gemeinsam mit Studenten, freiwilligen Helfern und anderen Wissenschaftlern unter der Leitung von Böhme auf Spurensuche begab. Am 17. Mai 2016 kam es dann zum Sensationsfund, als im Rahmen einer Aktion, bei der 25 Tonnen Material abgebaggert wurden, Paläontologin Böhme mit der Spitzhacke auf den Unterkiefer des „Danuvius guggenmosi“ stieß. Auch die Überbleibsel zahlreicher Wirbeltiere konnten in all ihrer Vielfalt gefunden werden, so zum Beispiel vom Hirschferkel, Hundebären, Schweinen (mit dem Namen Parachleuastochoerus steinheimensis), Flughörnchen, Ottern und Schnappschildkröten.

Inspirierend war auch für Böhmes amerikanischen Kollegen, Prof. Jeremy DeSilva, ein international führender Wissenschaftler zum Thema Evolution des Menschen, die Begeisterung der Menschen an der Paläontologie, die den Fund und den Menschenaffen Udo feiern.

Kritik am Rufnamen „Udo“

Dabei werden aber auch kritische Stimmen von Bürgern aus der Region laut, die von der Namenswahl des Ur-Allgäuers weniger begeistert sind. Sie bemängeln, dass der Beiname Udo herzlich wenig mit der Ortschaft zu tun habe und der Bezug zu Pforzen gänzlich fehle. „Wir können nichts dafür – das ist höhere Gewalt“, sagte Lechner zum Streit um den Namen. Namenspate Udo Lindenberg habe an diesem Tag nun mal seinen 70. Geburtstag gefeiert und seine Lieder liefen non-stop im Radio rauf und runter. Da sei die Wahl quasi unumgänglich gewesen. Udo war der AG-interne Deckname, wie Lechner verrät, und so habe es viele Fundzettel mit der Beschriftung „Udo?“ gegeben, die der Geheimhaltung dienten, „bis wir wissen, worum es sich genau handelt“. Ist es möglich, den Ur-Allgäuer noch umzutaufen, in „Pforzi“ zum Beispiel? Laut Böhme sei der Beiname, anders als die offizielle Bezeichnung „Danuvius guggenmosi“ zwar nicht in Stein gemeißelt, aber aus ihrer Sicht selbstverständlich entstanden: „Wir konnten nicht anders: Unser Fossil musste Udo heißen.“

Auch sonst gab es einiges an Gesprächsstoff rund um den Menschenaffen: Vereinzelt gibt es gar Kritiker, die die Bedeutung des Fundes relativieren, Böhme zufolge, weil diese „mit der Muttermilch aufgesogen haben, dass der Ursprung der Menschheit in Afrika ist“ – aber: „Wir haben die Daten“, konterte Böhme überzeugt. Junge Leute seien hier eher bereit, neue Sichtweisen zu akzeptieren. Manche aus dem Publikum sorgten sich wegen der Raubgräber und schaulustigen Hobby-Ausgräber mit ihrer verbotenen Buddelei am Fundort. Andere interessierten sich für die Essgewohnheiten und die polygame Lebensweise Udos. Laut der Paläontologin war er „ein richtiger Pascha, mit Harem“, der sich vorzugsweise von harter Nahrung wie Wurzeln ernährt hat.

An die Fragerunde schloss sich eine Signierstunde mit Prof. Böhme an. In der Zwischenzeit konnten die Besucher an Laugengebäck in Knochenform von einer Irseer Bäckerei knab­bern.

von Mahi Kola

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