Grüne für Bauvorhaben, mehrere CSU-Räte und Freie Wähler sind dagegen

Umstritten: Hallen in der Kiesgrube im Süden Marktoberdorfs

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Erklärungsbedarf beim Ortstermin: Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (v. li.), Stadtrat Eugen Kögel, Matthias Heumos und Rudolf Zahner vom Ingenieurbüro Sieber sowie Architekt Thomas Schäfer und Brigitte Schröder (Projektentwicklung Firma Hubert Schmid).

Marktoberdorf – Für politische Emotionen sorgt das Vorhaben der Firma Hubert Schmid, die eine 13,5 Hektar große Kiesgrube im Süden Marktoberdorfs baulich entwickeln möchte. Geplant sind vier große Hallen auf unterschiedlichen Ebenen. Die größte ist 130 Meter lang und 53 Meter breit. Vor allem die Dimension der Hallen und die Verkehrsbelastung bereiten mehreren Räten Bauchweh.

Drei Mitarbeiter des Planungsbüros Sieber (Lindau) und Vertreter der Firma Hubert Schmid haben den Vorentwurf bei einem Ortstermin in der Kiesgrube vorgestellt. Zuvor wurde von der Dachterrasse des Hotels „Weitblick“ anhand vier aufgestellter Gerüstpunkte die Höhe der zwei östlichen Hallen in Augenschein genommen. Sie messen an der Traufe 13,70 Meter und am First 16,70 Meter.

Eine Entscheidung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Gewerbegebiet Saliterstraße“ ist nach langer, teils emotionaler Diskussion aber vertagt worden. Die Mehrheit im Gremium befürwortete einen Antrag von SPD-Stadtrat Stefan Elmer. Der wollte, dass zu dem großen Projekt zuerst eine Visualisierung (3D-Darstellung zur Hallengröße) erfolgt; auch sollten Antworteten zu eventuellen Änderungen bei Platzierung und Höhe, zu Immissionswerten und zur Verkehrsbelastung durch Lkw eingeholt werden.

Bauunternehmen: Es wird nachbessert

Brigitte Schröder, beim Bauunternehmen Hubert Schmid für die Projektentwicklung zuständig, nahm dazu am Tag nach der Stadtratssitzung Stellung; sie war mit Seniorchef Hubert Schmid und dem Planer der Firma, Thomas Schäfer, beim Ortstermin und verfolgte danach die Stadtratssitzung. „Wir arbeiten an einer Lösung, die Halle zu verkürzen, und evtl. gehen wir mit der Hallenhöhe nach unten“, gibt sie zum Bauwerk auf der Ostseite zu verstehen. Auch die gewünschte Visualisierung werde folgen.

Zur Lkw-Belastung sagte Schröder, dass kein Schwerlastverkehr mehr über die Saliterstraße ausfahre, sondern nur noch über die Bundesstraße 16. Aktuell kämen zum Betonieren ins Fertigteilwerk zwei Lastwagen am Tag. Schröder: „Sollen es fünf werden, dann ist das viel.“ Die im Stadtrat genannten 500 Zu- und Abfahrten seien maximale Berechnungen, was denn am Standort möglich wäre, damit die Immissionswerte der Wohnbebauung eingehalten werden.

Stimmen aus dem Stadtrat

Wer die Stadtratsdebatte verfolgte, konnte den Eindruck der „verkehrten Welt“ gewinnen. Denn das Vorhaben der Firma fand beispielsweise bei den Grünen Zustimmung, während es bei manchen Räten der CSU und Freien Wähler auf Ablehnung stieß. Vroni Diepolder (CSU) wetterte, keinem Menschen sei zu vermitteln, dass inmitten dreier Wohngebiete ein Gewerbe dieser Dimension entwickelt werde. Städteplanerisch sei das „eine absolute Katastrophe“. Auf dieses Gelände gehöre Wohnbebauung. Carl Singer (Freie Wähler) erinnerte ebenfalls an „1500 Bewohner im Umfeld“. Es handle sich dort um ein Gebiet für Kiesabbau, das sich die Natur inzwischen weit zurückerobert habe. Es ginge nicht darum, der Firma Hubert Schmid Einhalt zu gebieten; aber ein Gewerbe- oder gar Industriegebiet könne er sich dort nicht vorstellen.

Dessen Fraktionskollege Franz Barnsteiner und Grünen-Stadtrat Georg Martin erklärten hingegen: Besser sei es, die Flächen dort zu entwickeln als ein Gewerbegebiet auf der grünen Wiese neu zu erschließen. Die Planung sei unter dem Aspekt „Nachverdichtung“ zu sehen, fügte Martin hinzu.

Meinrad Seelos (Stadtteile aktiv) argumentierte, der Stadtrat habe im Dezember 2014 den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan auf diesem Areal gefasst. Daher könne man jetzt nicht zurück rudern. Gewiss sei er zuerst erschrocken über die Dimension der vier geplanten Gebäude. Doch die Situation könne man entschärfen, indem die mittlere Halle hinterm Wall verkleinert und „wie in ein Nest“ gesenkt werde.

Werner Moll (Stadtteile aktiv) sah die Bauvorhaben auf der „brachliegenden Fläche“ als Beitrag dazu, Arbeitsplätze zu sichern und evtl. neue zu schaffen. „Was uns einholt“, so fuhr Moll fort, sei die Ermangelung städtischer Gewerbeflächen.

„Da war immer schon Gewerbe“, meldete sich Peter Fendt (parteilos) zu Wort. Die Firma Hubert Schmid – sie hat laut Seniorchef knapp 900 Mitarbeiter – sei eine der größten Firmen und einer der größten Gewerbesteuerzahler Marktoberdorfs, ergänzte Fendt. Die Stadt solle dankbar sein, wenn sich das Unternehmen weiterentwickle.

Lager für den Schalungsbau

In den drei Hallen auf der Ostseite sollen Werkzeug und Material für Schalungsbau gelagert werden. Dazwischen sollen ein Freilager und zehn Lkw-Stellplätze Platz finden. In der unteren Ebene – mehr zur Saliterstraße hin, ist beim bestehenden Fertigteilwerk ein großer Erweiterungsbau vorgesehen.

Marion Schmidt vom Stadtbauamt sagte eingangs, dass es sich bei der Fläche teilweise um hochwertige Lebensräume handle. Dort seien streng geschützte Tierarten vorhanden. Diplombiologe Rudolf Zahner vom Büro Sieber erklärte, dass bei den Zauneidechsen ein Ersatz zum Umsiedeln geschaffen worden sei. Seit 2017 laufe ein jährliches Monitoring zur Wirksamkeit der Maßnahmen. Zudem seien Nistkästen für Vögel und Fledermauskästen an geeigneten Stellen angebracht worden. Im Zuge der Baumaßnahme entfalle auch ein geschütztes Biotop in der früheren Kiesgrube.

jj

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