Überspitzte Schul-Komödie mit Sarkasmus und Herz

Kinokritik: "Fack Ju Göhte 3"

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Lehrer am Limit: Zeki Müller (Elyas M‘Barek).

2013 ließ Bora Dagtekin erstmals seine Chaos-Schüler mit der Null-Bock-Mentalität auf die Kinobesucher los. „Fack Ju Göhte” mauserte sich zum Zuschauerliebling, sodass sich die Clique 2015 mit ihrem Superlehrer in der Fortsetzung „Fack Ju Göhte 2” auf Klassenfahrt begab. Nun sind alle erwachsen geworden, stehen kurz vor dem Abitur und sorgen ein letztes Mal in „Fack Ju Göhte 3” für ausgelassene Kinounterhaltung fern jeglicher Norm.

Inhalt

Es steht nicht gut um die Goethe-Gesamtoberschule, die völlig heruntergekommen ist. Nicht nur die fehlenden Aktivitäten und der mangelhafte Durchschnitt der Schüler machen Schulleiterin Gerster (Katja Riemann) Sorgen, sondern auch die vielen Mängel, die von der Inspektion aufgedeckt worden sind. Es muss sich dringend etwas ändern. Dies erkennt auch Zeitvertreib-Lehrer Zeki Müller (Elyas M´Barek), als er mit seiner Klasse das Berufsinformationszentrum besucht. Die wenig rosige Zukunft treibt die Frustration seiner Schüler auf ein neues Level, welches in völliger Leistungsverweigerung mündet. Müller muss dringend etwas tun, wenn er seinen Job behalten und seine Klasse durchs Abi­tur bringen will. Mit unkonventionellen Mitteln treibt er seine Horde in den Unterricht und motiviert sie zum Lernen. Unterstützt von der neuen Lehrerin Biggi Enzberger (Sandra Hüller) scheint das Unmögliche plötzlich machbar.

Rezension

Elyas M´Barek und seine Chaoten sind zurück. Zum letzten Mal zelebrieren sie auf der Kinoleinwand die Null-Bock-Generation, die fern jeglicher Zukunftsperspektiven vor die Hunde zu gehen droht. Mit allerlei raffinierten, aber völlig unkorrekten Methoden werden die Schüler für den Unterricht motiviert. Einige der Sequenzen sind hemmungslos übertrieben, so wie man es von den zwei vorangegangenen Filmen gewohnt war. Doch das Endergebnis kann sich sehen lassen. Denn trotz zahlreicher Übertreibungen zeigt der Film mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit über die heutigen Ansichten der Jugendlichen. Die Schere zwischen erfolgreich verwirklichter Zukunft und sozialem Aus scheint nicht besonders groß zu sein, was auch die Schüler auf erschreckende Weise erkennen. Dass Lehrer und Schüler heutzutage kein Blatt mehr vor den Mund nehmen und die Autorität dadurch zwangsläufig auf der Strecke bleibt, ist durchaus bekannt. Und gerade deswegen macht auch der dritte Teil der Reihe wieder riesigen Spaß. Wenn die Meinung der Jugendlichen weit von der der Lehrer auseinandergeht, ist das schon sehr unterhaltsam in Szene gesetzt.

Doch neben den vielen heiteren Momenten schlägt das Finale auch ernstere Themen an. So wird den Kinobesuchern ein Blick in das Privatleben von Chantal gewährt, das alles andere als rosig erscheint. Und auch das Thema Mobbing spielt eine große Rolle, das mit Witz und Ernst gleichermaßen in Szene gesetzt wurde.

Jella Haase, Max van Groeben und ihre Schauspielkollegen präsentieren sich wieder einmal glaubhaft als minderbemittelte Jugendliche, die am Ende des Films ihren Weg finden und ihre Fähigkeiten einzusetzen lernen. Elyas M´Barek ist erneut das Herz des Films, da er die Chaos-Truppe zu fesseln und motivieren weiß und letztendlich auch die eigenen Defizite überwinden kann.

Der moralische Zeigefinger schwebt über der Handlung und weist auf die Missstände im heutigen Schulsystem hin. Die Wertung dessen bleibt jedoch dem Kinozuschauer selbst überlassen, da diesmal keine direkte Konkurrenzschule betrachtet wird. Demnach ist die Goethe-Gesamtoberschule nur eine von vielen, in der sich die herrschenden Umstände positiv auf die Schüler auswirken können, wie im Fall von Schnabelstädts kleiner Schwester Laura, oder eben einen faden Beigeschmack hinterlassen, wie bei Müllers Klasse. Sehenswert ist „Fack Ju Göhte3“ auf jeden Fall, wegen des beliebten Casts, des sarkastischen Blicks auf die Jugend, der schlagfertigen Dialoge und der ausgelassenen Fröhlichkeit.

von Sandy Kolbuch

Zum Film:

Originaltitel: Fack Ju Göhte 3

Land: Deutschland

FSK: 12

Regisseur: Bora Dagtekin

Darsteller: Elyas M`Barek, Katja Rieman, Jella Haase, Lea van Acken, Sandra Hüller, Corinna Harfouch, Uschi Glas, Max von der Groeben u.a

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