Renaturierung Wertachschleife

Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie

Fluss Wertach Ostallgäu
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Der „eingeengte“ Flusslauf der Wertach soll durch Renaturierungsmaßnahmen mit Seitenarmen und Auen auf bis zu 60 Meter Breite in einen „guten“ Zustand gebracht werden, um die Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen.

Marktoberdorf – In der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungs-, Wirtschafts-, Tourismus- und Umweltausschusses ging es um ein Angebot des Wasserwirtschaftsamtes WWA aus Kempten.

Julia König, Landespflegerin beim Wasserwirtschaftsamt, erläuterte die Verpflichtungen aus der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie WRRL. Das angestrebte Ziel sei, in drei Bewirtschaftungszyklen bis 2027 einen „guter Zustand“ für alle Oberflächenwasserkörper herzustellen und damit Gewässerschutz von der Quelle bis zur Mündung zu betreiben. In der Vergangenheit seien Flussläufe immer wieder begradigt und mit Ufersicherungen verschmälert worden. Dadurch habe der Fluss mit seiner Energie nur noch die Möglichkeit, in die Tiefe zu arbeiten, was eine Tiefenerosion mit der Gefahr der Grundwasserabsenkung bedeute. Im konkreten Fall gehe es um die Wertachschleife nordwestlich von Weibletshofen. War früher die Wertach in Teilen bis zu 100 Meter breit, seien es heute dort nur bis zu 30 Meter. Auf www.geoportal.bayern.de kann man sich auf dem BayernAtlas unter Zeitreise verschiedene historische Landkarten zum Vergleich anschauen, von 1860 bis heute.

Martin Mohr, der Wasserbauer des Ostallgäus beim WWA, stellte mögliche Renaturierungsmaßnahmen an der Wertach vor. Ähnliche Maßnahmen seien schon an der Wertach bei Schwenden realisiert worden. Dabei sollen Uferverbauungen wieder herausgenommen werden, dem Fluss „erlaubt“ werden, auf 40 bis 60 Meter Breite Seitenarme und Auen zu bilden. Damit werde auch ein Stück qualitativer Hochwasserschutz erzeugt. In diesen Seitenarmen würden Kiesbänke und Totholz eingebaut werden. Damit erfahre die Wertach eine ökologische Aufwertung und auch ein Stück Rückgabe an die Natur.

Abgabe von geeigneten städtischen Grundstücken

Für eine eigenständige Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie besitze das WWA aber keine Grundstücke und sei auch beim Grunderwerb sehr weit weg, so Martin Mohr. Daher nun das Angebot an die Stadt Marktoberdorf: Die Stadt gibt Teile der Ufergrundstücke (circa 18.500 Quadratmeter) an das WWA (Freistaat Bayern) ab und dieses führt die Maßnahmen ohne weitere Arbeitsbelastungen für die Stadt wie Genehmigungen und Bauabwicklung durch. Damit wären auch keine Maßnahme- und keine Folgekosten für die Stadt verbunden.

Ökopunkte für städtisches Ökokonto

Für Marktoberdorf würde sich aus der Zusammenarbeit ein weiterer wichtiger Vorteil ergeben. Bei Eingriffen in Natur und Landschaft im bauplanungsrechtlichen Außenbereich sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen notwendig. Auf einem Ökokonto werden die Vorleistungen für den Naturschutz auf der „Haben-Seite“ mit Ökopunkten erfasst und mit später notwendigen Eingriffen in Natur und Landschaft, beispielsweise bei Ausweisung eines neuen Gewerbegebietes, auf der „Soll-Seite“ aufgerechnet. Bei der vorgestellten Renaturierungsmaßnahme würden die gemäß Bayerischer Kompensationsverordnung erzeugten Ökopunkte zwischen dem WWA und der Stadt Marktoberdorf aufgeteilt und geben der Stadt damit Möglichkeiten zur zukünftigen Stadtentwicklung.

Der Ausschuss stimmte dem Beschlussvorschlag einstimmig zu.

Wolfgang G. Krusche

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