Verwaltungsausschuss diskutiert dritte weitere Haltestelle – Bahn prüft jetzt

Ein Bahnhalt bald auch im Haken?

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Noch halten die Züge in Kaufbeuren ausschließlich am Bahnhof bei der Schelmenhofstraße (Foto). Ab 2020 könnte sich dies mit einem oder sogar zwei neuen Bahnhalten ändern.

Kaufbeuren – Aus eins mach’ drei: Statt dem heutigen Kaufbeurer Bahnhof möchte die Mehrheit des Verwaltungs- und Finanzausschusses zukünftig am liebsten insgesamt drei Bahnhalte in der Stadt sehen. 

Dass für Neugablonz mit der Elektrifizierung der Bahnstrecke München/Lindau ein eigener Haltepunkt kommt, ist schon zugesagt. Nun hat sich die Stadt Kaufbeuren mit der Bitte an die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) gewandt, die Machbarkeit eines weiteren Halts im Bereich der Fußgängerbrücke Buronstraße/ Liegnitzer Straße (Stadtteil Haken) zu prüfen. Laut BEG wäre dies tatsächlich möglich – diskutiert wurde im Ausschuss nun, ob das Vorhaben weiter verfolgt werden soll. Bis die Fahrgäste aber im Haken in einen Zug einsteigen können, wird noch Zeit vergehen: Die Fertigstellung der Elektrifizierung, Voraussetzung für die Bahnhalte Neu-gablonz und potenziell Buronstraße/Liegnitzer Straße, ist für 2020 geplant. 

Ganz einig waren sich die Räte aber trotz mehrheitlicher Zustimmung zu dem Projekt nicht. Vor allem 3. Bürgermeister Ernst Holy (KI) brachte einige Argumente gegen den Bahnhalt am Haken vor und hielt es für „sinnvoller“, das Geld lieber in den bestehenden Kaufbeurer Bahnhof zu stecken. Dort fehle nämlich bis heute die „Behindertengerechtigkeit“. In Bezug auf die Liegnitzer Straße sei zudem der Schaden, den ein Bahnhalt verursache, aufgrund der dichten Wohnbebauung und entsprechender Lärmbelästigung größer als der Nutzen. „Schon jetzt ist die Osttangente ständig auf einer Fahrbahn zugeparkt – ein Bahnhalt an dieser Stelle würde die schon schlechte Parkplatzsituation weiter verschärfen“, war ein weiteres Argument Ernst Holys.

Anders sah es Bernhard Pohl (FW). Man solle die „Barrierefreiheit nicht gegen den Bahnhalt ausspielen“. Der dritte Kaufbeurer Bahnhalt bedeute vor allem einen „Zuwachs an Attraktivität“, man sei weiter der Meinung, Kaufbeuren habe die Chance, mit Pendlern einen Bevölkerungszuwachs zu bekommen. 

Catrin Riedl von der SPD sah die Vorteile des Projekts ebenfalls im Vordergrund. Die Menschen rund um den Bahnhalt seien dann nicht mehr so stark auf den Pkw angewiesen, was die Parkplatzsituation – entgegen der These von Ernst Holy – eher noch entzerre. „Meine Gedanken bei den negativen Auswirkungen gehen eher in Richtung Lärmbelästigung“, so Riedl. 

2. Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU) fand, es sei „schlecht für uns, wenn wir jetzt ablehnen“. Er sah den Sachverhalt eher pragmatisch: „Wenn der Zug von Füssen kommt, muss er irgendwo zum Stehen kommen – dann macht es doch Sinn, wenn er bei uns steht!“ 

Oliver Schill (Grüne) erntete erstaunt-schmunzelnde Blicke, als er erklärte, mit CSU-Vorsitzendem Bucher „einer Meinung“ zu sein. Er halte die potenzielle Lage des Bahnhalts für „sehr gut“, auch eine ÖPNV-Verbindung sei mit der Linie 5 gegeben. Beim Thema Lärmschutz sah er sogar einen möglichen „Zusatznutzen“ für die umliegenden Anwohner: Schließlich sei der Lärm ja bereits jetzt durch die passierenden Züge gegeben. „Wenn ein Bahnhalt kommt, kommen eventuell auch Lärmschutzmaßnahmen, die am Ende eine Verbesserung zum Ist-Zustand für die Anwohner darstellen“, so Schills Argumentation. 

Weiteres Vorgehen 

Nach Zustimmung der Gremiumsmitglieder gegen die Stimmen der KI wird die BEG nun ein Prüfungsverfahren für das Projekt einleiten. Kommen wird der Bahnhalt allerdings erst, wenn die Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lindau abgeschlossen und die Umbauar- beiten zur Verringerung der sogenannten „Kreuzungszeiten“ auf der (eingleisigen) Strecke Buchloe-Füssen beendet sind. Bis zu diesem Zeitpunkt, nach jetziger Voraussicht 2020, will die BEG in Erfahrung bringen, ob sich der zusätzliche Bahnhalt auf Kaufbeurer Gebiet rechnen würde. Sollte der Bahnhalt kommen, wäre die Stadt für die entsprechenden Infrastrukturmaßnahmen verantwortlich. von Michaela Frisch

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