Über die Begeisterung, Freizeit-Betreuer bei der Stadtranderholung zu sein

Alle Jahre wieder

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Ausgelassene Betreuer: Klaus (v. li.), Marina und Marcel.

Kaufbeuren – Endlich Urlaub. Erholung. Entspannung pur. Am besten da, wo es schön warm ist. Notfalls auch daheim auf Balkonien. Hauptsache die quengelnden Kinder sind auf der Stadtranderholung. Endlich keine Arbeit, kein Stress! So denken viele. Kaum vorstellbar: Da gibt es eine Gruppe von engagierten Freizeit Betreuern, die sieht das jedes Jahr entschieden anders.

Die Rede ist von den ehrenamtlichen Helfern, ohne die die Stadtranderholung nicht denkbar wäre. Vierzig, fünfzig, teils junge, teils nicht mehr ganz so junge engagierte Querdenker, die da während der ersten zwei Ferienwochen jeder Witterung trotzen. Sie sind bereit, sich jeglicher pädagogischer Herausforderung mit über 500 Kindern zu stellen. Wohlgemerkt: Freiwillig und immer wieder aufs Neue begeistert.

Jährlich vor Ort

Keine Gewerkschaft würde diese Arbeitsbedingungen billigen. Arbeitsbeginn 7 Uhr, denn um 8 Uhr überschwemmt eine unübersehbare Menge von Kindern den vom nächtlichen Regen aufgeweichten Platz. Wenn diese am Nachmittag dann um fünf wieder zufrieden lachend abziehen, ist der Arbeitstag für die Freiwilligen Helfer noch lange nicht zu Ende. Jetzt gilt es aufzuräumen und alles für den nächsten Tag vorzubereiten. Das dauert Stunden. Schließlich treffen sich alle zur Abend-Besprechung, die sich auch schon einmal bis 19.30 Uhr hinziehen kann. Die Unkostenentschädigung für den ganzen Aufwand lässt einen Ein-Euro-Job vergleichsweise lukrativ erscheinen.

Und nach der Pflicht die Kür, was wäre die Stadtranderholung schließlich ohne das abendliche Zusammensein? Das ist wichtig, immerhin bilden die alteingesessenen Betreuer seit Jahren eine untrennbare Gruppe. Man kennt sich, man versteht sich. Kein Wunder, dass manchem erst in den späten Nachtstunden die pädagogischen Herausforderungen des nächsten Tages einfallen. Da sich für einige der Weg nach Hause nicht mehr lohnt, wird gleich am Platz übernachtet. Und dieses Programm zwei Wochen, bei Dauerregen oder Gluthitze.

Gute Gründe zum Mitmachen

So richtig verstehen, warum alle so begeistert bei der Sache sind, kann der Außenstehende wohl nur, wenn er selbst einmal für vierzehn Tage dabei war. Bei der Abschlussfeier wird es dann zwei Gruppen geben. Eine kleine Minderheit wird sagen: Nie wieder! Aber die Mehrheit wird mit tränendem Auge fragen:„Ein ganz Jahr noch, bevor es wieder los geht?“

Aber welches Geheimnis steckt dahinter? Klaus – Betreuer und Kinder benützen ausschließlich Vornamen – gehört mit 52 Jahren zum „Urgestein“ auf dem Platz im Schatten des Römerturms. 31 Jahre ist er bereits dabei. Oder ist es bereits das 32. Jahr? Ganz sicher scheint Klaus sich nicht zu sein. Auf jeden Fall hat er im gleichen Jahr angefangen wie Michael Böhm, der bewährte Organisator des Ferienprogramms vom Stadtjugendring. Wie auch immer: Klaus war damals 19 Jahre alt, suchte eigentlich nur während seiner Zivildienstzeit eine Beschäftigung für den Sommer. Auf die Frage, warum er immer wieder kommt, zuckt er nur mit den Schultern. „Na ja“, meint der „Häuptling“ des offenen Bereichs,„die freie Natur, das Abenteuer, und vor allem die Kinder.“ Im richtigen Leben arbeitet Klaus als pädagogischer Assistent in der Schulsozialarbeit, weiß also wo der pädagogische Hase langläuft.

Der pädagogische Hintergrund im Alltags-Beruf ist in der engagierten Gruppe nicht ungewöhnlich, aber es gibt Ausnahmen. Marcel gehört dazu. Er ist 19 Jahre alt und ist heuer so richtig erst zum ersten Mal dabei. In den vergangenen Jahren hat es nur für das Wochenende ausgereicht. Seine Schrei­nerkollegen werden wahrscheinlich nur unverständlich den Kopf schütteln, wenn er ihnen erzählt, dass er es kaum abwarten kann, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen. Er mag es einfach, mit den Kindern in der Werkstatt des Platzes kreativ zu basteln und zu werkeln. Als Schreinergeselle bringt er ja auch die besten handwerklichen Voraussetzungen mit, und in seiner Freizeit beschäftigt er sich auch unter dem Jahr in der Kirche mit dem Nachwuchs.

Zu ihrem Spaß kommen die Betreuer auch beim abendlichen Zusammensein.

Marina dagegen ist Häuptling im musisch-kreativen Bereich. Ihre 31 Jahre würde man im Dämmerlicht des Abends unter dem noch bunt, nach indischer Tradition geschminktem Gesicht nicht vermuten. Nach zwölf Jahren besteht wenig Aussicht, dass sie sich in Zukunft mit einem Urlaub in Italien zufrieden gibt. Im beruflichen Alltag arbeitet sie mit erwachsenen Behinderten. So richtig selbst Kind kann sie aber nur mit den Kindern sein, wenn sie sich gegenseitig schminken, sich nach Vorgabe des Dschungelthemas kostümieren und gemeinsam Theater spielen. Egal, Hauptsache kreativ und ausgelassen. Und was meint sie zur Gruppe der Mitbetreuer? „Das ist so wie ein alljährlich stattfindendes Klassentreffen“, sagt sie. Lächelt. Auf jeden Fall sind alle Freunde, die sich jetzt schon freuen, sich spätestens nächstes Jahr auf dem Platz wieder zu treffen.

von Peter Suska-Zerbes

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