Mit mehr Bezug zur Stadt

+
Der 40 Quadratmeter kleine, durch eine Videoinstallation dunkel gestaltete Raum sei so nicht tragbar.

Kaufbeuren – Gut ein Jahr liegt die Kritik an der NS-Ausstellung im Stadtmuseum Kaufbeuren zurück, die Prof. Dr. Michael von Cranach, engagierter Experte bei der Aufarbeitung von Schicksalen in der Psychiatrie während der NS-Zeit, damals anstieß (wir berichteten).

Nun soll die derzeitige Ausstellung über die NS-Zeit im Kaufbeurer Stadtmuseum mit deutlich mehr Bezug zur Stadt, aber auch längerfristig bis 2020 neu konzipiert werden. Vor dem Schul-, Kultur- und Sportausschuss ging die Museumsleiterin Petra Weber kurz auf die Eckpunkte ein, die von kompetenten Kritikern zur bestehenden Ausstellung geäußert wurden.

Der 40 Quadratmeter kleine, durch eine Videoinstallation dunkel gestaltete Raum sei so nicht tragbar. Kein „Hitlerkitsch“, stattdessen Darstellung von persönlichen Schicksalen und Geschichten, so Weber. Auch das perfide Spiel von Ausgrenzung und Integration, das das System des Nationalsozialismus ausmache, solle deutlich werden. In ihrem stringenten Vortrag vor den Ausschussmitgliedern erläuterte die Museumsleiterin drei Varianten, die sich auf das Gutachten der im Bereich Nationalsozialismus erfahrenen Ausstellungsmacherin Johanna Wensch und den Zahlen des Atelier Hackel aus München stützen. Die mit großem Spielraum geschätzten Kosten der drei Varianten liegen zwischen 22.000 und 128.000 Euro für den umfangreichen Umbau. Auf Grund von Gesprächen mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern seien laut Weber Zuschüsse von 30 Prozent der Gesamtsumme zu erwarten. 

In diesem Zusammenhang entstand mit der Landesstelle die gemeinsame Idee einer Sonderausstellung zum Nationalsozialismus für das Jahr 2019 zu konzipieren. Denn in jenem Jahr jährt sich der Beginn des Zweiten Weltkrieges zum achtzigsten Male. Ausstellungsformen und Inhalte, die dort erarbeitet und erprobt werden, könnten dann 2020 in die Dauerausstellung einfließen.

Die Stadträtinnen und Ausschussmitglieder Dr. Erika Rössler (CDU) sowie auch Helga Ilgenfritz (SPD) äußerten sich sehr lobend über diesen Weg. „Mit einer Materialsammlung aus der NS-Zeit, in Neugablonz und Kaufbeu­ren, die dann in die Dauerausstellung einfließt, würde ein höherer öffentlicher Bezug zur Stadt entstehen“, betonte Ilgenfritz.

Mit dem Beschluss, die Sonderausstellung in 2019 durchzuführen, um dann auf Grundlage der Erkenntnisse die Umgestaltung der Dauerausstellung im Jahr 2020 zu behandeln, verschafft sich der Ausschuss noch etwas Bedenkzeit für eine mögliche kostspielige Entscheidung.

von Jürgen Wischhöfer

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
20-mal Bastel-Set im Wert von 20 Euro zu gewinnen
20-mal Bastel-Set im Wert von 20 Euro zu gewinnen
Sanieren oder Warten?
Sanieren oder Warten?
Präventive Polizei-Aktion
Präventive Polizei-Aktion

Kommentare