Die Bagger rollen an

Bezirkskliniken betreten Neuland

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Freuen sich über den Baubeginn: Wilhelm Egger (v. li., Regionalleiter Bezirkskliniken Schwaben), Dr. Albert Putzhammer (leitender Ärztlicher Direktor Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren), Harald Keller (Pflegedirektor Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren), Landrätin Maria Rita Zinnecker, Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, stellvertretender Bezirkstagspräsident Alfons Weber, Thomas Düll (Vorstandsvorsitzender Bezirkskliniken Schwaben), Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus, Wolfgang Siebenhütter (Leiter Bauabteilung Bezirkskliniken Schwaben) und Wolfgang Gibbesch („Fischer und Gibbesch Architekten“).

Obergünzburg – Seit Anfang Juli rollen die Bagger bereits über das Areal des ehemaligen Klinikums Obergünzburg. Nachdem die Abrissarbeiten des ehemaligen Schwesternwohnheims beendet sind, können nun der Neubau des Empfangstraktes und die Umbauarbeiten am ehemaligen Krankenhausgebäude zu einer psychosomatischen Fachklinik beginnen.

Mit einem symbolischen Spatenstich eröffneten die Vertreter der Bezirkskliniken und der Lokalpolitik die Baustelle. Der Spatenstich – eine liebgewonnene Tradition mit der Symbolik des Beginns und des Aufbruchs. Und mit jedem Anfang, mit jedem Fundament, das gelegt wird, wird immer auch ein Stück Neuland betreten. 

Dies gilt für die Bezirkskliniken Schwaben in besonderem Maße. Sie gehen mit ihrem Bauprojekt in Obergünzburg neue Wege. Denn dort entsteht die bayernweit erste rein psychosomatische Fachklinik „unter öffentlicher Hand“, wie Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, erläuterte. 

Damit ist die psychosomatische Klinik die erste ihrer Art, die nicht unmittelbar an eine Versorgungsklinik angebunden ist. Ein medizinisches Erfordernis ist hierfür allerdings auch nicht gegeben. Denn das Klinikkonzept sieht die Aufnahme von Akutfällen nicht vor. Es sollen nur geplante Aufnahmen in einer zuvor festgelegten Zeitdauer erfolgen. Am neuen Standort in Obergünzburg soll der Rehabilitationscharakter im Vordergrund stehen. 

Die Eigeninvestitionssumme in Höhe von sieben Millionen Euro zeige, so Düll, „wie sehr wir überzeugt sind von dieser Idee und deren Gelingen“. Darüber hinaus wird für die kommenden Jahre durch die stetig steigende Zahl psychischer Erkrankungen auch ein steigender Bedarf an entsprechenden Angeboten erwartet. Darüber hinaus setze Düll „großes Vertrauen in den Standort“. Er ist überzeugt, mit Obergünzburg einen Standort gefunden zu haben, an dem die Patienten inmitten der Natur und in angenehmer Atmosphäre, gestützt durch verschiedene Therapie- und Heilangebote, genesen können. 

Das ehemalige Krankenhausgebäude befinde sich laut Architekt Wolfgang Gibbesch vom zuständigen Architekturbüro „Fischer und Gibbesch“ in einem „außergewöhnlich guten Zustand“, weshalb im Haupttrakt überwiegend kosmetische Eingriffe vorgenommen werden würden. Die alten PVC-Böden sollen durch Vinylböden in Holzoptik und schwarze Teppiche ersetzt, die weißen Fliesen im Bad mit anthrazitfarbenen Elementen durchbrochen werden. Viel Holz und wertige Möbel sollen dem barrierefreien Gebäude den „Krankenhauscharakter“ nehmen und einen „Hotelcharakter“ vermitteln und durch diese „Wohlfühlatmosphäre“ optimale Voraussetzungen für die Rehabilitation schaffen, so Gibbesch. 

Der Spatenstich am vergangenen Mittwoch war dann allerdings ein rein symbolischer Spatenstich, denn die Bagger waren bereits am zweiten Juli angerollt, um mit den Abrissarbeiten – das Schwesternwohnheim konnte nicht erhalten bleiben – zu beginnen. Nun beginnt der Auf- und Umbau. Mit zwölf bis 15 Meter langen Bohrpfählen wird der Untergrund derzeit für das Fundament des neuen Eingangs- bereichs vorbereitet. In etwas mehr als einem Jahr sollen dann bereits die ersten Patienten anreisen, um in Obergünzburg Ruhe und Erholung zu finden. 

Für Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus war der Tag des Spatenstichs „ein guter Tag für das Günztal“. Mit der Krankenhausschließung 2013 sei „Einiges aus dem Lot gelaufen“. Die Schließung riss laut Leveringhaus ein Loch in die Akutversorgung der ganzen Region. Obgleich mit der Lösung, die gefunden wurde, diese Versorgungslücke nicht geschlossen werden kann, zeigte sich Leveringhaus erfreut. 

Mit den Bezirkskliniken Schwaben konnte – im Gegensatz zum Klinikum in Marktoberdorf, wo kein Investor gefunden werden konnte – eine Nachnutzung des Gebäudes sichergestellt werden. „Die Krankenhaus-Geschichte hier geht weiter“, so Leveringhaus. Mit einer psychosomatischen Klinik gehe sie zwar „spezialisiert weiter“, dennoch würde man nun wieder das erfüllen, „was unser Alltag ist: Den Menschen zu dienen“.

von Sabrina Hartmann

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